Rush - Clockwork angels

Rush- Clockwork angels

Roadrunner / Warner
VÖ: 08.06.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wer hat an der Uhr gedreht?

Dass Konzeptalben zum Progressive Rock gehören wie ausufernde Frickeleien, ist ja wahrlich nichts Neues. Erstaunlich ist allerdings, dass sich Rush als echte Legende des Genres auf diesem Gebiet in den knapp 40 Jahren ihres Bestehens eher zurückhielten. Denn tatsächlich war das dystopische "2112" von 1976 bis dato das einzige Album aus ihrem nicht eben schmalen Backkatalog, das eine komplette Hintergrundgeschichte erzählte - und außerdem eines, das viele ohne mit der Wimper zu zucken zu den großartigsten der Zunft zählen.

Nach 36 Jahren also wagen sich Rush wieder an das Projekt Konzeptalbum. Doch was heißt hier Album? Nicht weniger als ein Roman soll aus der ziemlich abgefahrenen Steampunk-Story von Schlagzeuger und Texter Neil Peart entstehen - gut, dass man auch mit Anfang 60 noch Ambitionen pflegen kann. Die Kunst, die Rush hier vollbringen, ist hingegen eine ganz andere - nämlich die, "Clockwork angels" nicht in völlig prätentiöse Sphären abdriften zu lassen.

Denn bereits das leichtfüßige "Caravan" belehrt den Skeptiker eines Besseren. Auf dem Stück, das ebenso wie das folgende, erstaunlich ruppige "BU2B" bereits seit fast zwei Jahren Bestandteil des Live-Programms ist, spielen Rush ihre ganze Routine aus. Das ist insbesondere im Vergleich zum musikalisch ähnlich gelagerten Vorgängeralbum "Snakes & arrows" nicht progressiv im Wortsinn, aber immer noch Progressive Rock in Vollendung.

Gänzlich grandios allerdings ist dann das Titelstück - geradezu eine Blaupause für alles, was den Sound der Kanadier ausmacht: Gänzlich unerwartete Bassläufe treffen auf brillante Gitarrenarbeit, und über Pearts Fähigkeiten als Schlagzeuger muss man ohnehin keine Worte mehr verlieren. Wenn es überhaupt einen Vorwurf geben kann, dann den, dass Songs wie "Halo effect" oder das melancholische "The wreckers" sich anfangs weigern, sich in Ohr und Hirn festzusetzen und den einen oder anderen Durchlauf mehr benötigen - dies allerdings ist nicht nur Jammern auf Höchstniveau, sondern auch Erbsenzählerei.

Denn "Clockwork angels" besitzt eben nicht den einen Übersong, der das Album dominiert. Andersherum wird ein Schuh draus: Selten passte das Attribut "aus einem Guss" so genau wie hier. Dabei legen Rush bei brillanter Technik allerdings eine Spielfreude und Lockerheit an den Tag, als wollten sie beweisen, wozu sie auch als ältere Herren noch imstande sind. Nämlich zu einem schlicht in Wort und Musik fantastischen Album, das sich mühelos auf die oberen Ränge der Diskographie schiebt. Und auch wenn die Uhr auf dem Artwork exakt 21:12 Uhr zeigt, ist die Zeit für Rush in dieser Form längst nicht abgelaufen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Caravan
  • Clockwork angels
  • Seven cities of gold
  • Headlong flight

Tracklist

  1. Caravan
  2. BU2B
  3. Clockwork angels
  4. The anarchist
  5. Carnies
  6. Halo effect
  7. Seven cities of gold
  8. The wreckers
  9. Headlong flight
  10. BU2B2
  11. Wish them well
  12. The garden

Gesamtspielzeit: 66:04 min.

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