Alt-J - An awesome wave

Alt-J- An awesome wave

Infectious / PIAS / Rough Trade
VÖ: 25.05.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Farbe und bunt

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, um als Newcomer-Band auf sich aufmerksam zu machen. Dem aus Leeds stammenden Quartett Alt-J gelingt dies zumindest auf zweierlei Weise: Zunächst wäre da der - zugegebenermaßen - ziemlich bekloppte Bandname, den man kaum aussprechen kann und der obendrein auch noch meist mit einem Dreieck verziert wird. Man muss nicht zwangsläufig nachvollziehen können, wieso sich eine Band nach einer Tastenkombination benennt - aber sei's drum, es soll schließlich auch Eltern geben, die ihre Kinder Kevin nennen. Auf der anderen Seite wäre da die Musik, die wirklich zu überzeugen weiß. Irgendwo zwischen den Indie-Weirdo-Pionieren The Beta Band und den Indie-Weirdo-Senkrechtstartern Django Django schlagen Alt-J mit ihrem, ähem, Indie-Weirdo-Debüt Wurzeln. Spätestens jetzt haben die Briten alle Aufmerksamkeit ergattert. Stimmt doch, oder?

Aber immer mit der Ruhe. "An awesome wave" beginnt nämlich zunächst wenig aufsehenerregend, geradezu unspektakulär. Oder positiver ausgedrückt: sympathisch leise. Auf das eklektische "Intro" folgt bereits eine der drei Interludes, so dass man erst mit dem langsamen Electro-Pop-Schleicher "Tessellate" beginnt, auf dieser wundervollen Welle zu reiten. Speziell in diesem Song erinnern Alt-J etwas an Radiohead zur Zeit vor "Kid A". Doch bevor man die jungen Briten auf ein Genre festnageln kann, haben sie sich schon in eine vollkommen anderen Ecke verzogen und es sich dort bequem gemacht. Durch das folgende "Breezeblocks" fließt eine Menge Soul, während "Something good" nervös zuckt und blitzt. Alt-J bewegen sich ganz freigeistig durch die britische und amerikanische Pop- und Rock-Geschichte der achtziger bis nuller Jahre, klauen sich hier und da einzelne Puzzleteile und legen schlussendlich ein grotesk-buntes, aber herrlich harmonisches Patchwork zusammen, welches gerade im Weltuntergangsjahr 2012 viel Sinn ergibt.

In der zweiten Albumhälfte legen die vier Briten dann jegliche antrainierte Schüchternheit ab und geben die großen Zampanos. Mit dem hochmelodischen "Dissolve me" gelingt ihnen ein wahrlich glorreicher Yeasayer-Moment - so in etwa klingt Superhelden-Pop. Ähnlich viel Grandezza besitzt "Matilda", ein Song, der der Band jetzt schon über den Kopf zu wachsen droht. Das windschiefe "Fitzpleasure" pendelt hingegen zwischen moderner Weltmusik-Schluffigkeit und Electro-Sturheit und bleibt damit sicherlich einer der schwächeren Augenblicke auf einem ansonsten durch und durch überzeugenden Debüt. Besonders bemerkenswert gerät kurz vor Schluss auch das atmosphärisch um die Kurve schlingernde "Bloodflood". Hier klingen Alt-J wie erwachsene Männer, die ihre Virtuosität an Spielzeuginstrumenten zu erproben versuchen. Da bleibt einem dann nichts anderes übrig als Zuhören. Stimmt doch, oder?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Dissolve me
  • Matilda
  • Bloodflood

Tracklist

  1. Intro
  2. (The ripe & ruin)
  3. Tessellate
  4. Breezeblocks
  5. (Guitar)
  6. Something good
  7. Dissolve me
  8. Matilda
  9. Ms
  10. Fitzpleasure
  11. (Piano)
  12. Bloodflood
  13. Taro

Gesamtspielzeit: 41:26 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 17174

Registriert seit 07.06.2013

2019-09-12 21:45:06 Uhr
Uhhh... gute Idee. Also beide.

boneless

Postings: 2430

Registriert seit 13.05.2014

2019-09-12 19:16:54 Uhr
Hat sich in den letzten Tagen bzw. Wochen neben A Storm in Heaven von The Verve als perfekte musikalische Untermalung zum Frühstück gemausert. Diese bedröhnt bedröselte Stimmung hilft perfekt, wenn man sich noch im Halbschlaf zur (zu frühen) morgendlichen Stunde befindet. Highlight für mich zuletzt Taro, der lief dann auch gleich ein paar Mal hintereinander, was einen hartnäckigen Ohrwurm zur Folge hatte. Ja, grandiose Platte, so insgesamt.

The MACHINA of God

Postings: 17174

Registriert seit 07.06.2013

2019-08-02 00:54:05 Uhr
Ewig nicht gehört. Fand die ja früher toll und war dann vom zweiten Album enttäuscht. Inzwischen meinen Frieden mit der 2. gemacht, 4 Songs vom 3. für fantastisch befunden und das Debut etwas vergessen. Änder ich mal die Tage.

hideout

Postings: 308

Registriert seit 07.06.2019

2019-08-02 00:51:55 Uhr
Mit dem Nachfolger konnte ich mich nie so anfreunden wie mit der hier. "Hunger of the pines" ist aber sehr toll, werde die Platte definitv in aller Ruhe hören und den Thread nach oben holen.

Mr. Fritte

Postings: 345

Registriert seit 14.06.2013

2019-08-02 00:26:53 Uhr
"Bloodflood" und "Taro" sind die besten, find ich. "Ms" ist der einzige kleine Schwachpunkt für mich. Ansonsten alles großartig.
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