Infadels - The future of the gravity boy

Infadels- The future of the gravity boy

No More Clones / Indigo
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Planetentests.de

Verkehrte Welt: Die Finanzkrise hatte gerade begonnen, da hielten es Infadels anlässlich der Single "Free things for poor people" für eine gute Idee, zu Promozwecken mehrere tausend Pfund buchstäblich zum Fenster hinauszuwerfen - bis die Polizei dem ruinösen Treiben ein Ende bereitete. Ein vorläufiges Ende bereiteten die fünf Londoner daraufhin ihrer Karriere, zumal sie die mit "Universe in reverse" angepeilten Stadionrockdimensionen zuletzt merklich verfehlt hatten. Doch wenn Infadels die Welt schon nicht umarmen können, dann wollen sie sie wenigstens retten - in Gestalt des "gravity boy", der ihrem dritten Album den Namen gibt.

Und das nicht etwa vor skrupellosen Börsenhaien oder bösen außerirdischen Umbah-Wumbahs, sondern vor der Herrschaft der Maschinen. Mit ihrer - aufgepasst - bisher elektronischsten Platte. Nicht der einzige Widerspruch auf "The future of the gravity boy". Obwohl das mit den Außerirdischen durchaus ein Thema werden könnte angesichts der Astronauten auf dem Cover und Songs wie "Mercury rising" oder "Jupiter 5", die womöglich schon einmal andere Gestirne auf ihre Bewohnbarkeit hin abklopfen, falls der guten alten Erde nicht mehr zu helfen sein sollte. Fürs Erste stehen Infadels jedoch noch mit beiden Beinen auf dem Tanzboden.

Dafür sorgt Produzent Alex Metric, der sonst viel als DJ und Remixer unterwegs ist und dem Quartett einen stromlinienförmigen Indie-Electro-Wumms aus Beats mit Photonenantrieb, dicken Synthie-Bässen und keck hervorlugenden Gitarren zusammenschraubt. Das scheint zunächst prächtig zu funktionieren: Der Opener "From out of the black sky" setzt einer "world of tribulation" sirrendes Riffing mit Glam-Faktor entgegen, und das Titelstück hetzt frech sprotzende Sequenzen mit Affenzahn über den Planeten Pop und droht jeden Moment abzuheben. Doch so rasant produziert und dynamisch verdichtet das Ganze auch ist - recht schnell vermisst man dahinter stichhaltige Ideen und wirklich gute Songs.

Und so laufen halbfertige Stücke wie "Ghosts" oder das recht stumpf gegen eine unter Hochspannung gesetzte Wand rennende "Violent oblivion" ziemlich schnell ins Leere. Das aber immerhin mit einer hochtechnischen Konsequenz, die einen bis zum Ende bei der Stange hält - denn grundsätzlich sind Infadels nach wie vor in der Lage, ein zusätzliches Triebwerk wie den fidel kickenden Stampfer "Encounters of the first kind" zu zünden. Oft hat man jedoch den Eindruck, als würde die Band keine Banknoten, sondern Pakete mit zwar proteinreicher, aber geschmacksneutraler Weltraumkost aus dem Fenster werfen. Andererseits: Wer weiß, wozu man so etwas noch brauchen kann.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • From out of the black sky
  • Encounters of the first kind

Tracklist

  1. From out of the black sky
  2. The future of the gravity boy
  3. Ghosts
  4. We get along
  5. Violent oblivion
  6. Encounters of the first kind
  7. Mercury rising
  8. Jupiter 5
  9. Explain nothing
  10. 5:03

Gesamtspielzeit: 41:34 min.

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