Crocodiles - Endless flowers

Crocodiles- Endless flowers

Souterrain Transmissions / Rough Trade
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Da nich' für

Der Tod surft mit - bei Crocodiles aus San Diego nichts Neues: Einerseits strotzten ihre zwei bisherigen Alben vor sonnigem Jangle-Noise-Pop mit Shoegaze-Tendenzen, andererseits aber auch vor schwarzen Visionen und düsteren Verwünschungen. Allmählich wird es jedoch eng auf dem Brett bei den Kaliforniern, denn für "Endless flowers" gesellten sich gleich mehrere Musiker zu Brandon Welchez und Charles Rowell, sodass aus dem Duo kurzerhand ein Quintett wurde, das für die Aufnahmen ihre Heimat gegen die Berliner Hansa-Studios tauschte. Nicht, dass das viel ändern würde, doch immerhin handelt es sich um Stagnation auf hohem Niveau: Jeden Morgen geht die grüne Sonne auf, und die dunklen Brillen setzt die Band vermutlich nicht einmal nachts im verqualmten Sixties-Club ab. Nach wie vor eine gute Entscheidung.

Ihren Hang zu halluzinogener Popmusik und swingenden Vibes haben Crocodiles auf den neuen Songs jedoch noch ein wenig intensiviert. Ascheimer-Fuzz vermählt sich mit himmlischen Melodien, Engelschöre umschwirren fieses Feedback aus der Magengrube. Da kann es schon einmal passieren, dass man bei den zerrenden Drone-Reverbs der tollen Single "Sunday (Psychic conversation #9)" sein eigenes Wort nicht mehr versteht - das macht aber gar nichts, solange solch einem saftigen Kraftbolzen direkt ein Song wie "No black clouds for Dee Dee" folgt, bei dem sämtliche Schlechtwetterboten freiwillig den Rückzug antreten. Und wäre Adressatin und Dum Dum Girl Kristen "Dee Dee" Gundred nicht schon längst mit Welchez verheiratet, würde sie ihn angesichts dieses wundervollen Liebesliedes garantiert umgehend zum Altar schleifen.

Doch auch eine andere Frau sorgt für Bewegung: Schlagzeugerin Anna Schulte verleiht "Endless flowers" durchgehende rhythmische Stringenz und spricht zudem auf dem plärrenden Horror-Rock'n'Roll "My surfing Lucifer" wirre einleitende Worte, die Crocodiles zu wüst malträtierten Twangs durch die Echokammer nudeln. Genau so etwas dürfte Nathan Williams von Wavves vorgeschwebt sein, als er den Stücken seines Debüts "Wavves" die Titel "California goths", "Surf goth" oder gar "Beach goth" gab. Und trotzdem kriegt die Band auch nach diesen verstrahlten Aussetzern stets spielerisch die Kurve zu Eingängigkeit und groß auftrumpfenden Harmonien, die die Welt bedeuten. Ein Liebeskreis von einem Album, der den Titel des Erstlings "Summer of hate" ein für allemal Lügen straft - auch in seinen düsteren Momenten.

Trotz ihrer wühlenden Qualitäten und der beinahe blickdichten Produktion holen Crocodiles den Hörer aber auch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Stellt man sich "Endless flowers" als Vinylplatte vor, stehen am Ende jeder Seite mit "Hung up on a flower" und "You are forgiven" halbakustisch schwelende Mantras, die sofort alle Schrammen heilen, die man sich zuvor an manchen scharfen Stellen zugezogen haben könnte. Auch wenn das im Grunde gar nicht nötig ist, wenn man beim blendenden Reigen von Songs wie "Bubblegum trash" richtig hingehört hat - ein Titel, der trefflich das Wesentliche an einem Album zusammenfasst, für das der Band ein Kränzchen gewunden gehört. Welchez aber lehnt dankend ab, blinzelt bebrillt in die Sonne und träumt lieber vom Surfen mit dem Leibhaftigen. Vielen Dank für die Blumen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Sunday (Psychic conversation #9)
  • No black clouds for Dee Dee
  • My surfing Lucifer
  • Bubblegum trash

Tracklist

  1. Endless flowers
  2. Sunday (Psychic conversation #9)
  3. No black clouds for Dee Dee
  4. Electric death song
  5. Hung up on a flower
  6. My surfing Lucifer
  7. Dark alleys
  8. Bubblegum trash
  9. Welcome trouble
  10. You are forgiven

Gesamtspielzeit: 41:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
IFart
2012-06-12 21:27:22 Uhr
welche PT Rezi?
Pitchie
2012-06-12 19:37:13 Uhr
Mal wieder bezeichnende PT-Rezi: im ersten Satz gleich mal irgendeine selbstgehypte Rap/RnB-Scheisse unterbringen, die mit dem zu rezensierenden Album aber sowas von überhaupt nix zu tun hat.
HV
2012-06-12 19:15:17 Uhr
Pitchfork 6.5 8)
Kevin
2012-06-12 19:13:17 Uhr
Hat mich auch überzeugt. Solide 7/10 würde ich geben.
Gordon Fraser
2012-06-12 18:56:32 Uhr
Sehr, sehr geiles Album. Der großartige Vorgänger ist ja schon sträflich untergegangen.

Da müssen Surfer Blood erstmal liefern.
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