Jedward - Young love

Jedward- Young love

Universal
VÖ: 22.06.2012

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Neues Leben XXS

"Nur die Haare schön": Nein, weit war es wirklich nicht her mit "Planet Jedward", dem Debüt der irischen Zwillinge John und Edward Grimes. Aber woher hätte da auch Diskutables kommen sollen? Schnell die publikumstauglichsten Coverversionen aus dem "X-Factor"-Talentwettbewerb im Studio heruntergedroschen, das restliche Album mit ein bisschen geschmacksneutralem Teenpop-Gesumse aufgefüllt und "Lipstick" direkt an den Anfang gestellt - der achte Platz beim Eurovision Song Contest 2012 war schließlich nicht der allerschlechteste. Auch wenn das Duo sich dazu wie zwei außerirdische Kasperköpfe aus der Galaxie Hubba Bubba präsentierte. Geht aber auch nur einmal gut, und darum wollen Jedward inzwischen offenbar als Künstler wahr- und ernstgenommen werden

Auf dem Cover von "Young love" sind die beiden jedenfalls mit vergleichsweise dezentem Kopfputz und in latent sexy-androgyner Pose zu sehen, und bei sämtlichen neuen Songs handelt es sich zwar nicht um Eigenkompositionen, aber immerhin um Originale. Ihr neues Leben XXL also? Die Chancen stehen vordergründig gar nicht so schlecht, zumal der eher kümmerliche 19. Rang, über den Jedward beim zweiten ESC-Start nicht hinauskamen, ja durchaus auch in die richtige Richtung weisen könnte. Tiefgang, Anspruch und solche Sachen. Doch genug der Erwartungen: Auch "Young love" ist nichts weiter als ein öffentliches Ärgernis voll ausgehöhltem Boygroup-Singsang und Balladenkitsch. Und bitte nicht davon blenden lassen, dass der übersteuerte Kleistersound des Vorgängers meist einer deutlich akzentuierteren Produktion weicht.

Letztendlich interessiert es nämlich kaum, ob hier etabliertes Songmaterial aufgekocht wird oder nicht, weil die offensichtlich von allen guten Geistern verlassenen Regisseure der Veranstaltung das Album ohnehin mutwillig mit Versatzstücken fremder Gassenhauer zupflastern. Das in Baku zu Recht abgeschmierte "Waterline", ein banal popowackelndes Stück Kleinplastikpop für den schlechten Abgeschmack, sorgt zu Beginn höchstens durch einen LCD Soundsystem vortäuschenden Bass für Aufhorchen, bevor der Song genauso im Schmalzsumpf der Bedeutungslosigkeit versinkt wie die zum Scheitern verurteilte Anmache "What's your number?". Da können Jedward mit noch so katastrophenresistentem Lächeln "Whatever happens / Happens in the dark" beteuern - die Socken bleiben an.

Gelegentliches Aufflackern von Erträglichkeit zwar in allen zweifelhaften Ehren - von richtiggehender Qualität ist das quietschige Uptempo von "A girl like you" aber trotz ansatzweiser Dynamik ähnlich weit entfernt wie das mit Autotune und technoidem Rudel-Bumsen vollgerammelte "Luminous". Letzteres versucht anfänglich gar einen zart aufkeimenden Spannungsbogen - bis die schief nachgebaute Sequenz aus Eric Prydz' "Call on me" jegliche Subtilität erstickt. Dass bereits das Vorbild maßgeblich auf Steve Winwoods "Valerie" basierte, passt da erneut ins Bild des Schreckens. "How did you know I wouldn't last a minute?" fragt "Young love" gegen Ende mit unschuldigem Augenaufschlag noch - ja wie eigentlich? War halt so ein Gefühl. Kein gutes, versteht sich.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

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Tracklist

  1. Waterline
  2. Young love
  3. What's your number?
  4. A girl like you
  5. Luminous
  6. Give it up
  7. Happens in the dark
  8. All I want is you
  9. What it feels like
  10. How did you know?
  11. Can't forget you
  12. P.O.V.

Gesamtspielzeit: 38:37 min.

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  • Jedward (5 Beiträge / Letzter am 21.07.2011 - 15:03 Uhr)