Forest & Crispian - Morgenlands

Forest & Crispian- Morgenlands

Für / Soulfood
VÖ: 08.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Des Wahnsinns kesse Beute

"Hui - hui - hui! - Feuerkreis - Feuerkreis! dreh dich Feuerkreis - lustig - lustig! - Holzpüppchen hui schön Holzpüppchen dreh dich." Nein, der Rezensent ist nicht etwa dem Wahnsinn anheimgefallen (jedenfalls behauptet er das standhaft). Und auch Literaturstudium und Schulzeit sind viel zu lange her, als dass er noch wirklich als Zitatschleuder glänzen mag. Dennoch: Nach dem ersten Hörereindruck von "Morgenlands" tanzten diese Zeilen aus E. T. A. Hoffmanns Mittelstufenquälgeist "Der Sandmann" wie von selbst durch seinen Kopf. Schnippend, die Hüften schwingend, als flackernde Fata Morgana kamen sie immer näher. Gar gruselig. Doch letztlich wollten sie gar nichts Böses. Sprich: Auch auf dem dritten Album des Schweden-Vierers Forest & Crispian, dreht und kreiselt wirklich alles. Im Walzertakt. Ums Lagerfeuer. Beschwipst mit Sonnenstich. Und dabei auch noch in einem schier kirre machenden Popreigen.

Die Versatzstücke dazu sind klar: "Morgenlands" musiziert oftmals kurz vor Saloon-Honkey-Tonk, Ostalgie-Folklore, Zirkus-Manege und Muppet-Show - und präsentiert für den adäquaten Drehschwindel ein eigenes Streicher-Quartett auf Albumlänge. Platte Gesten in die ein oder andere Richtung spart sich das Album hingegen durchgängig. Zu verdanken ist das einerseits den galligen Texten und dem melancholischen Gesangsvortrag von Joe Kadev, die selbst den Kirmes-Stampf von "Everyone is entitled to a war machine" und "Salome" mit Nachdruck versehen sowie die Schlaflied-Schleifen von "I don't want to be laughed at" oder "Oh Copenhagen" würdevoll ausschunkeln lassen. Andererseits ist Forest & Crispian aber auch das so typisch amerikanische Pathos von Devotchka durch- bis überaus bekannt - sie kontern es allerdings mit klareren Verweisen und sonnigeren Arrangements. Typisch schwedisch halt.

Nach dem elegischen Streicher-Einstieg von "Let the best band win" zählen Klavier-Achtel das Drama aus und lassen den Song fortan durchs Popformat hüpfen. "A horse's tale" zuckelt durch seinen Western-Rhythmus wie eine Blauröcke-Kavallerie - und genau wie diese kommen die Orgeltupfer und fidelen Streicher stets genau zur rechten Zeit. Wirklich vollstauben lässt sich auch der Ragtime von "Who killed young Robin" nicht: Die Produktion von Per Sunding (The Cardigans, Peter Bjorn And John) sowie die Arrangements sorgen vielmehr dafür, dass Nostalgie und Moderne ganz wunderbar über die Planken schwofen. Und die wimmernden Geigen von "Women and children first" werfen sich ebenfalls irgendwann die Ballkleider über, um sich über glänzendes Parkett zu drehen.

Hinzu treten flächendeckend herrliche, mehrstimmige Arrangements, intoniert entweder als Phrase-Gegenphrase, im Proto-Kanon-Versatz oder einfach als süßlich anschwellender Chor aus dem Hintergrund. Und auch sonst wird überdeutlich, dass Forest & Crispian ihre Songs sowohl spielerisch als auch eindringlich zu nutzen wissen. Das bringt Leben in ihre Musik, aber eben auch Erdtöne und Ruhepolster. Oder auch: "Sköne Oke", allüberall. Ja, das klingt wie ein typisch schwedisches Mürbteig-Gebäck. Meint aber doch etwas anderes. Und nein, "Morgenlands" macht bestimmt nicht weich im Keks. Hui - hui - hui!

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Women and children first
  • This ain't a song for people wanting to have fun
  • Let the best band win
  • Oh Copenhagen

Tracklist

  1. Morgenlands
  2. A horse's tale
  3. Women and children first
  4. Salome
  5. This ain't a song for people wanting to have fun
  6. Margit Viola Hanssons resa
  7. The rider
  8. Let the best band win
  9. Who killed young Robin
  10. I don't want to be laughed at
  11. The star
  12. Everyone is entitled to a war machine
  13. Oh Copenhagen
  14. Ingenmansland

Gesamtspielzeit: 36:17 min.

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