Mobilée - Walking on a twine

Mobilée- Walking on a twine

Island / Universal
VÖ: 14.09.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Keine Kohle

Wie klingt das Ruhrgebiet? Rau und ungeschliffen? Nach Blut, Schweiß und Dosenbier? Nein, der Strukturwandel im Pott macht auch vor der Musik nicht Halt: Mobilée geben ihrer Duisburger Heimat ein Gesicht, das so gar nichts von rußgeschwärzter Kohlenromantik hat. Auf ihrem Debütalbum "Walking on a twine" glänzt und blitzt jeder Winkel. Stundenlang scheinen die Lieder für den Besuch der Hörer geschrubbt und gewienert worden zu sein, eingeschmiert mit der schimmernden Politur aus Klavier, Chören oder Geigen, auf die so viele in der Pop-Welt schwören.

Der von der Band angekündigte Folkpop wird zur Grundzutat, mit der sich kaum ein Stück begnügt: Schön die sehnsüchtigen Chöre von "Peter Pan" beschwören Weite herauf. Irgendwo wartet fast immer die mehr oder weniger große Geste, die sich in opulentere Sphären streckt und dabei manchmal die eigentlichen Stärken der Musik verkennt: Es sind eher die leichtfüßigen, vom Instrumenten-Ballast befreiten Momente, wegen derer unterschwellig dieses freundliche Gefühl zurückbleibt, das der Hörer am Ende selbst nicht recht begründen kann. Mobilée sind in vielerlei Hinsicht eine Einerseits-Andererseits-Band. Eine, die einerseits beim ZDF-Fernsehgarten auftritt, um sich dort andererseits mit Pussy-Riot-Masken über Putin und Playback gleichermaßen lustig zu machen.

Musikalisch sind solche Unbequemlichkeiten nicht zu entdecken. Ein Stück nach dem anderen gleitet in ausgefeilter Aerodynamik vorbei - glasklar, aber oft einigermaßen vorhersehbar. So kann es durchaus passieren, dass man auch nach zahlreichen Hördurchgängen noch nicht weiß, ob das Lied, das man gerade hört, nun "Spaceships" oder doch "A little bit" heißt und Schwierigkeiten hätte, es im Radio seinen geistigen Eltern zuzuordnen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch das, was man auch Stunden später noch vor sich hin summen kann: "Let the great world spin" gewinnt, indem es alle Stilfragen zugunsten von etwas atemloser Übermut beiseite schubst und dem Folk-Etikett so tatsächlich Rechnung trägt. Auch bei "The refugee" wäre es jammerschade gewesen, die vorsichtig anschwellende Instrumentierung mit einem Bombast-Mantel zu verhüllen. Zum Glück bleibt genug Raum, damit die Streicher ein Motiv nach dem anderen auf dem Glockenspiel-Tröpfeln im Hintergrund balancieren können - vielleicht der schönste Drahtseilakt des Albums, sicherlich der filigranste.

Ansonsten jauchzt, gluckst und schmachtet Sängerin Caroline Wolter mit gleichbleibendem Niedlichkeitsfaktor, ohne dass das (je nach Bedarf) Aufgekratzte, Melancholische oder Augenzwinkernde wirklich aus dem feingeschliffenen Gesamtbild herausragen würde: Ganz vorne entfaltet das Schöne, Ästhetische, Passende seine funkelnde Anti-Ruhrpott-Attitüde. Mobilée tischen eher leichte Mittelmeerküche auf als Pommes mit Currywurst - vermutlich könnten sie auch gar nicht anders. Mailand oder Marxloh, hauptsache Italien.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Let the great world spin
  • The refugee

Tracklist

  1. Peter Pan
  2. Lay down here
  3. Talking quietly
  4. Genesis
  5. A little bit
  6. Spaceships
  7. Let the great world spin
  8. The refugee
  9. Little sister
  10. Well done
  11. Raindrops on London
  12. Filmlet

Gesamtspielzeit: 41:09 min.