Pillow - From dusk to dawn

Pillow- From dusk to dawn

City Centre Offices / Indigo
VÖ: 29.06.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Gegenteil von Aufregung

Nomen est omen. Dass Luca Di Mira, der Keyboarder von Giardini Di Mirò, sein Soloprojekt Pillow nannte, war Absicht. Schon als 2006 "Flowing seasons" erschien, durfte man sich in die träge verlaufenden Töne hineinkuscheln wie in ein Daunenkissen. Diese antriebsreduzierte Musik gehörte zum Halbschlaf und zum Dösen. TripHop-Beats, Sphärenklänge, Gitarrenmuster und Texturknistern konnten sich kaum entscheiden, wer sich weiter in den Hintergrund stellen durfte. Und dann war da immer noch eine weichgezeichnete Ahnung von Pop für dämmerungsaktive Zuhörer.

Diese Ahnung hat sich nach sechs Jahren weitgehend verflüchtigt. Di Mira inszeniert seine ambienten Klangspiele jetzt völlig ohne Gesang. Auch Clicks'n'Cuts und durchgängige Rhythmen sind auf Pillows zweitem Album höchstens Gäste. Zunächst schwebt "From dusk to dawn" in mollenen Wolken, doch nach und nach greifen Schwermut und Schwerkraft zu. "Northern latitudes" zeigt, wie das klingen kann: Wenn der ferne Hall einer Bassdrum herbeiweht, wuchtet die Lautsprechermembran in eine verschlafen ausgestaltete Halbstille hinein. Ein wenig Echo und Hall sowie ein verschleiftes Rauschen bereiten die Basis für nach Fernweh schmeckende Melodien, die erst von Streichern, dann vom Klavier und schließlich von einer tremolierenden Gitarre erzählt werden. Denk an Ennio Morricone, denk an "Dark side of the moon", denk an TripHop aus Bristol.

In "A dream (Part 2)" synkopiert der elektrische aufgeladene Bass, während flackernde Synthetik, schwere Streicher und im Reverb verschwimmende Gitarren abwechselnd ihre Melancholie zelebrieren. Es sind diese Momente des Antriebs, in denen "From dusk to dawn" am besten funktioniert. Natürlich umgarnen auch auf der Stelle kreiselnde Impressionen wie "Nocturnal horizon" oder "Lied vom Kindsein" das Unterbewusstsein. Erkenntnisgewinn bringen sie jedoch nicht zwangsläufig mit, wenn aufkommende Schleifgeräusche die zaghafte Melodie ersticken.

Solch zarte Dissonanzen grenzen von allzu esoterischer Einfalt ab. Di Mira gelingt das Spiel mit warmen Improvisation und versteckten Rhythmen jedoch am besten, wenn er sich auf Struktur einlässt. Dabei orientiert er sich an klassischen Strukturen wie der dreiteiligen Liedform der Sonate oder an Nocturnen. So erlaubt er dem über zwölfminütigen "Silent journey" erst in seinem dritten Abschnitt nach 7:50 Minuten, in sachte Wallung zu geraten. Klavier, Gitarre und Elektronik haben sich lang genug umgarnt, jetzt darf das Licht flackern. Natürlich darf sich die subtil aufgebaute Stimmung keinem Bollerbeat an den Hals werfen, aber die stetigen Viertel geben dem Kreiseln Festigkeit. Ein Traum, bei dem Du den Boden unter den Füßen nicht verlierst.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Northern latitudes
  • A dream (Part 2)
  • The cathedral of books
  • Silent journey (The fall/Drifting/The awakening)

Tracklist

  1. A dream (Part 1)
  2. Northern latitudes
  3. Lied vom Kindsein
  4. A dream (Part 2)
  5. Fragment
  6. Nocturnal horizon
  7. The cathedral of books
  8. Silent journey (The fall/Drifting/The awakening)
  9. Lullaby

Gesamtspielzeit: 41:01 min.

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