Jack Ladder & The Dreamlanders - Hurtsville

Jack Ladder & The Dreamlanders- Hurtsville

Spunk / Skycap / Rough Trade
VÖ: 27.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kleinstadtschmerzen

England hat den Brit-Pop, Italien den Italo-Pop, Schweden den Punk-Rock, Deutschland den Dudelfunk und Amerika sowieso alles zwischen Johnny Cash und Lady Gagga. Aber Australien, was haben die denn noch, außer Känguruhs, einigen roten Felsen und, ok, Kylie Minogue? Midnight Oil, auch gut, und Nick Cave, klar. Dass es da mit Jack Ladder jemanden gibt, der schon mit seiner dritten Platte versucht, den Blick Richtung Australien zu lenken, war hierzulande unbemerkt geblieben. Dass Ladder mehr kann, als den großen Epigonen Cave nachzuahmen, hat ihm schon eine Nominierung zum australischen Musikpreis eingebracht.

In "Hurtsville" geht es um die meist eher kleineren (zwischen-)menschlichen Reibungen und Verletzungen, nicht um Mord und Totschlag. Wer "Blinded by love" durch das Leben stolpert, läuft auch schon mal in die Irre, wie Ladder denkbar langsam und mit tiefster Stimme ausführt - aber dramatischer als ein verlorener Anzug wird es nicht. Die Dramen dieser Platte sind beschaulich und eingebettet in einen ruhigen Rahmen. Man sieht das Kleinstadtidyll mit all seinen Möglichkeiten für Glück und Unglück direkt vor sich. Dass sich die beteiligten Musiker extra einen kleinen Rückzugsort suchten, der dazu beitrug, dass sich schlussendlich von einer "Band" sprechen lässt, passt allzu gut ins Bild.

Damit sind die wesentlichen Randbedingungen von "Hurtsville" benannt. Nun ist Ladder kein Grinderman und im Unterschied zu den Bad Seeds verzichten die Dreamlanders auf die Zerlegung der Idylle. So fällt der Sound gleichzeitig reduzierter und elektronischer aus: Statt staubiger Gitarren gibt es hier viel Keyboard-Sounds, die mal freundlicher, mal schwülstiger daherkommen. Entsprechend gibt es für Ladder, bei aller offensichtlichen stimmlichen Nähe zu Nick Cave, keinen Bedarf für gesangliche Aggressivität. Das trockene "Position vacant", das wie eine gezähmte Cramps-Nummer daherkommt, ist da nur die berüchtigte Ausnahme von der Regel, die hier vor allem Melancholie produziert.

"Hurtsville" ist sicher nicht Sydney und noch weniger New York. Vermutlich hatte Jack Ladder auch anderes geplant, als das nächste große erfolgreiche Pop-Event zu werden. Aber schon ganz andere Künstler sind mit kleinen Impressionen aus den Kuhdörfern dieser Welt bekannt geworden. Warum sollten solche Kleinode nicht auch aus Australien kommen?

(Holger Schauer)

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Highlights

  • Beautiful sound
  • Position vacant
  • Blinded by love

Tracklist

  1. Beautiful sound
  2. Cold feet
  3. Hurtsville
  4. Position vacant
  5. Short memory
  6. Blinded by love
  7. Dumb love
  8. Giving up the giving up

Gesamtspielzeit: 49:20 min.

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