Wussy - Buckeye

Wussy- Buckeye

Damnably / Indigo
VÖ: 13.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Aus dem Untergrund in den Hintergrund

Es gibt Bands, die kennt keine Sau. Und manchmal ist das gar nicht so verkehrt. Damit meinen wir jetzt nicht die Lieblings-Indie-Band, die die Kollegen aus dem Büro erst dann kennenlernen, wenn sie irgendwann den Hit zur Fußball-WM/EM produzieren und dann in den großen bösen Hallen spielen, statt in den kleinen verrauchten Clubs. Und auch nicht jede x-beliebige Schülerband, deren größter Auftritt vor 20 Leuten (also Familie und Freunden) im lokalen Jugendzentrum oder auf dem Abiball der großen Schwester stattfindet. Nein, gemeint ist eine Band wie Wussy zum Beispiel. Wussy? Ja, echt. Indie-Rock aus Ohio, hand- und hausgemacht seit über zehn Jahren, stolze 8.600 Hörer bei last.fm, 2.000 in die Höhe gestreckte Daumen bei Facebook, und keiner Deiner Freunde kennt sie. Gut, keines ihrer bisherigen Alben wurde auf größere Wege veröffentlicht. Mit "Buckeye" ist das anders. Und siehe da: Ein kleiner Mini-Hype entsteht in diesen Minuten auf dem nordamerikanischen Kontinent. Soll heißen: Sobald Deine Freunde Wussy kennen, findest Du sie schon wieder kacke.

Nein, nein, nein! So soll es ja gar nicht ablaufen. Muss es auch nicht. "Buckeye" lohnt den Blindkauf. Und zwar nicht nur wegen Anleihen bei Bands wie den frühen R.E.M. - nur mit größtenteils weiblichen Gesang dank Lisa Walker, weshalb auch Hörer von Yo La Tengo auf ihre Kosten kommen. Der enthusiastische Rückblick auf die zerbrochene Beziehung in "Death of misadventure" inklusive treibender Stromgitarren könnte ebenso der neue Lieblingssong eines verkommenen Sommers sein wie das stampfend-wütende "Pulverized" oder das melancholische "Crooked". Hier machen Wussy mit Mundharmonika im Schlepptau deutlich, wie viele der miesen College-Rock-Bands in den 1990ern sehr viel besser hätten klingen können. Ein Hauch von Pavement umgibt "Airborne", was über den zugegebenermaßen etwas gefällig geratenen Start mit "Maglite" hinweghilft. Macht nichts: Es bleibt eine einmalige Ausnahme.

Ein weiterer Grund, warum man Wussy möglichst schnell kennenlernen sollte: "Muscle cars", das so herrlich amerikanisch-traurig und schwerfällig klingt, dass man sich umgehend zwei Stunden ins Auto setzen möchte, um in Texas mal kurz einkaufen zu gehen, während sich der Staub der Landstraße in den Wimpern niedersetzt. Ein ähnlich emotionales Gefühl erwecken auch "Grand champion steer", welches haarscharf am Country-Publikum vorbeischrammt, und das lockere "Soak it up", das mit nicht mal drei Minuten viel zu kurz geraten ist. Zum Abschluss gibt es mit "Little Miami" ein feuerwerkswürdiges Finale, das sich sechs Minuten lang nach oben tanzend feiern lässt, um ganz langsam auszuklingen. Deine neue Lieblingsband weiß eben, wie man es macht. Gib ihnen eine Chance, bevor Deine Freunde es zuerst tun!

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Pulverized
  • Death by misadventure
  • Motorcycle
  • Muscle cars
  • Crooked
  • Little Miami

Tracklist

  1. Maglite
  2. Airborne
  3. Pulverized
  4. Vivian girls
  5. Asteroids
  6. Pizza king
  7. Bought it again
  8. Jonah
  9. Death by misadventure
  10. Motorcycle
  11. Funeral dress
  12. Muscle cars
  13. Grand champion steer
  14. Crooked
  15. Magic words
  16. Soak it up
  17. Little Miami

Gesamtspielzeit: 60:20 min.