Zulus - Zulus

Zulus- Zulus

Aagoo / Cargo
VÖ: 31.08.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der mit Fleischwolf tanzt

Hardcore will never die, but you will. Oder pfeift der gute Herr Core inzwischen vielleicht eher auf dem letzten Loch? Aleksander Prechtl und Daniel Martens waren offenbar dieser Ansicht, als sie ihre Post-Hardcore-Band Battleship auflösten, ihren Wirkungskreis von Los Angeles nach Brooklyn verlegten und sich bei Zulus mit zwei Komplizen darauf verständigt haben, dem alten Affen Hardcore schnellstmöglich den Garaus zu machen. Wie schon auf der EP "Kill Gemini dead", die es mit vier Songs nur knapp über die Sechs-Minuten-Grenze schaffte - ein formatbezogen ähnlich schmales Programm wie auf diesem Album also.

Zieht man die beiden auf "Zulus" wiederverwerteten Stücke "Vibrations" und "Blackout" ab, handelt es sich hier sogar nur um eine gute Viertelstunde neue Musik. Viel kürzer fassen sich Hardcore-Verfechter wie Touché Amoré und Off! auch nicht. Für Lärmfetischisten besteht jedoch keinerlei Grund zur Sorge: Auf ihrem Debüt veranstalten Zulus so viel Getöse, als würden drei Schlachtschiffe mit schwerer Artillerie gleichzeitig durch den Gehörgang brausen. Da kann es schon einmal passieren, dass das Quartett bei seinem entfesselten Noise-Rock vor lauter Ungestüm den Rock kurzerhand vergisst.

Prechtl, der jedes Stück mit ätzend-verhalltem Gebell aus der Echokammer durchkeift, setzt sich hier nämlich auch an die Drums. Und diktiert die Veranstaltung von der ersten Sekunde an auf wuchtigen Kriegstanztrommeln, während der Rest der Band mit penetrant rasselnden Stahlseiten, Bass-Eruptionen und panischen elektronischen Schreien kaum hinterherkommt. Doch letztendlich geht trotzdem alles gut. Oder vielmehr: so gut wie möglich. Bei so viel Tribal-Brutalität würde es nicht einmal verwundern, wenn sogar Gruppen wie Liars oder Mi Ami entnervt abwinken. Zu konsequent drücken Zulus ihre Visionen jenseits von Post-Hardcore durch.

Klar, dass da nach 22 Minuten weder Fragen offen noch Ohren ungeschleift sind. Der hetzende Opener "By night and spear" verschafft sich furchterregend Gehör, "Surgery" und "Tremolo" mahlen vorwärts wie ein Fleischwolf im Geschwindigkeitsrausch, und obwohl das großartige "Kisses" drohend eine Synthie-Sirene heulen lässt, bringt sich niemand in Sicherheit. So sehen Musiker wie Hörer danach in der Tat vermutlich ziemlich geküsst aus. Wenn nicht wie mit dem Holzhammer frisiert. Das ist alles schon ziemlich ... wie soll man sagen - hardcore? Ach was. Das ist doch kein Ponyhof hier.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • By night and spear
  • Kisses
  • Blackout

Tracklist

  1. By night and spear
  2. Surgery
  3. To die
  4. Kisses
  5. Vibrations
  6. Blackout
  7. Tremolo
  8. Death in the current

Gesamtspielzeit: 22:28 min.

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