Passenger - All the little lights

Passenger- All the little lights

Embassy Of Music / Inertia / Ministry Of Sound / Warner
VÖ: 29.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wider die Vergänglichkeit

Das Leben ist flüchtig. Die wohl älteste Erkenntnis der Menschheit. Es braucht kein Philosophie-Studium, um das zu begreifen. "Und, kaum gegrüßt, verlorner, unwiederholter Augenblick", würde der Dichter sagen. Es bleiben nur Erinnerungen. Vor allem unter Musikern ist es guter Ton, in die Schmuddelkiste der eigenen Nostalgie zu greifen, um dem geneigten Hörer die lyrische Breitseite einer fast nekrophil vergötterten, unwiederbringlichen Vergangenheit in die Ohren zu säuseln. Erinnert sich noch wer an James Blunts heulsusigen Auszug in die Welt von "1973" auf seinem zweiten Album? Jenes mit dem geschmacksverirrt-kitschigen Cover, auf dem mithilfe eines Photomosaiks aus unzähligen Bildern seiner Kindheit Blunts Gesicht zusammenmontiert wurde? "All the lost souls" und so? Bis in die Bad-Hair-Prinz-Eisenherz-Frisur der 2007er-Phase war das Geflenne schwer erträglich. Was aber wäre passiert, wenn Blunt gelernt hätte, richtige Songs sowie ergreifende Lyrics zu schreiben und auf die peinliche Selbstdarstellung seiner Person zu verzichten? Er hätte wohl ähnlich großartige Musik geschrieben wie Mike Rosenberg aka Passenger.

Rosenberg kommt mit zwölf mehr als gelungenen Kompositionen daher - und einem Elefantengedächtnis für jene kaum wahrnehmbar verbleichenden Augenblicke des Lebens, welche die Dichter wehmütig besingen. Wie ein Leitmotiv erscheint die Vergänglichkeit aller Dinge. Ob lustig-melancholische Erinnerungen an jugendliches Betrunkensein wie in "Staring at the stars", die von den Eltern gefundenen Zigaretten im Rucksack in "All the little lights" oder schlicht der Schmerz einer Trennung: "Staring at the bottom of your glass / Hoping one day you'll make a dream last / But dreams come slow and they go so fast." Alles vergeht. Diese kleinen Momente reiht Rosenberg wie gute Freunde um sich, mit denen er täglich zu leben scheint, die er beobachtet und bis zur lyrischen Vollkommenheit mit klugem Humor in Worte zu kleiden weiß: "Well I've got no ones word and no bodies promise / Not a lot to show but this book full of sonnets / And my liver may be fucked but my heart is honest." Der Passenger-Sänger macht im Grunde mit seinem Nostalgie-Trip nichts anderes als James Blunt und seine vielen Musiker-Kollegen. Er macht es nur einfach besser. Dabei scheinen seine Lieder selbst all die kleinen Lichter zu repräsentieren, für die der Titel seines mittlerweile fünften Albums Pate steht. Stets ein kurzes Funkeln, dessen Verlöschen der nächste Song mit seinem Aufglimmen in Erinnerung ruft.

Musikalisch wird auf die altbewährte Singer/Songwriter-Instrumentierung zurückgegriffen. Warum das Rad neu erfinden? Lieber Banjo, Geigen, Klaviere, Gitarren und etwas mit Besen gepinseltes Schlagzeug auf den hoffnungsreichen Erinnerungs-Trip mitnehmen. Ob erhaben-intim wie in "Circles" oder im beschwingten Herzschmerz von "Holes" - Rosenberg trifft stets den richtigen Ton. Musik und Text gehen eine ergreifende Symbiose ein, bei dem nicht nur Tränen zu rinnen vermögen. Er sagt es selbst treffend: "Well sometimes you can't change and you can't choose / And sometimes it seems you gain less than you lose." Was der ehemalige Straßenmusiker Rosenberg hier zelebriert, ist schlichtweg zwingend.

Auf ein Wort noch zu James Blunt. Rosenbergs Gesang ähnelt dem seines Kollegen tatsächlich, allerdings minus fickrigem Katzengejammer. Was bei Blunt wie aufgesetztes Mitleiderheischen für weitere Groupie-One-Night-Gelage klingt, erweist sich bei Rosenberg als sympathisches Erkennungszeichen. In der Kombination durchgängig positiver Momente erschafft er als Passenger Musik, welche so schnell wohl nicht von der überall lauernden Vergänglichkeit verschluckt werden wird. Nicht alles, was vergeht, erlischt. Man denke an all die kleinen Lichter über unseren Köpfen in wolkenlosen Nächten. Eine letzte Erinnerung an Zeiten, die niemand je gesehen hat. Unerhört so was.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Things that stop your dreaming
  • Let her go
  • Circles
  • Holes

Tracklist

  1. Things that stop your dreaming
  2. Let her go
  3. Staring at the stars
  4. All the little lights
  5. The wrong direction
  6. Circles
  7. Keep on walking
  8. Patient love
  9. Life's for the living
  10. Holes
  11. Feather on the clyde
  12. I hate (Live from the Borderline, London)

Gesamtspielzeit: 44:48 min.

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nörtz

Postings: 5038

Registriert seit 13.06.2013

2014-06-17 21:13:00 Uhr
lief der im radio oder im fernsehen? habe kein radio und den fernseher benutze ich fast nie. im internet bin ich auch nicht über den song gestolpert.

musie

Postings: 2377

Registriert seit 14.06.2013

2014-06-17 20:55:05 Uhr
zum ersten mal let her go gehört??? in was für einer Welt lebst du?

nörtz

Postings: 5038

Registriert seit 13.06.2013

2014-06-17 20:23:58 Uhr
gerade zum ersten mal let her go gehört. grässlich, dafür 311 millionen yt-aufrufe.
bäh!

musie

Postings: 2377

Registriert seit 14.06.2013

2014-06-02 21:20:04 Uhr
finde das neue album whispers richtig gut, erstaunlich abwechslungsreich. wem die stimme nicht zusagt, dem wirds nicht gefallen. ich finds top, texte, Musik, kein Ausfall. eine satte und nicht auf- sondern eher abgerundete 8/10..

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2014-05-30 20:01:59 Uhr
Thread startet richtig stark und wird leider von Post zu Post schlechter.

Ganz miese Ed Sheeran-Gedächtnismusik - kein Wunder, dass Wayne Rooney das geil findet.
Zum kompletten Thread

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