Dead Can Dance - Anastasis

Dead Can Dance- Anastasis

PIAS / Rough Trade
VÖ: 10.08.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hard listening

Nein, dies wird kein längliches Traktat über die Halbwertszeit von Band-Auflösungen im Allgemeinen und Reunion-Dementis im Speziellen. Allerdings darf die erste Veröffentlichung von Dead Can Dance nach schlappen 16 Jahren durchaus für die ein oder andere gerunzelte Stirn sorgen, hatten doch Brendan Perry und Lisa Gerrard teils vehement die üblichen, ach so großen "künstlerischen Differenzen" betont, weshalb eine Reunion völlig außer Frage sei. Nun ja, geschenkt.

Viel riskanter ist, dass man mit einer Platte nach einer solch langen Zeit eigentlich nur verlieren kann: Klingt das Album wie zu vergangenen erfolgreichen Zeiten, finden die Nörgler den alten Wein in neuen Schläuchen. Zu große Experimentierfreude wiederum ruft die Nostalgiker auf den Plan, für die früher eh alles besser war. Und doch: "Children of the sun" ist gerade eine Minute alt, und schon werden alle Bedenken von Perrys warmer, sonorer Stimme davongetragen. Und die eröffnenden Zeilen "We are ancient / As ancient as the sun" werden nur von boshaften Geistern als Anspielung auf eine Zusammenarbeit interpretiert, die immerhin auf das Jahr 1981 zurückzudatieren ist.

Genau zu dieser Zusammenarbeit gehört auch der hypnotisch-entrückte, ja fast unnahbare Gesang Lisa Gerrards, mit dem sie durchaus einfach konzipierte Songs mit orientalischem Touch - die Schublade "Ethno" ist ja mittlerweile zum Schimpfwort verkommen - zu fragil schweben Elogen wie zum Beispiel "Agape" veredelt. Dass dabei Widerhaken wie einst "Saltarello" oder "The host of Seraphim" fehlen, verdeutlicht nur die Konsequenz, mit der sich Musiker wie Hörer dieser fast schmerzhaften Melancholie hingeben müssen. Easy Listening geht definitiv anders.

Wenn es ein Zugeständnis an die musikalische Neuzeit gibt, dann ist es der zwar mächtige, aber unterkühlte, bisweilen sterile Sound, dem vieles von der Wärme vergangener Zeiten fehlt. Doch ein Trip wie "Opium" oder das phänomenale "Return of the she-king", übrigens eines der wenigen gemeinsam gesungenen Stücke überhaupt, hinterlassen den Eindruck, als wären Dead Can Dance überhaupt nie von der Bildfläche verschwunden gewesen. Das mag der eine als mangelnde Weiterentwicklung abtun, der andere als Konsequenz loben. Spätestens beim Entschleunigen unter dem Kopfhörer dürfte auch den letzten Skeptikern klar werden, dass "Anastasis" nicht nur in der Übersetzung aus dem Griechischen, sondern auch im übertragenen Sinn die Auferstehung der Kooperation zweier großer Künstler ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Children of the sun
  • Agape
  • Return of the she-king

Tracklist

  1. Children of the sun
  2. Anabasis
  3. Agape
  4. Amnesia
  5. Kiko
  6. Opium
  7. Return of the she-king
  8. All in good time

Gesamtspielzeit: 56:14 min.

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