The Flaming Lips - The Flaming Lips & heady fwends

The Flaming Lips- The Flaming Lips & heady fwends

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 27.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Halten zusammen

Erykah Badu ist sauer. Und wenn Erykah Badu sauer ist, dann ist Erykah Badu sauer. Und zwar so richtig. Dabei ist sie selber ja gar nicht mal so zimperlich mit ihren eigenen Videos, wie der vieldiskutierte One-Take-Strip für ihren Song "Window seat" zeigt. Badu fühlte sich einfach künstlerisch verschaukelt von The Flaming Lips, die für das Video zum gemeinsamen Song "First time ever I saw your face", ursprünglich ein Folk-Klassiker aus den 1950ern, Absprachen nicht einhielten. So fand ein mutmaßlicher Rohschnitt den Weg ins Netz, der Badu und ihre Schwester Nayrok in leicht pornösen Posen präsentierte. Die Sängerin brachte ihren verständlichen Unmut über die Degradierung des Weiblichen aufs Objekthafte in deutlichen Worten zum Ausdruck, und kurze Zeit später war der Clip wieder verschwunden. Seitdem besteht ein Riss zwischen Badu und den Flaming Lips, der wohl nicht so einfach wieder zu kitten sein wird.

Dabei sind Wayne Coyne und Kollegen ja eigentlich Großmeister im Kitten und Zusammenschustern, wie "The Flaming Lips & heady fwends" erneut beweist. Was hier, in diesem ganzen Chaos aus Sounds, Ideen und Gästen von Ke$ha bis Nick Cave, von Tame Impala bis Neon Indian normalerweise auseinanderbröckeln müsste, aber wie durch ein Wunder irgendwie zusammengehalten wird, ist schon beeindruckend. Auch wenn es nicht immer gelingt, Song und Gast in voller Gänze unter einen Hut zu bringen. "Do it!" mit Yoko Ono ist aber hier das einzige wenig inspirierte Stück und schrubbt zum Glück lediglich dreieinhalb Minuten vor sich hin. Das anschließende "Is David Bowie dying?" mit Neon Indian arbeitet sich eher zäh an einer Krautrockgitarre und schleppenden Beats ab und baut dennoch einen schönen Spannungsbogen auf. Und zusammen mit Nick Cave gelingt The Flaming Lips mit "You, man? Human???" nach den jüngsten Schredder-Rockern von Grinderman zwar nichts dezidiert Neues - trotzdem überzeugt der Song durch anstachelnde Intensität.

Mittenmang in diesem ganzen Kuddelmuddel schälen sich sogar immer wieder hervorragende Songs heraus, die dann auch eindeutig die Speerspitze des Albums bilden. "Ashes in the air" passt beispielsweise so perfekt zu den beiden Bands, dass das Stück genau die Mitte zwischen dem Psychedelic-Rock von The Flaming Lips und den großartigen Seltsamkeiten Bon Ivers trifft. Ebenso wunderbar ist der an Bowies "Space oddity" erinnernde Dreiteiler "I'm working at NASA on acid" mit Lightning Bolt, der sich von psychedelischem Vorspiel mit Akustikgitarre bis zu einem minutenlangen Noisegewitter schlängelt und letztendlich wieder bei der Akustikgitarre landet. Ein weiteres Highlight folgt mit dem großartig souligen und pointierten, dennoch kurz vor der Auflösung begriffenen "That ain't my trip" mit Jim James von My Morning Jacket.

Ach, es gibt so viele schöne Momente auf diesem herrlich bekloppten Brocken eines Albums. "The Flaming Lips & heady fwends" fordert nur mehr Zeit und verlangt recht viel Geduld, bis sich diese Augenblicke in voller Pracht entfalten können. Am meisten Ausdauer benötigt wahrscheinlich das bereits erwähnte, rund zehn Minuten lange "First time ever I saw your face". Doch auch wenn Erykah Badu mit den Flaming Lips über Kreuz liegt, wird sie eingestehen müssen, dass allen Beteiligten hier eine wunderbar verschrobene und sphärische Coverversion gelungen ist. Aber wer weiß schon, wie sauer Badu wirklich ist? Ärger vernebelt einem ja manchmal die klare Sicht. Und undurchsichtig genug ist es auf diesem Album ohnehin schon von ganz alleine.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Ashes in the air (feat. Bon Iver)
  • That ain't my trip (feat. Jim James)
  • I'm working at NASA on Acid (feat. Lightning Bolt)

Tracklist

  1. 2012 (You must be upgraded) (feat. Ke$ha, Biz Markie & Hour Of The Time Majesty 12)
  2. Ashes in the air (feat. Bon Iver)
  3. Helping the retarded to know God (feat. Edward Sharpe & The Magnetic Zeros)
  4. Supermoon made me want to know God (feat. Prefuse 73)
  5. Children of the moon (feat. Tame Impala)
  6. That ain't my trip (feat. Jim James)
  7. You, man? Human??? (feat. Nick Cave)
  8. I'm working at NASA on acid (feat. Lightning Bolt)
  9. Do it! (feat. Yoko Ono)
  10. Is David Bowie dying? (feat. Neon Indian)
  11. The first time ever I saw your face (feat. Erykah Badu)
  12. Girl, you're so weird (feat. New Fumes)
  13. Tasered and maced (feat. Aaron Behrens)

Gesamtspielzeit: 67:52 min.

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