LaBrassBanda - Live - Olympiahalle München

LaBrassBanda- Live - Olympiahalle München

Trikont / Indigo
VÖ: 13.07.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bayerisch raven

Wann ist ein Konzert ein gutes Konzert? Wenn die Musiker zeigen, dass sie ihr Handwerk perfekt beherrschen? Wenn das völlig durchnässte Publikum jede oktoberfestliche Weißbierdusche alt aussehen lässt? Wenn den Zuschauern ein Unterhaltungspaket geboten wird, das weit über das reine Musizieren hinausgeht? Ja, ja und ja und damit willkommen bei LaBrassBanda. Bayerns wohl erfolgreichster Musikexport bringt weltweit Menschenmassen zum Kochen - mit Blasmusik, deutschen, nein, bayerischen Texten in tiefstem Dialekt und grundsätzlich Barfuß und in Lederhose. 500 Auftritte in den letzten vier Jahren. Woher die fünf Musiker die Energie für dieses endlose Spektakel nehmen, wissen vermutlich nicht einmal sie selbst. Dass sie es zuverlässig schaffen, ihr Publikum mit der eigenen Euphorie anzustecken und in glückliche Ekstase zu versetzen, wird jeder, der das einmal miterleben durfte, nicht mehr vergessen.

Vier Fünftel der Band sind studierte Musiker - eine Erklärung für die handwerkliche Perfektion, mit der sie allabendlich das Äußerste aus ihren Instrumenten kitzeln. Andreas Hofmeir zählt zu den besten Tubisten weltweit. Für LaBrassBanda hat er eine Orchesterstelle aufgegeben, von der andere nur träumen, und als einziger in der Band ist er parallel zu Aufnahmen und Touren als Lehrer tätig - für klassische Musik, nicht für Techno. Stefan Dettl, Sänger und Trompeter, sucht sich einen anderen Ausgleich zur Band: vor kurzem veröffentlichte er sein zweites Solowerk "Summer of love" - ebenfalls in Dialekt. Die Verständlichkeit der Texte ist bei LaBrassBanda aber generell eher zweitrangig. Schon ein Großteil der deutschsprachigen Fans versteht mit Glück vielleicht ein Viertel des Gesungenen - Konzerte in Simbabwe und Novosibirsk haben trotzdem bestens funktioniert.

Am 4. Dezember 2011 hieß es dann aber "Habediehre Olympiahalle!" Sämtliche Songs in gefühlt zehnfachem Tempo für 12.000 Fans in der ausverkauften Münchener Riesenhalle. Nach kurzer Aufwärmphase geht es gleich zur Sache: "Minga, seids ihr bereit für an bayerischn Techno?" Sie sind. Und werden sogleich versorgt mit einer modifizierten Version ihres Songs "Tubissimo" nebst Daft-Punk-Cover und Techno-Drumsolo. Auf keinen Fall fehlen darf auch die gerne erzählte Geschichte von der Zeit, als LaBrassBanda sich als, Achtung, Oli Popoli & The Holy Moly Fistfucking Band, Jamaikas erste schwule Reggaeband, ausgaben, um ein Konzert auf dem Chiemsee-Reggae-Festival spielen zu dürfen - dort sind sie mittlerweile Stammgäste. Die darauf folgende Spezialversion von "Da Dub" mit Freestyle-Reggae-Tanzeinlagen und Publikumsbeteiligung vom Allerfeinsten ist auf CD natürlich nicht halb so schön wie live, Stefan Dettls Kommentare machen aber auch bei einem kühlen Weizen vor der häuslichen Stereoanlage großen Spaß.

Dass so ein riesiges Konzert auch für das 2007 gegründete Blosmusi-Quintett nichts alltägliches ist, merkt man Dettls Moderationen deutlich an. Er bemüht sich nicht, die ehrliche Euphorie zu verbergen ("S'is brutal!") und scheint, trotz zugegeben mangelnder Wohnzimmeratmosphäre, jeden einzelnen Zuschauer am liebsten persönlich am Dirndl packen und umarmen zu wollen. Die Erkenntnis, dass "El Paso" für die Wurschtsemmelmachfrau in der Transsibirischen Eisenbahn geschrieben wurde, ist genauso Thema wie ein Jodel-Schnellkurs und dunkles Weißbier am Strand von Jamaika. Diese längst überfällige Platte zeigt die Band in ihrem Element. Kein Studioalbum kann der Energie eines LaBrassBanda-Konzerts auch nur ansatzweise gerecht werden. Neues Material haben sie dennoch angekündigt. Spätestens dann dürfte es auch live wieder zur Sache gehen, getreu dem Motto: "Des schaut komisch aus, is komisch, des g'hört aber so!"

(Konrad Spremberg)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Tecno
  • Da Dub
  • Konned

Tracklist

  1. Intro / Bierzelt
  2. Schuikalier
  3. Tecno
  4. Da Dub
  5. Byindi
  6. Hostasned
  7. Ofree
  8. El Paso
  9. Rotes Hoserl
  10. Autobahn
  11. Ringlbleame
  12. VW Jetta
  13. Konned
  14. Bauersbua
  15. Arrabica
  16. Doda Hos

Gesamtspielzeit: 77:01 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum