The Invisible - Rispah

The Invisible- Rispah

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 22.06.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tanz den Yorke

Der Tod also mal wieder. Je vertrauter die Person, umso einschneidender wirkt er sich auf das eigene Leben aus. Sei es zunächst in Art und Länge der Trauerbewältigung, später aber auch darin, Rückschlüsse für die eigene Zukunft zu ziehen. Dave Okumu befand sich gerade im Aufnahmeprozess mit seiner Band The Invisible, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter ereilte. Fünf Tage lang dauerte das Beerdigungszeremoniell in Kenia. Und es umfasste auch den Vortrag spirituellen Gesangs direkt neben dem Körper der Toten. Okumu, eigentlich nicht willens, sich mit Musik zu beschäftigen, ist angetan und tief berührt: Er zeichnet den Gesang auf und kehrt mit ihm zurück nach England.

Die kenianischen Gesänge sind nicht durchgängig zu hören, bilden wohl aber einen Kreis auf "Rispah". Sie tauchen im Intro auf, im Mittelteil und auch im Ausklang von "Protection". Die Emotionalität lässt sich für europäische Ohren vermutlich eher durch Okumus butterweichen Whisper-Gesang definieren und in seinen Worten hören: "I'm still waiting to know what happened to you." Seine Emotionen passten - so sagt Okumu mit etwas Abstand - zu dem, was seine beiden Bandkollegen in seiner Abwesenheit erarbeitet hatten. Ohnehin schon emotionaler als ihr Erstling angedacht, flossen seine Worte nun derart in die Aufnahmen mit ein, dass einem beim Hören von Songs wie "The wall" die Ergriffenheit von The Antlers "Hospice" ins Gedächtnis kommt.

Die Kollegen rund um Okumu sind Tom Herbert, seines Zeichens Teil des Jazz-Kollektivs Polar Bear, und Leon Taylor, der die Drums auf Adeles "21" spielte und hier perkussiver Vortänzer und Arithmetiker ist. Ihre größte Gemeinsamkeit aber scheint die Passion für Radiohead zu sein, die hier an allen Ecken mit Fahnen winkt und noch einmal mit dicken Leuchtern angestrahlt wird, wenn die Gitarre in "Wings" einsetzt. Der Indie-Space-Electronica-African-Pop von The Invisible startet mit einem brummigen Intro, das man das letzte Mal so ähnlich vernommen hat, als Farbfilme im Kino gerade laufen lernten, und schickt direkt danach mit "Generational" kleine elektro-rhythmische Gewitter ins All zu Apollo 13. Houston ist nicht ihr Problem.

So kühl und stechend "Wings" auch blitzt, es wird aufgefangen von Okumus an James Vincent McMorrow oder partiell Yannis Philippakis erinnernde Stimme und dem gelegentlichen Schwank zu sanften Melodiewogen. Kleinste Bewegungen haben hier eine frenetische Party verdient: etwa wenn eine düstere Gitarre im Mittelteil von "Surrender" der Platzhirsch-Synth den Garaus macht und damit dem furiosen Song seinen Wendepunkt beschert; wenn sich Martin L. Gore notiert, wie er "Utopia" für Dave Gahan zum Depeche-Mode-Song transformieren könnte; oder auch wenn "The great wound" völlig "Rispah"-untypisch hymnische Borsten ausfährt und damit deutlich mehr Songsstruktur erlaubt, als das atmosphärische Werk sonst zulässt. Den Ausgleich zur Sakralität von "What happened" schaffen sich The Invisible gleich selbst und gehen am Ende mit dem zahnlosen Off-Beat von "The stain" und "Protection" grooven. Und tanzen. Oder was Thom Yorke auch immer da in den Videos seiner Band macht.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Wings
  • The great wound
  • Surrender
  • The wall

Tracklist

  1. A particle of love
  2. Generational
  3. Wings
  4. Lifeline
  5. What happened
  6. The great wound
  7. Surrender
  8. Utopia
  9. The wall
  10. The stain
  11. Protection

Gesamtspielzeit: 49:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@Stephan
2016-07-30 11:34:38 Uhr
na gut, aber irgendwie komische argumentation.

Stephan

Postings: 836

Registriert seit 11.06.2013

2016-07-30 10:19:00 Uhr
Nee, haben wir nicht. Habe die neue Platte sehr oft gehört, aber da bleibt nicht viel bei mir hängen. Natürlich wieder gut produziert. Und auch Okumus vermehrte Arbeit mit R'N'B-Künstlern kommt in der Disco/Funk-Ausrichtung durch. Ist ja auch völlig legitim. Allerdings fesselt mich das leider lange nicht so wie etwa "Rispah". Ich würde circa eine 6/10. Daher haben wir in dem Fall auf eine Review verzichtet.
@Stephan
2016-07-22 11:09:28 Uhr
habt ihr die neue scheibe gar nicht rezensiert?!
Fiep()
2016-04-15 09:26:05 Uhr
Muss auch zugeben: fand ihr letztes jetzt nicht sooo toll, da fehlte oft der halt für mich. alles etwas ZU undefiniert.

Aber kann mir vorstellen das da noch was großes folgt =D

Stephan

Postings: 836

Registriert seit 11.06.2013

2016-04-14 18:49:58 Uhr
Hurra!
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