Joshua Radin - Underwater

Joshua Radin- Underwater

So / Warner
VÖ: 24.08.2012

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Pfützentaucher

Zumeist am Episodenende vermeintlich lebensnaher Erfolgsserien melancholiert ein bis dato eher unbekannter Neuling der Singer-Songwriter-Szene in den seichten Abgrund zwischenmenschlicher Dramaandeutungen. Die wenig überraschende Normschönheit des Liedchens degradiert das Dargestellte zur Randerscheinung, verleiht ihm zugleich mehr tiefsinnige Bedeutung als eigentlich vorhanden. So geschehen in "Scrubs", in "Grey's Anatomy", in "One Tree Hill" und in "Dr. House". Joshua Radin hatte sie alle. Und sie hatten ihn. Eine fruchtbare Symbiose, die ein stilistisches Erfolgsschema hervorbrachte, das Radin seit nunmehr drei Alben ohne größere Abweichungen vom als Verkaufsgarantie anerkannten Ideal durchexerziert. Immerhin: Sein bisher letztes Werk "The rock and the tide" trug das Wörtchen "rock" nicht zu Unrecht im Titel.

Für sein viertes Studioalbum begab sich Radin nun buchstäblich "Underwater" - der Legende nach das erste Mal in seinem Leben, da ihn Ärzte seit seiner Kindheit warnten, dass Tauchen wegen einer Erkrankung des Trommelfells zur schmerzhaften Erfahrung werden würde. Beherzt und präpariert ging Radin das Wagnis ein und fand unter Wasser genügend Inspiration für sein neues Album vor. Doch allzu tief ist er erwartungsgemäß nicht vorgedrungen. In melancholiesaurem Habitus werden alle zielgruppengerechten Themen in zwölf gleichermaßen ansprechenden, in der Erinnerung kaum zu unterscheidenden Songs abgearbeitet.

Dem sowieso einprogrammierten Sympathiebonus verleiht der Künstler zusätzliche Effizienz, indem er sich noch ein paar Nuancen schüchterner geriert als zuvor. Allzu betulich setzt Radin seine gekünstelte Sanftmütigkeit als unschuldige Allzweckwaffe ein. Die Schultern leiern aus, wenn sie beim dezenten Optimismus im Opener "Tomorrow is gonna be better" ebenso zum Dauerzucken animiert werden wie im vergleichsweise aufbrausenden "Anywhere your love goes". Auch beim Besingen von Cabrio-Trips ("Let it go") stellt Joshua Radin sein nunmehr vollendetes Melancholierertum zur Schau. Einzig der Titeltrack "Underwater" sowie "The greenest grass" beleben spürbar das zwischenzeitlich einschlafende Taktgefühl und können durch variable Gesangslinien Akzente setzen.

Abspann.

(André Schuder)

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Highlights

  • Underwater
  • The greenest grass

Tracklist

  1. Tomorrow is gonna be better
  2. Anywhere your love goes
  3. Let it go
  4. Five and dime
  5. Here's where we begin
  6. Underwater
  7. Everything
  8. Lost at home
  9. One more
  10. The greenest grass
  11. The willow
  12. Any day now
  13. Underwater (Radio edit)

Gesamtspielzeit: 38:14 min.

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  • Joshua Radin (19 Beiträge / Letzter am 01.08.2012 - 15:04 Uhr)

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