Mark Forster - Karton

Mark Forster- Karton

Four / Sony
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der nette Kerl

"Ruf mich an, ich bin natürlich für Dich da / Und egal, was los ist - bei mir hast Du 'nen Platz / Ich nehme mir gern Zeit" - wer so über zerbrochene Beziehungen singt, von dem würde man sich gerne mal trennen, oder? Mark Forster ist der Inbegriff dessen, was man sich unter einem netten Kerl vorstellt: warme Stimme, Wohlfühl-Kompositionen, dazu ein Mützchen auf dem Kopf, als gälte es, Deutschland beim Eurovision Song Contest zu vertreten - ein Typ eben, den man schon während seiner bisherigen Karriere als Klavier-Sidekick von Kurt Krömer irgendwie vor allem als niedlich wahrnahm.

Forsters Debütalbum bestätigt das und liefert ziemlich genau, was das Land offenbar von seinen neuen Pop-Männern braucht: Wenn die gesammelte Bourani-Bendzko-Entourage einen würdigen großen Bruder hat, dann muss er so verständnisvolle Balladen wie "Froh sein" schreiben und sich ohne Ironie Zeilen wie "Komm', lass uns später nochmal skypen" ausdenken. Ähnlich wie seine musikalischen Verwandten gleitet "Karton" durch einen Nebel freundlicher Unbestimmtheit, der zwar nie aufschrecken, aber auch eher selten aufhorchen lässt.

Wie unterschiedlich gut die klassische Deutschpop-Rezeptur dabei aufgehen kann, wird gleich zu Anfang deutlich: "Auf dem Weg" schwingt sich in einen atemlosen Elektro-Sog, der einiges verspricht, "Karton" kontert dann aber mit einer Spur zu viel Boyband-Charme. Mark Forster macht Musik nach dem Motto "Versöhnen statt spalten", seine Lieder suchen den Konsens. Wenn er den findet, kann das so entspannt klingen wie der soulige Sommergroove von "Die kleinen Dinge". Wenn nicht, bekommt eine Frage wie "Wo ist Dein Feuer?" prophetische Bedeutung. Viel Glätte bedeutet manchmal eben auch, dass wenig hängenbleiben kann. Insofern ist es gar nicht schlecht, wenn ein Stück zumindest starke Assoziationen weckt wie "Nur Du", in dem Forster - mit wie viel Absicht auch immer - erstaunlich authentisch in den Windschatten von OneRepublic tritt. Deren bessere Momente muss er eigentlich nur noch mit einem deutschsprachigen Text versehen, um einen angenehmen Radio-Ohrwurm zu erhalten.

Gut möglich, dass das dem Cover von "Sie ist weg" (Die Fantastischen Vier) ähnlich hätte gelingen können - anders als das Original bleibt die Version jeden Augenzwinkerns aber so unverdächtig, dass ihre Wirkung eher in die Kategorie "merkwürdig" fällt. Überhaupt scheint es Forster ernst zu sein mit seinem Beteuerungen und Lamentos: "Was Du sagst, das sagt mir nicht, was Du fühlst", wirft er einem weiblichen Gegenüber vor, das so viele aufrichtige Gefühle auf Dauer offenbar auch etwas anstrengend findet. Trotzdem: Wirklich übel nehmen kann man diese Art einem netten Kerl wie Mark Forster nicht. Ganz ohne Ironie.

(Jana Fischer)

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Highlights

  • Auf dem Weg
  • Die kleinen Dinge

Tracklist

  1. Auf dem Weg
  2. Karton
  3. Zu Dir (weit weg)
  4. Wo ist Dein Feuer
  5. Nur Du
  6. Die kleinen Dinge
  7. Sie ist weg
  8. Du fliegst davon
  9. Froh sein
  10. Bergab
  11. Du und ich
  12. So spät

Gesamtspielzeit: 45:40 min.

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