K-Holes - Dismania

K-Holes- Dismania

Hardly Art / Cargo
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Auf taube Ohren

Heute schon versumpft? Falls ja, wissen diejenigen, die erst im Morgengrauen nach Hause gestolpert sind und jetzt vom Kopfschmerz und anderen Ausfallerscheinungen geplagt werden: Das Leben ist eines der schwersten. Wenig nützliche Information: Mit K-Holes wird es auch nicht gerade einfacher. Zumindest nicht nach durchgemachten Nächten und angesichts eines Katers von Raubtierausmaßen. Die gute Nachricht: Wem der Sinn nicht nach berauschenden Substanzen steht, der kann sich genausogut das zweite Album des New Yorker Quintetts genehmigen. Das hat nämlich ungefähr den gleichen Effekt. Es muss ja nicht gleich das berüchtigte namensgebende Ketamin-Loch sein, während dem Konsumenten dieser Droge meist bedenkliche Bewusstseinsverschiebungen erleben. Das sumpfige Grenzgebiet, in das man auf "Dismania" stapft, reicht bereits vollkommen aus - es warten Ratten, Moskitos, leblose Körper in Leichenstarre und Schlimmeres. Wenn nur endlich jemand den Lärm ausmachen würde.

Fällt K-Holes natürlich nicht im (Alb-)Traum ein. Nicht, seitdem die fünf einen Auftritt spielten, der zunächst als einmalige Sache geplant war, da sämtliche Mitglieder seinerzeit in anderen Bands wie Golden Triangle oder Black Lips zu tun hatten. Doch nach der Show wussten die drei Mädels und zwei Jungs: Sie haben mehr vor. Genauer gesagt alles, was man im Spannungsfeld von finster tosendem Garage-Rock, Swamp-Blues mit Direktanschluss an die Hölle der blökenden Saxophone und gotisch bestäubtem Rockabilly anstellen kann. Klingt nach einger ganzen Menge - wofür sich die Band in wenig mehr als einer halben Stunde erstaunlich kurz fasst. Doch dieser Zeitraum hat es in sich und ist bis zur Halskrause vollgestopft mit dumpf donnerndem Tribal Drumming, psychotischem Getröte und unablässig bohrenden Gitarren. Der Wechselgesang von Vashti Windish und Jack Hines berichtet dazu in wirrem Widerhall von tauben Gliedmaßen, Finsterlingen im nächtlichen Big Apple und wenig anheimelndem (Un-)Geziefer.

Etwa von den "Rats", die in Scharen durch die gleichnamige rohe Cramps-Vergröberung wuseln und im nächsten Moment den stocksteif herumliegenden "Frozen stiff" zu bösem Stakkato aus manischem Gebläse und unheilvoll kreisenden Riffs bis auf die Knochen abnagen. Doch das nächste Loch lässt nicht lange auf sich warten: "Window in the wall" zeigt K-Holes in einer freudlosen Sixties-Garage mit Crystal Stilts in ihren desillusioniertesten Momenten als Zaungäste, bevor der "Nightshifter" polternd in die vernebelte Bruchbude platzt und die Veranstaltung gleich wieder mit Volldampf in den Abgrund geschundener Geisteszustände rast. Da stößt sämtliches Flehen um Gnade bei Band und Hörer auf gleichermaßen taube Ohren, da beide außer Fiepen längst nichts mehr wahrnehmen dürften. Und am Ende sacken alle leblos zusammen und erkennen die eigentliche Rückwärtsgewandtheit der Veranstaltung: "Nothing new". Doch wen kümmert's? Alles ist Rock'n'Roll - und der Rest macht auch sturzbesoffen. Oder was auch immer.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Rats
  • Frozen stiff
  • Window in the wall
  • Dirty hax

Tracklist

  1. Child
  2. Rats
  3. Frozen stiff
  4. Acid
  5. Window in the wall
  6. Nightshifter
  7. Mosquito
  8. Dirty hax
  9. Numb
  10. Nothing new

Gesamtspielzeit: 32:43 min.