Maximo Park - The national health

Maximo Park- The national health

Vertigo / Universal
VÖ: 08.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am Tresen der Vergangenheit

Ach, wir denken doch eigentlich alle ganz gern daran zurück. Damals, als man noch in die Indie-Disco gehen konnte und nicht der einzige war, der komisch getanzt hat. Als man da noch nicht zum alten Eisen gehörte. Als da noch keine Abiturienten durch die Gegend gesprungen sind und die lahmste B-Seite der Kaiser Chiefs für "den nächsten großen Scheiß" gehalten haben. Nein, damals war alles ganz anders. In diesen glorreichen eineinhalb Jahren, als England als Brutstätte für alles stand, was man sich im Rest Europas noch nicht mal vorzustellen vermochte. Wie das Debütalbum von Franz Ferdinand rauf und runter lief, wie Bloc Party mit "Silent alarm" die Musikwelt auf den Kopf stellten, die Kooks noch nicht in im Allerweltsmusikdorf angekommen und die Arctic Monkeys noch nicht so derbe cool waren, dass es hinter ihnen anfing zu schneien. Und mittendrin, irgendwo, waren da die fünf Herren von Maximo Park, die uns "A certain trigger" um die Ohren hauten, dass es nur so schepperte. Ach, wir denken doch eigentlich alle ganz gern zurück.

Aber wie das eben so mit Erinnerungen ist, legt sich auch hier irgendwann der Schleier des Schönen und Unantastbaren und zeigt, wie es wirklich war. Dass man plötzlich von zehn Bands dasselbe Lied vorgespielt bekam. Dass die Nachfolgealben nie so gut werden konnten wie die Debüts, und dass ein großartiges und drei durchschnittliche Alben eigentlich nicht genug sind. Dass die ungewaschene Indie-Frisur echt schon immer scheiße aussah und nicht besser wurde, weil man sich einen Hut auf den Kopf setzt. Nun ja. Maximo Park versuchen jetzt, es mit ihren Mitteln wieder in die andere Richtung zu drehen. Ihr neues Album "The national health", das vierte der Band, soll das Gegenstück zu dem sein, was Sänger Paul Smith als "bouncy, happy music" bezeichnet, schließlich befände sich die Welt in der Rezession. Politisch motivierte Stücke gibt es hier nicht zu finden, und an die Größe des sieben Jahre alten "A certain trigger" kommt es auch nicht heran. Dennoch: "The national health" lässt uns vergessen, dass alles doch irgendwie anders war - und ist.

Der Opener "When I was wild" wirkt zumindest schwermütig und überzeugt dabei mit Smiths tiefem Gesang, einem Piano und ein paar Streichern. Zugleich könnte man Smith unterstellen, zu lügen, wenn er singt "I was just pushing buttons / I didn't think about / All of the repercussions" und einen der textliche Zusammenhang freut mit seinem Start in die Musikwelt und den eigenen damit verknüpften Erinnerungen an bereits zitierte Indie-Disco. Die Vorab-Single "Hips and lips" bietet dann genau das, was man von Maximo Park erwartet. Sie feuert zunächst nur zaghaft mit der Wasserpistole, bis die ganze Band sich zum Sondereinsatzkommando verschwört und alles in die Luft jagt. Textlich bietet es, wie der Rest des Albums, Einblick in Smiths Seelenleben und seine Unsicherheit mit allem und jedem um ihn herum: "You're a puzzle to me / And you always will be". Auch ein Indie-Rocker kann nachdenklich sein, selbst wenn er nebenbei schreiend den Putz von den Wänden haut.

Natürlich können Maximo Park aber auch anders, und die poppige Note, die einige Hörer an "Quicken the heart" bemängelt haben, kommt Songs wie "The undercurrents" samt seinem mehrstimmigen Refrain oder auch dem pianolastigen "This is what becomes of the broken hearted" nur zugute. Wie ein Dynamo angetrieben wird das Album dann wieder durch das hektische "Until the Earth would open", das mit "I've been saving myself for you / 'Cause there's nothing else I could do" eines der schönsten und reduziertesten Liebesgeständnisse überhaupt bereithält. Jetzt schon einer der Lieblingssongs auf dem nächsten Konzert ist "Take me home", das so überzeugend wirkt, dass es verwundert, warum man noch auf der Tanzfläche steht und nicht längst auf dem Weg nach Hause ist. Nach einem Ausflug in ruhige Gewässer mit "Unfamiliar places" setzen Maximo Park ihre Hörer mit Druck und "Waves of fear" schließlich vor die Tür. Draußen, in der Kälte der Nacht, wird schließlich deutlich, dass die Erinnerungen von damals nie in die Gegenwart befördert werden können - aber neue Erinnerungen mit "The national health" nichts anderes als gut werden können.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The national health
  • Hips and lips
  • Reluctant love
  • Until the Earth would open
  • Take me home

Tracklist

  1. When I was wild
  2. The national health
  3. Hips and lips
  4. The undercurrents
  5. Write this down
  6. Reluctant love
  7. Until the Earth would open
  8. Banlieue
  9. This is what becomes of the broken hearted
  10. Wolf among men
  11. Take me home
  12. Unfamiliar places
  13. Waves of fear

Gesamtspielzeit: 40:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
randalph
2012-11-02 14:32:32 Uhr
"Lässt die Dringlichkeit von A certain trigger vermissen"
"Sind die Zeiten vorbei?"

Richtig, ein Debütalbum kann man nur ein mal machen. Ich seh das aber nicht so negativ. Maximo Park haben uns mit ACT und OEP doch 2 überragende Alben geschenkt. Das verbuche ich ihnen erstmal auf der Plus-seite anstatt "neue" alben zu fordern die selbige kopieren. Manche Leute tun so, als seinen MP es uns schuldig auf diesem Niveau weiterzumachen. Genau wie die deutsche Nationalmannschaft uns einen großen Titel schuldig ist (sorry für den Vergleich).
Klar, sie versuchen es und mit TNH ist ihnen das auch meiner Meinung nach gut gelungen.

Was die Peppers angeht: die wurden mit dem Abgang von Frusciante endgültig begraben. Schade, vllt hätten sie noch ein neues Californication gemacht ;).
Öh
2012-06-28 22:26:17 Uhr
Hey Junge, hör mal auf mit diesem öden Fußball-Vergleich. Interessiert mich nicht die Bohne.Ich bin mit dir d'accord, wenn es um die Wertschätzung dieses Albums geht. Ganz klar unter ihren Top3. Sind wirklich eine dieser Bands, bei denen man sich noch auf die Qualität verlassen kann...
Bernhard Reiet
2012-06-28 22:22:22 Uhr
Ganz groß!!!Erwartungen voll erfüllt. Im Gegensatz zu Schweinsteiger, Lahm und Khedira.
Hoffe dass Bloc Partys & Franz Ferdinands
neue Albemauch in dieser Liga spielen, so wie damals als England "brannte"!!!
Hank
2012-06-26 13:47:08 Uhr
Neben den offensichtlicheren Hits erwische ich mich doch auch immer öfter beim Vor-mich-her-Summen von "...Broken Hearted", "Wolf Among Men", "Unfamiliar Places" oder "Waves Of Fear" - an Ohrwürmer fehlt es der Platte jedenfalls für meinen Geschmack nicht. ;-)
eric
2012-06-26 10:14:36 Uhr
Die Songs 3 bis 8 am Stück sind mit das Stärkste, was sie nach dem Debut aufgenommen haben. Auch "Wolf among men" und "Waves of fear" sind sehr gut. Tendiere mittlerweile eher zur 8/10 als zur 7/10.
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