Jens Lekman - I know what love isn't

Jens Lekman- I know what love isn't

Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 31.08.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Grau ist alle Theorie

Jeder, der es nur ein einziges Mal richtig gespürt hat, weiß es. Und auch, wenn es wie der Ausspruch eines verzweifelten und zu Tode betrübten 16-jährigen Teenagers klingt, der ein bisschen zu viel Emo-Mucke gehört hat, stimmt es schon: Die Liebe kann ein Arschloch sein. So hoch sie einen auch in die Lüfte befördern kann, so tief und schmerzhaft lässt sie einen auch wieder fallen. Vom schönsten Gefühl auf Erden bis zum um die Ecke wartenden Herztod können oft nur Augenblicke oder ein Wort nötig sein. Jens Lekman weiß, was Liebe ist. Und er weiß, was sie nicht ist. "I know what love isn't", sein erstes Studioalbum seit "Night falls over Kortedala" von 2007, beschäftigt sich mit den Grauzonen dieses vermeintlich höchsten der Gefühle. Und der 31-jährige Schwede wäre eben nicht Jens Lekman, wenn er es nicht auf seine ganz eigene Art tun würde.

Lekman redet über die Liebe wie ein Märchenerzähler, wie jemand aus der Distanz, dem man bei seinen Gesichichten die eine oder andere seiner Erfahrung entsprungene Weisheit entlocken kann, und reduziert seine Stories so weit, dass sie nicht altbacken oder gar überzogen wirken. Der Opener "Every little hair knows your name" lässt nur eine ausgewaschene Klaviermelodie erklingen, kein einziges Wort hört man in diesen ersten knapp eineinhalb Minuten von Lekmans drittem Album. Auch das gehört zur Geschichte. "Anywhere but back to you" wünscht er sich in "I want a pair of cowboy boots", die richtigen Schuhe für den Weg gleich dazu und stellt zur Akustikgitarre fest: "You were in my dream last night / Like every night since two years ago / I think my dream is trying to tell me something / And I say tell me something I don't already know." Etwas lebhafter wird es auf "Become someone else's", und bevor man glaubt, die Thematik sei aufgrund des Titels klar, reicht eine Zeile aus, um alles wieder einstürzen zu lassen: "Life's too good to become someone else's" singt er zu einer fröhlichen Klavierabfolge und fordert zum Weiterziehen auf, bevor man jemanden wie ein Stein mit in die tiefen Gewässer zieht. Auch das ist Liebe.

Lekman kann darüber noch viel mehr erzählen, und mit dem meisten, was er da von sich gibt, kann sich der Hörer identifizieren. "The world moves on", eines der poppigsten Stücke, handelt vom Kennenlernen, langsamen Herantasten, Rumknutschen in der ganzen Stadt - und vom Zerbrechen dieser Beziehung. Das, was daraufhin selbstverständlich passiert, nämlich nichts, kann für denjenigen, dessen Herz gebrochen wurde, am schlimmsten sein. Die Welt dreht sich dennoch weiter, als sei nichts gewesen: "The world just shrugs its shoulders and keeps going / It just moves on in all its sadness and glory" - bis die nächste große Liebe des Lebens plötzlich in dieser grausamen Welt auftaucht und alles besser macht. Irgendwie ist es wie beim Boxen: Eine entschiedene Runde muss nicht die Entscheidung des Kampfes ausmachen.

Den dramatischsten Moment findet man wohl im von Streichern getragenen "The end of the world is bigger than love", das offenbart, dass Lekman natürlich selbst keine wirkliche Ahnung von der Liebe hat. Dass es ihm selbst genauso immer wieder passiert, dass er sich verliebt und ihm das Herz gebrochen wird. Und dass er genauso jemanden braucht, der ihm versichert, dass das nicht das Ende der Welt ist. Tatsächlich erzählt er von den Grauzonen der Liebe, die jeder durchmacht, der sich auf das Spiel zwischen Himmel und Hölle einlässt. "I know what love isn't" endet, wie es begonnen hat, zumindest fast: Der letzte Song heißt genauso wie der Opener, und Lekman gibt seinen Hörern zu sachter Gitarrenbegleitung eine letzte Erkenntnis mit auf den Weg. Geradezu deprimierend klingt es, wenn er singt, dass alles, was er tut und sieht, immer wieder auf diesen einen Menschen zurückkommt. Aber auch zugleich hoffnungsvoll, denn schon der gute Goethe wusste: "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie / Und grün des Lebens goldner Baum." Dann mal los in die nächste Runde.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • She just don't want to be with you anymore
  • The world moves on
  • The end of the world is bigger than love
  • Every little hair knows your name

Tracklist

  1. Every little hair knows your name
  2. Erica America
  3. Become someone else's
  4. She just don't want to be with you anymore
  5. Some dandruff on your shoulder
  6. I want a pair of cowboy boots
  7. The world moves on
  8. The end of the world is bigger than love
  9. I know what love isn't
  10. Every little hair knows your name

Gesamtspielzeit: 38:07 min.

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