Nas - Life is good

Nas- Life is good

Parlophone / EMI
VÖ: 13.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gestorben wird später

Das Leben ist eine Schlampe und dann stirbst Du - größer könnten die Unterschiede zwischen "Illmatic" und dem Hier und Jetzt kaum sein. Nas hat mit seinen eigenen Händen HipHop einmal begraben. Und wenn das Nasty Nas tut, hat das Gewicht - so sehr sogar, dass sich bis heute die nicht gerade hellsten Lichter am Kronleuchter an dieser geflügelten Phrase bedienen. Die Diskussion aus der Szene haben sie mitbekommen, doch nicht, dass es weiterging, weitergeht, weitergehen wird. Das weiß auch Nas. "Life is good" könnte aber trotzdem kaum bitterer gemeint sein. Oder vielleicht liegt doch hinter all diesen menschlichen Tragödien ein Sinn? Eine Schönheit, die unser kleines Hirn nicht begreifen mag?

Nas ist immer noch einer der geschicktesten Texter, die das Spiel namens Rap jemals gesehen hat. Da wäre etwa "Bye Baby", ein Abgesang auf Ex-Ehefrau Kelis, aber nie unfair oder mies. Dafür schmeichelt auch das Soul-Sample viel zu sehr. Der Einschnitt, den die Scheidung in Nas' Leben hinterlassen hat, wird hier deutlich, doch auch, dass er daran gewachsen ist. Zudem wäre auch ohne die Scheidung noch genug zum Aufarbeiten vorhanden: das Gefühl, dass der 40. Geburtstag nicht mehr so fern ist, die Verantwortung als Vater und natürlich das HipHop-Ding. Nas nimmt es alles mit, mal mehr, mal weniger. Das Autobiographie zu nennen, würde dem Sound nicht gerecht, doch es ist der Blick in die Seele - unaufgeregt, unpathetisch, unverwechselbar. "I don't get the credit I deserve", posaunt er in "Back when", obwohl Nas längst in einem Atemzug mit den ewigen Legenden genannt wird.

Doch vielleicht reicht es zum Mythos noch nicht. Denn so stark "Life is good" textlich auch sein mag, der Sound ist relativ konventionell ausgefallen. Der Beat von "Nasty" geht natürlich trotzdem gut rein. Und startet "Loco-motive" noch mit einem Chor, löst ihn ein tumber Beat schließlich für den Rest des Tracks ab. Dafür hangelt sich "Roses" an einer ziemlich starken Piano-Linie entlang. Der Sound wird hier organischer und passt einfach unglaublich stark zu Nas' Flow. Doch trotzdem keine Experimente auf lange Sicht und mit Rick Ross, Large Professor und Mary J. Blige sind zwar gern gehörte Gäste dabei, doch es dürfte auch mal wieder Abwechslung am Tisch geben. Die Zeiten haben sich geändert, keine Frage. Die Wut der Jugend ist verraucht und der Enttäuschung gewichen. Die in all ihrer Anmut auszukosten, ist Nas größter Trumpf, mit dem er seine Kunst schafft. Das Leben ist eben immer noch eine Schlampe. Nur stirbt keiner mehr daran.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Loco-motive
  • Bye baby
  • Roses

Tracklist

  1. No introduction
  2. Loco-motive
  3. A Queens story
  4. Accident murderers
  5. Daughters
  6. Reach Out
  7. World's an addiction
  8. Summer on smash
  9. You wouldn't understand
  10. Back when
  11. The Don
  12. Stay
  13. Cherry wine
  14. Bye baby
  15. Nasty
  16. The black bond
  17. Roses
  18. Where's the love
  19. The Don (Don Dada Remix)

Gesamtspielzeit: 71:36 min.

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