Pop Etc - Pop Etc

Pop Etc- Pop Etc

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 08.06.2012

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Pp.

Verstehen muss man es ja nicht. Das ist, wie es damals bei MySpace war. Zwei Jahre, nachdem man seinen Account dort eingerichtet hatte, wurde einem plötzlich bewusst, wie vollkommen beknackt der ausgewählte Name der eigenen Page war. Aber extra einen neuen erstellen und jeglichen Content dadurch verlieren? Dann doch lieber so lassen. Glücklicherweise machte das letzten Endes gar nicht mehr viel aus, denn nochmal zwei Jahre später war MySpace eben nur noch ... MySpace und der Account wurde schnellstens gelöscht, bevor es jemand herausfand. Vor einiger Zeit bekamen die Jungs von The Morning Benders schließlich eine Chance: Weil sie durch Zufall erfuhren, dass das Wort "Benders" in England ein spöttischer Name für Homosexuelle sei, konnten sie sich einen neuen Namen aussuchen. Und bei allen guten Ideen, die sie sicher hatten, allen tollen Bandnamen, die jeder im Hinterkopf hat, der in imaginären Tagträumen seine eigene megageile Band gründet, entschieden sie sich für Pop Etc. Und mit dem Namen kam der Stilwechsel.

Jetzt gibt es freilich schlimmere Namen als Pop Etc, aber auch mindestens eine Million bessere. Ohne zu übertreiben. Der Name wäre auch zu verkraften, wenn sich Sänger Chris Chu und seine beiden Kollegen nicht so darauf versteifen würden, dass das erste und selbstbetitelte Album nach der Umbenennung auch genau so klingen sollte. Denn "Pop Etc" ist genau das: Pop in all seinen Facetten, an einigen Stellen gut hör- und durchaus tanzbar, an einigen Stellen klebrig wie Klein-Ninas Händchen nach einem Wassereis, an ein paar wenigen Stellen so belanglos, wie das "Etc" vermuten lässt. Aus dem lupenreinen Indie Pop, der das starke Debüt "Talking through tin cans" und den nur ungleichmäßig schwächeren Nachfolger "Big echo" geprägt hatte, bleibt ein synthiegetränkter New-Wave-Pop-Mix, der sich gewaschen hat. Das wird schon im Opener "New life" deutlich, der die Neufindung der Band verdeutlichen soll und dabei gleich mit schwerem Geschütz auffährt und nicht mal vor Autotune Halt macht. Was klingt, als würde Owl City einen altbackenen Teenager-Liebesfilm musikalisch untermalen - doch das soll zum Glück eine seltene Ausnahme bleiben.

Denn es ist wahrlich nicht alles schlecht auf "Pop Etc". Beim locker-flockigen "Everything is gone" erwischt der Hörer sich dabei, wie er zur frischen Melodie den Kopf im Takt mitbewegt, und das entspannte "Live it up" mit Soul-Einschlag lässt sich getrost ein zweites Mal hören. Das Problem bei den meisten Songs ist hingegen, dass sie oft zu belanglos daherkommen. "Why'd you do it honey" startet gut, verfängt sich dann aber mehr und mehr in der betont düsteren Atmosphäre, die dann auch wieder nur halbherzig durchgezogen wird. "Halfway to Heaven" ist mitsamt Boyband-Charme zu viel von allem, und "C-O-M-M-U-N-I-C-A-T-E" kommt nur mit Schrammen an der Cheesy-Kurve vorbei. Zum Schluss mit "Yoyo" scheint nur noch eine quietschgelbe Leggins zum Tanzen im 1980er-Revival-Club zu passen - angesichts der Entwicklung dieser Band, ist das jedoch nicht der einzige Grund, sich kopfschüttelnd in eine Ecke verkriechen zu wollen. Vielleicht muss sich das Trio um Chu wirklich noch immer neu erfinden und irgendwann wird alles wieder gut. Bis dahin kann man sich ja noch mit den beiden Werken der früheren Morning Benders beschäftigen, um sich die Zeit zu vertreiben, bis das unerhebliche Etc dem grandios gestalteten Pop weicht.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Keep it for your own
  • Live it up
  • Everything is gone

Tracklist

  1. New life
  2. Back to your heart
  3. Halfway to Heaven
  4. Keep it for your own
  5. Live it up
  6. Everything is gone
  7. R.Y.B.
  8. Why'd you do it honey
  9. I wanna be your man
  10. C-O-M-M-U-N-I-C-A-T-E
  11. Yoyo

Gesamtspielzeit: 39:53 min.

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