Totally Enormous Extinct Dinosaurs - Trouble

Totally Enormous Extinct Dinosaurs- Trouble

Polydor / Universal
VÖ: 08.06.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Jurassic floor

Wer dauernd mit Leuten zusammenarbeitet, die auf den Brettern zu Hause sind, die die Welt bedeuten, kann schon einmal selbst Sehnsucht nach besagtem Holz bekommen. Orlando Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs hat sich über die Jahre einen Namen als Remix-Künstler für die ganz Großen gemacht - sein erstes eigenes Album sollte aber auf keinen Fall nach Lady Gaga oder Sugababes klingen. Wenn man sich wie Higginbottom in seinem musikalischen Schaffen immer an bereits Vorhandenem orientieren muss, ist ein gewisser Drang nach entschlossen eigensinnig klingendem Material gut nachvollziehbar. "Trouble" will sich nicht festlegen, keine Klischees bedienen und beansprucht auch keinen Platz in Mainstreamdiskotheken. Um dieses Ziel zu erreichen, braut der ehemalige Musiklehrer einen Zaubertrank mit sehr langer Zutatenliste.

Zu houselastigen 4-to-the-floor-Beats mischen sich massive, Offbeat-betonte Basslawinen, die an verschiedene Spielarten des Dubstep erinnern. Tropical- und 2-Step-Elemente sorgen für lockere Tanzbarkeit, und immer wieder finden sich klassische Synth-Pop-Parts, die im kontrollierten Chaos dieses totalen Genre-Clashs eine angenehm beruhigende Wirkung haben. Leider versucht Higginbottom grundsätzlich, möglichst viele der eingebauten Einflüsse gleichzeitig zum Zug kommen zu lassen. So entsteht ein Mischsound, der sich durch das mehr als einstündige Album zieht und spätestens nach der Hälfte alle interessanten Variationsmöglichkeiten verspielt hat. Alles Folgende ist hauptsächlich nichts Neues mehr und bezieht individuellen Charakter allenfalls durch vereinzelte unverbrauchte Elemente. Weniger wäre hier mehr gewesen: weniger Tracks, weniger Ideen auf einem Haufen, mehr Zeit für Details.

Die Momente, die deutlich anders sind als der über weite Strecken konstante Sound von "Trouble", stechen so natürlich besonders hervor: "Household goods" öffnet zunächst die bereits bekannte Tropical-House-Schublade, bevor der Hörer ein dermaßen fettes Synthesizer-Brett an den Kopf geknallt bekommt, dass ihm kurz der Atem stockt. Stünde das allein für sich, wäre die Ähnlichkeit zum Großraumdisko-Einheitssound gefährlich, doch in Kombination mit dem komplett kontrastierenden Rest macht das Stück riesigen Spaß - besonders bei ordentlich aufgedrehten Boxen. In "Garden" untermalt ein eingängiges Synthie-Pattern ein Duett, dessen weibliche Hälfte auch bei "Fair" noch einmal zu Wort kommt. Wenn "Trouble" überhaupt an etwas erinnert, dann dank der typisch delaylastigen Vocals an Caribou - vielleicht der Vergleich, der noch am wenigsten hinkt. Zumindest eins hat der Brite mit dem viel zu langen Künstlernamen nämlich erreicht: total enorme Schubladen-Resistenz. Doch ob die vorm Aussterben bewahrt?

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Trouble
  • Household goods
  • Garden
  • Tapes & money

Tracklist

  1. Promises
  2. Trouble
  3. Shimmer
  4. Household goods
  5. Your love
  6. You need me on my own
  7. Panpipes
  8. Garden
  9. Solo
  10. Tapes & money
  11. American dream part II
  12. Closer
  13. Fair
  14. Stronger

Gesamtspielzeit: 63:41 min.

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