Beachwood Sparks - The tarnished gold

Beachwood Sparks- The tarnished gold

Sub Pop / Cargo
VÖ: 29.06.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Stress ist anders

Wenn um vier Uhr morgens die Luft raus ist, weil Grillgut und Getränke verbraucht sind und zu allem Überfluss das eigene Hab und Gut aus unerfindlichen Gründen im See schwimmt, dann wird es Zeit, nach Hause zu radeln. Oder man bleibt hart, wartet auf den Sonnenaufgang und hört dabei Beachwood Sparks. Die Band aus Los Angeles hatte sich 2002 nach zwei Alben und einer EP aufgelöst, nur um sich jetzt nochmal zusammenzuraufen, schließlich ist die Zeit reif für stilvollen Alternative-Country. Wenn die Welt schon untergeht, dann doch wenigstens mit Strohhalm im Mundwinkel.

Nun kann man eine Platte wie "The tarnished gold" auf verschiedene Weisen verarbeiten. Manche Zuhörer werden schwere Augenlider bekommen und bald zufrieden einschlummern, während andere relativ rasch feststellen dürften, dass ihnen diese Platte zu ruhig, zu tiefenentspannt ist. Beachwood Sparks sind eine Gruppe, die völlig unaufgeregt agiert, hier muss man keine Angst haben, dass aus einem Folk- plötzlich ein ungezügelter Free-Jazz-Song wird, so wie bei den werten Fleet Foxes. Nein, nein, auf so was stehen die Kalifornier nicht, ihre Songs bleiben natürlich, pur und ohne artistische Verrenkungen.

So legt der sympathische Opener "Forget the song" gleich völlig unauffällig los, zarte Gitarren streifen durch Kornfelder, während die Melodie wie ein sachter Windzug im Nacken kitzelt. Beachwood Sparks spielen Songs, die völlig ungestresst in der Hängematte schaukeln, ohne auch nur einen Gedanken an den alltäglichen Stress zu verschwenden. Im besten Stück der Platte - dem verträumt im Mondlicht streunenden "Mollusk" - lassen Beachwood Sparks den Country mal links liegen und setzen auf atmosphärischen Düsterfolk der sehr überzeugenden Art.

"Talk about lonesome" hingegen könnte amerikanischer kaum klingen, im Hintergrund murmelt eine launische Orgel vor sich hin, während der Sänger mit gesenktem Kopf und Entschiedenheit in der Stimme über Einsamkeit philosophiert. Die fröhlich vor sich hin tröpfelnde Tiki-Taka-Nummer "No queremos ono" erinnert an die Band, die in der unübertrefflichen TV-Serie "Breaking bad" dem alten Sunnyboy Heisenberg ein verheißungsvolles Ständchen singt. Doch natürlich geht es hier, bei "The tarnished gold", nicht um Drogen oder Morde, dafür sind die Kalifornier viel zu gutmütig. Stattdessen wird so lange in den Himmel geguckt, bis man alles um sich herum vergisst: die Uhrzeit, den Durst, die Sonnenmilch. Autsch!

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Forget the song
  • Mollusk
  • Earl Jean

Tracklist

  1. Forget the song
  2. Sparks fly again
  3. Mollusk
  4. Tarnished gold
  5. Water from the well
  6. Talk about lonesome
  7. Leave that light on
  8. Nature's light
  9. No queremos ono
  10. Earl Jean
  11. Alone together
  12. The orange grass special
  13. Goodbye

Gesamtspielzeit: 43:51 min.

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