Dan Le Sac - Space between the words

Dan Le Sac- Space between the words

Sunday Best / PIAS / Rough Trade
VÖ: 06.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bildet Banden

Daniel Stephens alias Dan Le Sac ist kein Mann der großen Worte. Diese überlässt er lieber anderen. Hauptsächlich der Spoken-Word-Koryphäe David Meads, mit dem er als Dan Le Sac vs. Scroobius Pip bereits zwei Alben voll kalkweißem Electro-HipHop veröffentlichte und auf der kolossalen Tumult-Single "Thou shalt always kill" kurzerhand sämtliche popkulturellen Errungenschaften des Vereinigten Königreiches auf den Müll warf. Und wenn sich Meads zuletzt lieber auf sein eigenes Debüt "Distraction pieces" konzentrierte, müssen eben andere ans Mikro, damit Stephens den "Space between the words" füllen kann. Mit grinsendem Gangsta-Hop, Downbeat-Variationen, Clubmusik sämtlicher Schattierungen sowie Versatzstücken aus Indie und Kraut. Kein Wunder also, dass dem Briten Vokalisten aus aller Herren Stile die Studiotür einrennen. Am besten ist Stephens jedoch immer noch im Bauen dicker, aber variabler Beats.

Zu diesen bricht Rapper und Sage-Francis-Kumpel B. Dolan erst einmal einen "Good time gang war" vom Zaun - nicht dass die Homies noch den Lauten machen. Zuvor haben nämlich mehrheitlich Songwriter und Pop-Ladies das Wort. Zwar hebt der Opener "Long night of life" direkt mit einer perkussiven Reminiszenz an Santa Esmeraldas "Don't let me be misunderstood" an, schlägt aber bald dank Chefmelancholiker und Chris-Martin-Liebling Merz am Mikro in eine Art bedrücktes Electro-Chanson um. Beim knusprigen Laptop-Funk von "Play along" mit Sarah Williams White fällt die Zimmertemperatur in gleichem Maße, wie die Spannung steigt, und das brodelnde "Memorial" verfängt sich ständig in sägenden Gitarrenschlaufen. Dazu orakelt Emmy The Great eindringlich und unheilschwanger mit eiskaltem Stimmchen: "One of us is going to lose this war." Sie hat freilich Unrecht: Aus "Space between the words" gehen praktisch alle Beteiligten als Sieger hervor.

Auch der Sprechgesangs-Poet Joshua Idehen überzeugt mit "Tuning", einem irren Upbeat-Track, bei dem der Rap aus dem Maschinengewehr zu kommen scheint und die Synthies drohend wie eine Schwadron Killerbienen durch die Luft sirren. Eine Rasanz, die auf diesem Album jedoch eher die Ausnahme ist und die schon wenig später von skelettierten Breakbeats und den kosmischen Keyboards von "Breathing underwater" ausgebremst wird. Ebenso unwägbar ist Stephens Auswahl an Coverversionen: Während die Singer-Songwriterin HowAboutBeth dem Garage-House-Klassiker "Break of dawn" von Rhythm On The Loose eine zusätzliche Portion Soul verpasst, gleitet Mogwais "Cherubs" zum Schluss in einen bimmelnden Wachtraum, in dem sich Electronica und Post-Rock zur finalen Kernschmelze treffen. Stephens hat also hörbar Spaß mit seiner Gang - doch statt sich überschwänglich zu bedanken, klappt er einfach sein Powerbook zu und grinst sich eins. Er ist eben kein Mann der großen Worte.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Play along (feat. Sarah Williams White)
  • Memorial (feat. Emmy The Great)
  • Tuning (feat. Joshua Idehen)
  • Break of dawn (feat. HowAboutBeth)

Tracklist

  1. Long night of life (feat. Merz)
  2. Play along (feat. Sarah Williams White)
  3. Memorial (feat. Emmy The Great)
  4. Reprisals
  5. Tuning (feat. Joshua Idehen)
  6. Good time gang war (feat. B. Dolan)
  7. Hold yourself lightly
  8. Zephyr
  9. Breathing underwater (feat. Fraser Rowan)
  10. Break of dawn (feat. HowAboutBeth)
  11. Caretaker (feat. B. Dolan & HowAboutBeth)
  12. Beside
  13. Cherubs (feat. Pete Hefferan)

Gesamtspielzeit: 51:11 min.

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