Lianne La Havas - Is your love big enough?

Lianne La Havas- Is your love big enough?

Warner
VÖ: 13.07.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ja, nein, vielleicht

"Is your love big enough?" Natürlich ist sie groß genug! Ist ja schließlich Liebe. In den Monaten vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums brauchte Lianne La Havas neben aller Liebe aber vor allem etwas anderes, gar nicht so weit Entferntes: Selbstvertrauen. Es ist Fluch und Segen zugleich, von allen als das nächste große Ding gehandelt zu werden. Jeweils eine Tour im Vorprogramm von Bon Iver und als Backgroundsängerin von Paloma Faith zu spielen, ist wohl so ziemlich die beste Vorbereitung auf den eigenen musikalischen Durchbruch, die man bekommen kann. Dazu noch prominente Plätze auf allen möglichen Hot Lists für 2012 - mit Erfolgsdruck muss die gebürtige Londonerin klarkommen.

Schon als Kind lernte La Havas über ihre aus Jamaika stammende Mutter die großen weiblichen Stimmen des Jazz, Soul und R'n'B kennen. Als dann "Sister Act 2" im Fernsehen lief, verliebte sie sich auf einen Schlag in Lauryn Hill und wollte plötzlich selbst singen. Was sie sich nie getraut hatte, löste in ihr ein ganz neues Körpergefühl aus. Hills Stimme ließ sie nicht mehr los. Zum 18. Geburtstag schenkte ihr griechischer Vater ihr eine Gitarre und feuerte damit eine Art Startschuss ab, von dem La Havas im Titelsong singt: "Found myself in a second-hand guitar / Never thought it would happen."

"Is your love big enough?" vereint verschiedenste Spielarten des Soul und R'n'B, vermengt diese mit Pop und lebt vor allem von der großartigen Stimme, die es schafft, in ruhigen Momenten fast nackt zu bestehen, aber auch das nötige Volumen gegen mächtige Instrumentals aufzubringen. Das A-Capella-Intro von "Don't wake me up" klingt zunächst aber gar nicht nach klassischem Soul. Die Sängerin spielt mit Vervielfältigungen ihrer Stimme und erinnert dabei an Bon Ivers "Woods" oder die Stimmspielereien von James Blake. Das "Fehlen" der Instrumente fällt erst auf, wenn diese schließlich entspannt, aber bestimmt groovend einsetzen und La Havas' sehnsuchtsvollen Gesang elegant betten.

Ganz ohne Band, nur mit Gitarre, kommt das Duett "No room for doubt" aus, in dem La Havas' Stimme, die zart, aber nie zerbrechlich wirkt, gemeinsam mit dem New Yorker Willy Mason die stillsten Momente der Platte erschafft. Direkt danach soll es wieder ordentlich zur Sache gehen: "Forget" wartet mit voller Bandbesetzung auf und ruft beinahe verzweifelt zum Vergessen auf. Gemeint ist natürlich der Ex-Freund. In "Age" wiederum macht sich die 23-jährige augenzwinkernd über das fortgeschrittene Alter ihres aktuellen Freundes lustig: "I kinda know this other guy but he's rather / Old enough to be my father." Ob ironisch oder todernst, Lianne La Havas ist ehrlich und hat es nicht nötig, Gefühle vorzutäuschen. Zur Authentizität der Platte trägt auch Matt Hales als Produzent bei, der dem markanten Charakter von La Havas' Stimme jeden Spielraum zur Entfaltung lässt und alles andere an dieser Konstanten orientiert.

Das Musizieren war für die junge Lianne La Havas nicht nur ein großes Hobby, sondern auch ein entscheidender Baustein im Selbstfindungsprozess. "Das Songwriting gab mir eine Verbindung zu mir selbst", sagt sie, ohne die Musik sei es ihr schwergefallen, klare Gefühle zu definieren. "Is your love big enough?" fragt sie auch all jene, die den persönlichen Draht zur Musik möglicherweise noch nicht gefunden haben. Denn irgendwie sind Liebe und Musik ja auch ziemlich eng miteinander verwandt. Lianne La Havas liebt die Musik. Und diese Liebe ist mehr als groß genug.

(Konrad Spremberg)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Don't wake me up
  • Lost & found
  • Au cinéma
  • No room for doubt (feat. Willy Mason)

Tracklist

  1. Don't wake me up
  2. Is your love big enough?
  3. Lost & found
  4. Au cinéma
  5. No room for doubt (feat. Willy Mason)
  6. Forget
  7. Age
  8. Elusive
  9. Everything everything
  10. Gone
  11. Tease me
  12. They could be wrong

Gesamtspielzeit: 45:29 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum