Animal Collective - Centipede Hz

Animal Collective- Centipede Hz

Domino / GoodToGo
VÖ: 31.08.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Space jam

Wenn man es nicht wirklich besser wüsste, könnte man die vier Jungs von Animal Collective für ziemliche Streber halten. Mit jedem veröffentlichten Album festigt sich der Eindruck, dass hier Menschen am Werk sind, die ihre Erfüllung darin finden, Popmusik aus einer nicht näher definierten Zukunft zu komponieren. Dass sie dabei den Spagat in die Vergangenheit nicht scheuen, bewiesen sie zuletzt mit ihrem schief gewickelten Beach-Boys-Album "Merriweather Post Pavilion". Auch auf ihrer nunmehr neunten Platte "Centipede Hz" wagen Panda Bear, Avey Tare, Geologist und Rückkehrer Deakin den Blick zurück und führen den Hörer in jene Zeit, in der das Radio das ultimative Medium war. Zentral war für das Quartett die Fragestellung, was mit den gesendeten Signalen passiert, nachdem man sie am heimischen Empfangsgerät hören konnte. Kreisen sie vielleicht wie geduldige Trabanten auf ewig um die Erde? Oder dienen sie fremden Kulturen auf noch fremderen Planeten zur gediegenen Abendunterhaltung? "Centipede Hz" gibt zwar keine endgültige Antwort, erkundet aber mit seinen elf sternenklaren Kompositionen die verschiedenen Möglichkeiten.

Im Vergleich zum quirlig-benebelten Vorgänger haben Animal Collective für ihre neue Platte größtenteils auf wilde Sequenzer-Spielchen verzichtet, manchmal klingen sie dafür trotzdem wie vier Typen, die sich früher jedes Wochenende "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" auf Betamax-Kassetten reingezogen haben. Animal Collective tänzeln stets gedankenverloren und ohne jegliches Zeitgefühl zwischen Fantasie und Realität, wissen das aber selber, wie sie im herrlich-fruchtigen "Applesauce" gestehen: "When I was young, I thought fruit was an infinite thing / I'd be sad to wake up and find all of my cherries are charred or they're rotted to ruin." Animal Collective verbinden hier kindliche Naivität mit weisem Wahnwitz, verknüpfen ausurfenden Freak-Folk mit pumpendem Pop und grüßen ihre Baumhaus-Nachbarn MGMT, die später vielleicht auch mal so ticken werden.

Lyrisch bewegen sich Animal Collective natürlich immer am Rande des tiefschwarzen Abgrundes, irgendwo zwischen Dietmar Daths "Die Abschaffung der Arten" und dem letzten Lustigen Taschenbuch. Sie singen von Panthern, explodierenden Gehirnen und den Beatles, verpacken all das in Songs, die viel mehr sind als schnödes, herkömmliches Liedgut: An allen Ecken und Enden passieren Dinge, es flirrt und surrt und quietscht und blitzt, dass es eine helle Freude ist. Natürlich besteht bei einem derart synästhetischen Ansatz die Gefahr der schieren Überfrachtung, der Fixierung aufs möglichst Unmögliche, doch "Centipede Hz" umkurvt all diese Fallen mit Bravour. Immer wieder bricht Sonnenlicht ins Instrumentendickicht und zaubert dann eine Melodie hervor, für die man Animal Collective mit frisch gepflückten Kirschen aus dem heimischen Obstgarten belohnen möchte.

Im besten Song der Platte, dem großartigen "Father time", wiegen sich die Synthies gegenseitig in den Schlaf, während wieder einmal unklar ist, ob wir träumen oder wachen und wofür die irdische Existenz überhaupt gut sein soll: "Luck, it's not real, no, it's not real / Maybe it's only real when lightning landed and hit you right where you were standing." Auf "Centipede Hz" geht es also wirklich um die ganz großen Themen, es wird philosophiert und gescherzt, und auch wenn man am Ende nicht schlauer ist, so scheint sich der eigene Horizont zu weiten. Doch keine Angst, manchmal ist es auch gut, wenn die eigenen Sicherungen durchbrennen und die Augen zu flackern beginnen: "It's not a question for your head / Come and join me near the speaker." Unter uns: Das ist ein Angebot, das Sie nicht ausschlagen sollten.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Today's supernatural
  • Applesauce
  • Father time
  • New town burnout

Tracklist

  1. Moonjock
  2. Today's supernatural
  3. Rosie oh
  4. Applesauce
  5. Wide eyed
  6. Father time
  7. New town burnout
  8. Monkey riches
  9. Mercury man
  10. Pulleys
  11. Amanita

Gesamtspielzeit: 55:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Girl
2013-05-01 16:46:21 Uhr
Niemand?
Girl
2013-05-01 14:56:01 Uhr
Kennt jemand von euch Deerhoof?
oh neine
2013-05-01 02:16:25 Uhr
welche user nennt sich Ka-cke, frustriert im quadrat
@Typischer PT-Indiespinner
2013-04-29 19:08:10 Uhr
du bist ja ein ganz lustiger...
Typischer PT-Indiespinner
2013-04-29 18:53:53 Uhr
Progressiver als Asia und Saga zusammen, hab ich noch vergessen.
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