DZ Deathrays - Bloodstreams

DZ Deathrays- Bloodstreams

Hassle / Soulfood
VÖ: 11.05.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Fuselkabinett

Na schönen Dank. Ohren im Eimer, Möbel zertrümmert, Polizei auf der Matte: DZ Deathrays hatten mit "Ruined my life" wahrlich nicht zu viel versprochen. Dabei hatten Shane Parsons und Simon Ridley aus Brisbane ihre EP auf die gehörfreundliche Länge von einer Viertelstunde limitiert - doch bei so panzerknackendem Disco-Punk und bohrendem Noise-Rock ging immer noch genug kaputt. Wenigstens fühlte sich das Ganze an, als wären Death From Above 1979 zurück. Dass die Kanadier inzwischen tatsächlich wieder gemeinsame Sache machen, wird DZ Deathrays zwar freuen - es hindert sie aber nicht daran, für "Bloodstreams" sich selbst ihre Totenschädelmasken und danach dem Hörer gewaltig eins mit ihren Instrumenten überzuziehen. Schön, wenn der Schmerz nicht nachlässt.

Der Begriff Longplayer ist bei der überschaubaren Gesamtspielzeit dieses Albums zwar mit Vorsicht zu genießen - doch auch in durchschnittlich drei Minuten pro Stück kann eine Menge passieren. Wie im Video zum Song "The mess up", wo die zwei Australier in Rekordzeit eine Flasche Jägermeister niedermachen und sich anschließend in mehr oder weniger kunstvollem Erbrechen üben. Man weiß nun nicht genau, welche Szenen sich bei den Aufnahmen zu "Bloodstreams" abgespielt haben, doch hoch hergegangen wird es in jedem Fall sein. Schon im Intro können Parsons und Ridley nämlich nur mit Mühe an sich halten, bevor "Teenage kickstarts" zum vernichtenden Erstschlag ausholt und "Cops capacity" dröhnend und ungestüm nachlegt.

Die Effektivität der reduzierten Besetzung ist dabei eine ähnliche wie beim Vorbild aus Toronto: Bassig heruntergestimmte Gitarren, Drum-Tumult, viel Geschrei und ein paar Nadelstiche mit durchgeschmorter Elektronik reichen eben vollkommen aus, wenn die Power stimmt. Zwar sind DZ Deathrays' Songs noch ein wenig skelettierter und aufs Nötigste heruntergehungert - doch das kommt davon, wenn man sie dauernd mit Fusel übergießt und anzündet, bis nur noch streng riechende Gerippe übrigbleiben, die mitunter bedrohlich zu kokeln anfangen. "Play dead until you're dead" und "Dumb it down" treten dann auch merklich auf die Bremse, um zwischendurch ein paar fleischfressende Keyboards aufzulesen, denen letztendlich aber doch der Garaus gemacht wird. Gegen so viel Krach sind auch keine elektronischen Kräuter gewachsen.

Da Plattentests.de aber weder mutwilligem musikalischem Ruin noch der Vernichtung von Spirituosen unter Wettkampfbedingungen das Wort reden möchte, sollte man "Bloodstreams" - sofern möglich - auch einmal nüchtern betrachten. Und feststellen, dass das Duo hier genaugenommen nur ungefähr zweieinhalb Songs spielt. Dafür haben die beiden bei deren Variationen offenbar gleich doppelt Spaß und brauchten für dieses trotzdem von vorne bis hinten vergnügliche Album wahrscheinlich nicht einmal Hochprozentiges. Was andersherum aber keinen Elternteil von der Pflicht entbindet, den Nachwuchs eindringlich ins Gebet zu nehmen, sollte man ihn beim heimlichen DZ-Deathrays-Hören ertappen. Etwaige Einwände, man habe die Platte doch selbst, tun nichts zur Sache. Das eigene Leben ist schließlich schon zerstört.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Teenage kickstarts
  • Cops capacity
  • Play dead until you're dead
  • Gebbie Street

Tracklist

  1. Intro
  2. Teenage kickstarts
  3. Cops capacity
  4. No sleep
  5. Play dead until you're dead
  6. Gebbie Street
  7. Dinomight
  8. Dollar chills
  9. Debt death
  10. Dumb it down
  11. LA lightning
  12. Trans AM

Gesamtspielzeit: 36:36 min.

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