Threshold - March of progress

Threshold- March of progress

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 24.08.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stimmt schon

Das I-Tüpfelchen verschwand im August 2011. Die Metalwelt verlor eine ihrer markantesten Stimmen, als Andrew "Mac" McDermott erst die Band verließ und kurz darauf sein viel zu kurzes Leben endete. McDermott veredelte die technisch ausgefeilte, kraftvolle Musik von Threshold; sorgte mit seiner einprägsamen Stimmlage dafür, dass sich Ausnahmesongs wie "The art of reason" vom Meisterwerk "Subsurface" (2004) noch tiefer im Gedächtnis verankerten. Als würdiger Ersatz für den Unersetzbaren konnte ein alter Bekannter gewonnen werden: Damian Wilson, der bereits in den 90ern für Threshold intonierte und sich durch seine vielen Engagements (zuletzt bei "I am anonymous" von Headspace und gelegentlich für Arjen "Ayreon" Lucassen) einen guten Ruf erarbeitete.

Ein Wiederhören mit buchstäblichen Freudentränen also, steht Wilsons Gesangsvermögen doch völlig außer Frage. McDermott war aber auch deshalb so wertvoll, weil seine artifiziell-emotionale Stimme dem energiegeladenen Präzisionsprog Tresholdscher Prägung zu noch größerer Eindringlichkeit verhalf. Dieser Sahnehäubchen-Effekt muss mit dem eher klassischen Tonfall Wilsons zwangsläufig ausbleiben. Das mag der Musik zwar ein wenig von ihrer Eigenheit nehmen, doch ist es auch dem neuen alten Sänger zu verdanken, dass das erste Album nach fünfjähriger Pause mühelos das hohe Niveau der bisherigen Diskographie erreichen kann.

Schon das als Single ausgekoppelte "Ashes" verdeutlicht, dass Threshold von ihrem auf Transparenz und Eingängigkeit getrimmten Prog-Metal keinen Nanometer abgerückt sind. Allerdings erinnert der Song zuweilen etwas zu stark an "Slipstream", den Opener des letzten Albums "Dead reckoning" (2007). Auch das ist ein Indiz dafür, dass es sich Threshold in ihrer Ecke offenbar ziemlich gemütlich gemacht haben. Wer sich angesichts der langen Wartezeit Innovationen versprach, wird sehr schnell erkennen müssen, dass Threshold anno 2012 jenseits des Gesangs fast genauso klingen wie vor fünf, zehn oder 15 Jahren. Dazu gehört auch ein leichter 80er-Touch, der vor allem in den Refrains immer wieder zur Geltung kommt. Pathetisch-mitreißende Zeilen wie in "Don't look down" hinzubekommen, ohne in die Nähe von Kleisterkapellen wie Manowar gerückt zu werden, spricht dabei allerdings für eine ausgeprägte Geschmackssicherheit.

Dass Überraschungslosigkeit nicht grundsätzlich kritikwürdig ist, wird mit zunehmender Spieldauer des bisher umfangreichsten Albums der Bandgeschichte immer deutlicher. Nichts gegen Wiederholungen, so lange stilistische Berechenbarkeit durch die verlässliche Dichte ergreifender Hooklines, Melodien und Gesangslinien aufgewogen wird. Man nehme etwa "The hours", das sich in puncto Dynamik und Zugänglichkeit als Blaupause für einen Threshold-Titel eignet. Oder "Coda", das lange ungleich vertrackter daherkommt, die Anspannung aber in einen dieser typisch fesselnden Refrains auflöst. Nicht zu vergessen "That's why we came", das sich dank einem sich mächtig ins Zeug legenden Wilson ebenso in balladenerprobten Ohren festsetzen kann wie einst "Keep my head" vom Album "Hypothetical" (2001). Einmal mehr als Leistungsträger in der Disziplin Longtrack erweisen sich Threshold beim abschließenden "Rubicon", auch wenn das nicht ganz an ein "Critical mass" vom gleichnamigen Langeisen aus dem Jahr 2002 heranreicht. Daran, dass Threshold folglich ein weiteres stimmiges Album vorlegen, kann auch das etwas behäbige "Liberty complacency dependency" nichts mehr ändern, zumal hier die hochgestimmte Gitarre ein jubilierendes Solo kredenzt. Wozu auch Überraschungen?

(André Schuder)

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Highlights

  • Ashes
  • The hours
  • Don't look down

Tracklist

  1. Ashes
  2. Return of the thought police
  3. Staring at the sun
  4. Liberty complacency dependency
  5. Colophon
  6. The hours
  7. That's why we came
  8. Don't look down
  9. Coda
  10. Rubicon

Gesamtspielzeit: 69:12 min.

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