The Hirsch Effekt - Holon : anamnesis

The Hirsch Effekt- Holon : anamnesis

Midsummer / Cargo
VÖ: 31.08.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Wir wussten es. Ihr wusstet es auch. Doch niemand hat es je laut ausgesprochen, bis - nun ja, bis wir im März 2010 das Debüt von The Hirsch Effekt zum Album der Woche kürten. 8/10. Spätestens jetzt musste es als bewiesen gelten, dass Plattentests.de ein Rad ab hat. "Wollt ihr mich verarschen?", lautete nur der erste von vielen, vielen ähnlich gearteten Kommentaren im Forum, als "Holon : hiberno" als vielleicht ungewöhnlichstes Album der Woche seit Reamonn von der Startseite lächelte.

Halsbrecherische Rhythmen, atemberaubende Gitarrenkaskaden, Tempowechsel zuhauf, wütendes Gekreische, kryptische Texte: Zugegeben, die Zutaten, mit denen das Hannoveraner Trio experimentierte, stehen beileibe nicht in jedem Bandproberaum im Schrank. Und doch musste jeder Hörer ohne Scheuklappen zugeben, dass schon lange keine deutsche Band mehr derart virtuos Neuland eroberte wie The Hirsch Effekt. Als nette Dreingabe wussten die drei auch live zu überzeugen. Was kann da noch schiefgehen auf dem Weg in den Indie-Olymp? Der Nachfolger zum gefeierten Erstling zum Beispiel.

The Hirsch Effekt sehen sich auf "Holon : anamnesis" dabei gleich zwei Gefahren ausgesetzt. Erstens, dass das zweite Album dem ersten zu sehr ähneln und damit am Nimbus der Genre sprengenden Pioniere kratzen könnte. Und zweitens, dass sich vielleicht plötzlich zuviel Struktur ins Chaos einschleicht und das böse Wort von der Anbiederung an den Massengeschmack die Runde macht. Doch scheinbar mühelos spazieren The Hirsch Effekt einfach mittig zwischen beiden Fallgruben hindurch. "Holon : anamnesis" bleibt dem Vorgänger in weiten Teilen treu, präsentiert sich ähnlich gnadenlos virtuos - und ist doch viel zugänglicher.

Denn in den Songs auf dem neuen Album wiederholen sich Passagen weitaus häufiger als früher, so dass Begriffe wie Strophe und Refrain gar nicht mehr so abwegig klingen. Auch kommt eine Komposition wie "Ligaphob" komplett ohne Rhythmus- und Tempowechsel aus, wabert neun Minuten in Niedergeschlagenheit dahin. Die Melodien von Nils Wittrock bleiben stärker im Ohr, die Texte sind klarer formuliert. Und doch ist all das in Relation zum explosiven Debüt zu sehen und insgesamt immer noch so weit entfernt von Radiotauglichkeit wie Hannover vom Mars.

The Hirsch Effekt sind nach wie vor eine höchst aufregende Band. Und das Album beileibe keine leichte Kost. Wie auch, bei den Texten? "Wie lang steh' ich schon für das Stück Weltschmerz? / Was ist schon der Tod im Verhältnis zu Dir?", zermartert sich Wittrock etwa die Seele im mitreißenden "Agitation" und gibt damit ziemlich gut den Tenor des ganzen Albums wieder. Schräge Riffs reiben sich aneinander, während die Band mit ungeraden Rhythmen jede Gefühlsduselei weichklopft und Wittrock unnachahmlich zwischen Klagegesang und wüstem Gebelle pendelt. Wer nach der Zwölf-Minuten-Dampfwalze "Mara" noch fehlerfrei das ABC aufsagen kann, hat einen Tapferkeitsorden verdient. Und doch wohnt der zerrissenen Gefühlswelt, dem lauten Chaos auf "Holon : anamnesis" eine Schönheit inne, die nur richtig große Bands erschaffen können. Mit jedem weiteren Album dieser Güteklasse steigt die Gewissheit, dass es sich bei The Hirsch Effekt um eine solche Band handelt.

(Mark Read)

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Highlights

  • Absenz
  • Agitation
  • Mara

Tracklist

  1. Anamnesis
  2. Limerent
  3. Absenz
  4. Agitation
  5. Ligaphob
  6. Mara
  7. Irrath
  8. Ira
  9. Datorie

Gesamtspielzeit: 66:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 17171

Registriert seit 07.06.2013

2019-08-08 20:51:02 Uhr
Das stimmt. Und deshalb geb ich das dem Album jetzt auch. Dem Debut habe ich ja "nur" eine 8,5/10 gegeben, aber "Anamnesis" ist für mich einfach nochmal deutlich besser. Das fängt bei der Produktion an, geht über die Texte, die wunderbare Instrumentierung, die Songs und endet bei den grandioses Detail.

Ich glaub das Ding kommt bei mir bei den "100 Alben der 2010er" auf Platz 1.

Neuer

Postings: 143

Registriert seit 10.05.2019

2019-08-08 20:49:16 Uhr
Eine 10/10 braucht mMn gar nicht nur 10/10-Lieder. Ein Gesamteindruck kann das locker rechtfertigen, aber ich bin mit meinen Punkten wohl auch lockerer als die meisten hier

Mayakhedive

Postings: 987

Registriert seit 16.08.2017

2019-08-08 20:48:53 Uhr
Ich finde, man kann einem Album als ganzes absolut die 10 geben, auch wenn nicht jeder Einzelsong ne 10 ist.

The MACHINA of God

Postings: 17171

Registriert seit 07.06.2013

2019-08-08 20:48:47 Uhr
So. Zu Ende.

Gesamtalbum:
Ich bin sehr versucht die 10/10 zu zücken, auch wenn die Summe der Songs das nicht ganz zeigt. Aber als Gesamtwerk ein intensiver, emotionaler, irrwitziger Trip voll vergangener Liebe, verzweifelter Wut und einfach drei fantastischen Musikern. Für mcih ihr Meisterwerk.

Neuer

Postings: 143

Registriert seit 10.05.2019

2019-08-08 20:48:06 Uhr
War schön ja :) Dieses Mal war ich etwas abgelenkt, nächstes mal bin ich vielleicht mehr bei der Sache
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