Smashing Pumpkins - Oceania

Smashing Pumpkins- Oceania

EMI
VÖ: 18.06.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Rolle seines Lebens

Ein wenig erinnert er an den guten, alten Sisyphos. Seit dem erstmaligen Split der Smashing Pumpkins versuchte sich Billy Corgan erfolglos daran, die Zeit zu verarbeiten, und rollte ein ums andere Mal den dicken Stein nach oben. Kaum war dann das Soloalbum "The future embrace" oder "Zeitgeist" veröffentlicht, entglitt ihm jedoch der Stein und rollte wieder ganz nach unten. Und Corgan fing von neuem an. Selbst wenn er, wie zur Veröffentlichung von "Oceania", wieder und wieder betont, die alten Smashing Pumpkins seien endlich vergessen - allein die Beteuerung deutet ja darauf hin, dass ihm Jimmy, James und D'Arcy noch immer durch den Kopf schwirren. Nein, auch "Oceania" kann Corgan den Ballast nicht von seinen Schultern nehmen, auch wenn das Album an vielen Stellen tatsächlich nicht nach den alten Smashing Pumpkins klingt.

Corgan hat aber auch noch ein zweites Problem, mit dem er stets kämpfen muss. Sich selbst. Es hat ja mitunter schon tragische Züge, ihn dabei zu beobachten, wie er wieder und wieder an sich und seinen Ambitionen scheitert. Scheitern als Chance, das wusste schon der gute, alte Christoph Schlingensief. Zwischendurch verabschiedeten sich die Smashing Pumpkins dann vollends in die entlegendsten Weiten der großen Netzwelt, fernab von jeglicher großer medialer Aufmerksamkeit, um dort den 44-Songzyklus "Teargarden by Kaleidoscope" nach und nach zu veröffentlichen. Darunter macht Corgan es ja nicht mehr. Und "Oceania" ist nun, trotz seinem Einwand, Alben wären in der heutigen Zeit sinnlos, sozusagen ein Album im Album, eine Platte innerhalb des großen Zyklus, der bisher relativ zerfahren wirkte. Und so wirkt auch "Oceania".

Es wird weder stilistisch noch textlich klar, warum genau jetzt diese Songs ein ganzes Stück sein sollen und als Album veröffentlicht werden müssen. Im Grunde zerfällt "Oceania" in verschiedene Grüppchen. Da wären zum einen Songs wie der knallharte Opener "Quasar", "Panopticon" oder "The chimera", die mit ihrer faserigen Fuzzgitarre an "Siamese dream" erinnern sollen, aber nicht ganz an die großen Stücke von damals herankommen. Wie auch? Schließlich ist Corgan eben nicht mehr Mitte 20 - warum also sollten seine Songs so klingen oder dieses Lebensgefühl verströmen? Daneben gibt es ruhigere, schwelgerische Mid-Tempo-Songs wie "The celestials", das zunächst mit Akustikgitarre und Streichern betört, um sich in große Weiten zu steigern. Oder auch "Violet rays", "My love is winter" und "Glissandra", in denen sich hin und wieder Synthesizereffekte ausbreiten.

Zu guter Letzt hauen Smashing Pumpkins auch ein paar elektrolastigere Stücke raus, von denen das quietschige "One diamond, one heart" eindeutig der Tiefpunkt auf "Oceania" ist. "Wildflower" hinterlässt eher Schulterzucken, ein nettes Lied, nicht mehr, nicht weniger. Wie es richtig geht mit dem Elektro-Pop, das beweisen Smashing Pumpkins andererseits mit "Pale horse", der mit wunderschöner Melodie und tollem Refrain besticht. Stellvertretend für das gesamte Album "Oceania" kann aber der neunminütige Titeltrack herhalten. Man ist ja großartig epische Songs von Billy Corgan gewohnt, man denke nur an "Silverfuck", "Porcelina of the vast oceans" oder das todtraurige "For Martha" - "Oceania" allerdings zerbröselt grob in drei im Grunde interessante Abschnitte, die einen großen Höhepunkt beständig andeuten, ihn dann aber doch nicht erfüllen. Zu allem Überfluss faded der Song auch noch vollkommen lieblos einfach aus. Schade.

Insgesamt ist "Oceania" besser geraten als der etwas zu plumpe Vorgänger "Zeitgeist", auch wenn vielen Songs die großen Melodien und Augenblicke abgehen. Zudem ist ärgerlich, dass "Oceania" auf Albumlänge zwar ganz gut funktioniert, einige Songs jedoch deutlich mehr Potenzial andeuten, als Corgan letztendlich aus ihnen herausholt. Es wäre schön, wenn Corgan einfach mal wieder nur ein ganz normales Album aufnehmen würde, ohne den ganzen aufgeblasenen Überbau. Ein gutes Zeichen aber bleibt, dass es mit Billy Corgan erneut bergauf geht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Keep on rollin'.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Quasar
  • Pale horse
  • The chimera

Tracklist

  1. Quasar
  2. Panopticon
  3. The celestials
  4. Violet rays
  5. My love is winter
  6. One diamond, one heart
  7. Pinwheels
  8. Oceania
  9. Pale horse
  10. The chimera
  11. Glissandra
  12. Inkless
  13. Wildflower

Gesamtspielzeit: 60:02 min.

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