Ultravox - Brilliant

Ultravox- Brilliant

EMI
VÖ: 25.05.2012

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Quarz

Geschäftsmodelle sind in aller Munde. Wer bezahlt Künstler und andere Urheber? Wie kommt Südeuropa endlich wieder an Geld? Was soll sich Facebook ausdenken, um noch mehr Kohle zu scheffeln? Dabei könnte doch alles so einfach sein! Man schaue sich nur ab, was in der sogenannten "Kultur" so vor sich geht: Olle Kamellen in minimalvariierten Neufassungen gehen immer - egal, ob als Film, Computerspiel oder Musik. Und auch wenn man denken könnte, nach den durchwachsenen Comebacks von OMD, The Human League und Alphaville seien die Achtziger doch hoffentlich so langsam mal durch, halten jetzt auch Ultravox dagegen.

Die Band um Midge Ure kennt man schließlich noch als verzweifelnde Weichspül-Rocker, die mit Songs wie "Hymn", "Vienna" oder "Dancing with tears in my eyes" einst den kompletten Erlebnishorizont von The Killers, White Lies und The Bravery vorwegnahmen. Sogar den fiesen Schnurrbart hat Brandon Flowers von Midge Ure geklaut. Zwar hätte angesichts der auch schon wieder zurückgehenden Verkaufszahlen dieser Frischlinge das Timing für ein Ultravox-Comeback besser sein können. Crisis, what crisis? Ultravox dachten schließlich schon in den Achzigern die pompösen Weltuntergänge immer unbedingt mit. Und wenn sie heute nach 28 Jahren Pause wieder den zur Dauerkrise passenden Soundtrack liefern, kann das dem lebensmüden Pop-Connaisseur doch nur recht sein.

Es hat schon wagnerianische Züge, wie die Akkorde zum Einstieg von "Live again" den Begriff Pathos in Großbuchstaben schreiben, und dann setzt es auch noch ein kräftiges "Ohoho", bevor der Text überhaupt loslegt. Der ist natürlich reinster Oberstufen-Existenzialismus. "Don't know you learn to live again / Soon to find you're up to live within?" Ying und Yang und so. Dennoch geben die stoische Bassdrum, eine nörgelnde Hintergrundgitarre und melancholische Synthesizer der Esoterik keine Chance. Gute alte Schule?

Spätestens beim Titelstück jedoch beginnt der theatralische Dauerschwulst, an den Nerven zu zerren. Zwar erlaubt Stephen Lipsons prototypische Achtziger-Produktion den Gitarren mehr Lautstärke, aber längst noch keine Seele. Handelsübliche Zwei-Finger-Melodien in zähem Moll sollen als vollwertiges Songwriting durchgehen. In "Fall" mäandert Ure durch ein bräsiges Blade-Runner-Szenario. Für "The change" versucht er sich an einer Gary-Numan-Imitation, und die Musik kreuzt Kraftwerk mit The Human League. Dafür hätte der flirrende Stadionrock von "Satellite" auch den Simple Minds einfallen können. Aber wäre das eine Verbesserung? Viel zu selten bringt Billy Curries Violine neue Nuancen in das ewiggleiche New-Romantics-Gewummse, das niemanden weiterbringt - außer vielleicht dem Kontostand der Beteiligten. Bei "Brilliant" strahlt nichts. Das Glitzern ist überteuerter Modeschmuck.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Live again
  • Hello

Tracklist

  1. Live again
  2. Flow
  3. Brilliant
  4. The change
  5. Rise
  6. Remembering
  7. Hello
  8. This one
  9. Fall
  10. Let it lie
  11. Satellite
  12. Contact

Gesamtspielzeit: 52:48 min.

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