The View - Cheeky for a reason

The View- Cheeky for a reason

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 06.07.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Plötzlich erwachsen

Zu wenig Arbeit können sich die Jungs von The View nun wirklich nicht vorwerfen. Seit der Veröffentlichung ihres Debüts "Hats off to the buskers" im Jahr 2007 waren sie praktisch nonstop auf Tour, im Studio, auf Tour, im Studio und so weiter. Wer so hart arbeitet, darf gut und gerne auch mal etwas größenwahnsinnig werden: "Cheeky for a reason", das vierte Album der Schotten, klingt laut Frontmann Kyle Falconer wie "Fleetwood Mac's 'Rumours' done by The Clash". Klar, dass er sich das wahrscheinlich beste Album jener Band auserkoren hat, klar auch, dass man darauf nicht viel geben muss. Das Dicke-Eier-Gehabe gibt es eben schon lange nicht mehr nur im HipHop, und an Selbstbewusstsein mangelte es den Herren auch noch nie. Aber wie klingt "Cheeky for a reason" denn nun wirklich?

Vom puren Hau-Drauf der ersten beiden Alben haben sich Falconer und seine Kumpanen mittlerweile weiterentwickelt, und die etwas poppigere Richtung, die schon "Bread & circuses" eingeschlagen hat, gibt auch auf "Cheeky for a reason" den Ton an. Die erste Single "How long" geht da noch am schnellsten nach vorne und überzeugt umgehend durch das rasende Schlagzeugspiel und seinen überaus großzügigen Einsatz der Stromgitarren. Der mehrstimmige und im Vergleich zur Melodie geradezu harmonische Gesang im Refrain erklingt hier auch nicht zum letzten Mal. Songs wie "Bullet" und "Hole in the bed" kommen eher verwegen als schrammelig daher, letzterer zudem, als sei er direkt in Falconers Garage aufgenommen worden. Und mit "AB (We need treatment)" gelingt The View ein Song vom selben Schlag wie "Wasted little DJs" vom Debüt. Wenn das mal keine Erinnerungen weckt.

Anfänglich auf die Bremse tritt "Hold on now", das erst im überschwänglichen Refrain wirklich zur Geltung kommt. Im Gegensatz dazu wirkt das basslastige "Sour little sweetie" geradezu ausgelassen und dröhnt mit voller Wucht aus den Boxen, ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren. The View bleiben dem hörerfreundlichen Sound von "Bread & circuses" treu, und gerade die poppigen Elemente überzeugen auf "Cheeky for a reason". Besonders "Bunker (Solid ground), das die neugewonnene Reife einer Band aufzeigt, der in früheren Tagen nicht viel mehr einfiel als Bier, Feierei und Mädchen, funktioniert im Gesamtkontext überaus gut und erinnert dabei ganz leicht an die Kings Of Leon. Eigentlich kein Wunder, wurde es doch von Angelo Petraglia produziert, der auch den Jungs aus Tennessee seit "Because of the times" einen neuen, wenngleich nicht immer beliebten, Sound verpasst hat.

Gut, Politik oder Proteste gegen den Welthunger sucht man auch auf "Cheeky for a reason" vergeblich. Muss ja auch nicht unbedingt sein. Zumindest fällt es mittlerweile leichter, Falconers Lyrics eine gewisse Spur von Ernsthaftigkeit zuzuschreiben. Nachdem sein Vater bereits in den Kindheitstagen des Sängers verstarb, folgte Ende 2009 der Tod seiner Mutter. Seither habe er sein Leben etwas geändert heißt es. Der Sinneswandel kam vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit den letzten beiden Songs des Albums, dem reflektierenden "Lean on my world", dessen Gitarrenspiel geradezu fröhlich zu klingen vermag, auch wenn der Text keine besonders große Euphorie vermuten lässt, und der Ballade "Tacky tattoo", gelingt The View ein würdiger Abschluss. Jetzt müssen sie nur noch die hanebüchenen Vergleiche ihrer Alben mit anderen Werken einstellen. Wie wäre es denn mal mit einer Woche Urlaub?

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • How long
  • Bunker (Solid ground)
  • Hole in the bed
  • Lean in my world
  • Tacky tattoo

Tracklist

  1. How long
  2. AB (We need treatment)
  3. Hold on now
  4. Anfield row
  5. Bullet
  6. Bunker (Solid ground)
  7. The clock
  8. Piano interlude
  9. Hole in the bed
  10. Sour little sweetie
  11. Lean on my world
  12. Tacky tattoo

Gesamtspielzeit: 41:27 min.

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