Kreator - Phantom antichrist

Kreator- Phantom antichrist

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Wertstabilen

Es gibt wenige Protagonisten der hiesigen Metal-Szene, die die Bezeichnung "Institution" derart verdienen wie Miland "Mille" Petrozza, seines Zeichens Hirn und Herz von Kreator. Nicht genug, dass die Essener gemeinsam mit Destruction und Sodom quasi die Gründerväter des Thrash in Deutschland sind - Petrozza verkörpert aufgrund seiner Biographie als Gastarbeitersohn aus überaus bescheidenen Verhältnissen auch Werte wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Bodenständigkeit. Man weiß also, was man an dieser Band hat, und das gilt bis auf eine Ausnahme in den Neunzigern auch für deren Platten.

Und doch schaffen Kreator es gleich zu Beginn, den Hörer zu überraschen. Allerdings im positiven Sinn, ist doch der eröffnende Titeltrack eine Dampframme ersten Ranges. Hier bleibt kein Auge trocken, keine Fresse unpoliert. Petrozza schreit, keift und faucht wie ein 20-Jähriger, Gitarrist Sami Yli-Sirniö soliert sich ins Nirwana. Auch das folgende "Death to the world" kann nicht zuletzt dank eines überragenden Gitarrenriffs durchaus als Statiktest für Konzerthallen fungieren.

Überaus mutig hingegen ist "From flood into fire", und das nicht nur wegen Klargesangs im Mittelteil. Nein, diese breitbeinige Hymne dürfte vielen selbsternannten Traditionswächtern unter den Fans ziemlich sauer aufstoßen, gab es doch derartige Melodien ansonsten nur in homöopathischen Dosen. Und ein Akustikgitarren-Intro wie zu "United in hate" hörte man bis jetzt auch eher selten bei Kreator. Überhaupt die Gitarrenarbeit: Dass der Finne Yli-Sirniö vor mehr als einer Dekade bei den Essenern vom Aushilfsgitarristen zum festen Bandmitglied aufstieg, darf nach wie vor als eine der klügsten Entscheidungen Petrozzas gewertet werden. Von Album zu Album wird deutlicher, wie sehr sich diese beiden Musiker voneinander inspirieren lassen.

Das muss nicht immer gelingen, wie das zuweilen etwas schunkelige "Until our paths meet again" zeigt - aber eine derartige Virtuosität war von der Schülerband, die Anfang der Achtziger in Altenessen mehr schlecht als recht ihren Helden verrauschter Kassetten nacheiferte, damals sicher nicht zu erwarten. Insbesondere mit den Alben der letzten Dekade sind Kreator allerdings in der Riege der wichtigsten Thrash-Bands angekommen. "Phantom antichrist" ist nicht besser oder schlechter als "Enemy of God" oder "Hordes of chaos", aber es hält deren höchstes Niveau problemlos. Das ist genau die Verlässlichkeit, die auch den Frontmann auszeichnet.

(Markus Bellmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Phantom antichrist
  • From flood into fire
  • The few, the proud, the broken

Tracklist

  1. Mars mantra
  2. Phantom antichrist
  3. Death to the world
  4. From flood into fire
  5. Civilization collapse
  6. United in hate
  7. The few, the proud, the broken
  8. Your heaven, my hell
  9. Victory will come
  10. Until our paths cross again

Gesamtspielzeit: 45:32 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify