Cold Specks - I predict a graceful expulsion

Cold Specks- I predict a graceful expulsion

Mute / GoodToGo
VÖ: 18.05.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aufs Größte reduziert

Die Hochgestochenen und Alt-Lateiner sagen "In vino veritas", im Wein liegt die Wahrheit. Man könnte es aber auch pragmatischer in die Neuzeit transferieren: Nicht alles, was man im Suff ins Internet setzt, muss einem am folgenden Tag peinlich sein. Al Spx, die Sängerin und Songwriterin hinter der Band Cold Specks, kategorisierte ihren Sound auf Facebook nach einigen alkoholischen Getränken kurzerhand als Doom-Soul. Der Begriff wurde weltweit von der Presse aufgenommen. So sehr er auch als Scherz gemeint war, so sehr kristallisierte sich zunehmend heraus: Ganz falsch ist das nicht.

Es geht um die Beschreibung eines erdigen Sounds, düster gezeichneter Texte und einer rauen Stimme, die tief verwurzelt ist in Soul, Blues und Gospel. Die rein musikalische Betrachtung von "I predict a graceful expulsion" fällt quantitativ spärlich aus. Gitarre, überwiegend akustisch, Klavier, für Kurzeinsätze gebuchte Rhythmussektionen- und variationen von Robert Ellis (PJ Harvey) sowie auf Abstand gehaltene Blechbläser. Dazu spielt Tom Havelock Cello, und Backgroundstimmen singen, einzeln auftretend in "The mark" oder wie in "Send your youth" im Chor. Für die Qualität des Albums hingegen ist diese Form der Reduktion die beste Entscheidung. Produzent Jim Anderson stellt das folkige Dark-Soul-Gerüst in einer Independent-Landschaft auf, um den durchdringenden Worten Spxs ihren notwendigen Raum zu geben.

Al Spx ist ein ersponnenes Synonym und die Geschichte dahinter etwas traurig. Sie stammt aus einer liebenden, aber stark gläubigen Familie. Uni, anständiger Beruf, das war vorgesehen, das Künstlerdasein nicht. Um die Familie zu schützen und die Berührungspunkte in der Öffentlichkeit gering zu halten, nannte sie sich Al Spx. Es ist hilfreich, sich das vor Augen zu führen, weil der emotionale Schlusstrack "Lay me down" dann noch weiter ins Mark schießt. Die direkte Ansprache an Vater, Mutter und Bruder und der Wille, irgendwann auch in diesem nicht unwesentlichen Punkt des Lebens familieninternen Frieden zu schließen. "All I ask of you is to lay me down / With the last breath my soul will slip / The ground is what this blood knows / We simply agreed it and rest."

Hörte Spxs Familie doch genauer hin, würde sie erkennen, wie stringent "I predict a graceful expulsion" Aspekte der Religiösität aufgreift. Spx spricht von der Endzeitlichkeit, dem Leben als einer Sammlung von Erinnerungen, von Ängsten und sie malt Feuer-Bilder, spricht von verbrannter Erde und wendet sich direkt an den "Lord" oder "God". Der pastorale Anstrich einer gefühlten Südstaaten-Gospelsängerin gipfelt in "Blank maps": "I'm a God damn believer." Man muss aber kein Messdiener sein, um Tracks wie das fabulöse "Holland" zu mögen. Der Song erfährt eine monumentale Pause durch das angebundene Spotlight-Drumming, während Spx als entrückter Lo-Fi-Geist erscheint und doch nur losgelöste Beobachterin ist. Um es den Sängerin gleichzutun, entschloss sich die alkoholisierte Redaktion von Plattentests.de, dieses Debüt zu attributisieren: Earl-Grey-Elegien. Spread the word.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Winter solstice
  • Holland
  • Blank maps
  • Lay me down

Tracklist

  1. The mark
  2. Heavy hands
  3. Winter solstice
  4. When the city lights dim
  5. Hector
  6. Holland
  7. Elephant head
  8. Send your youth
  9. Blank maps
  10. Steady
  11. Lay me down

Gesamtspielzeit: 37:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
@Armin
2012-12-30 12:01:05 Uhr
Nee sicherlich nicht!
Armin
2012-12-30 00:06:24 Uhr
Fest vorgemerkt: das Konzert in München. Noch jemand da?
frolick
2012-12-18 16:44:00 Uhr
gerade gelesen, dass sie für ein paar termine nach deutschland kommt. das album ist soooo gut. werde ganz sicher hingehen.
Armin
2012-10-29 23:43:02 Uhr
Vielleicht doch "Album des Jahres"?
adrian
2012-09-10 20:55:23 Uhr
die frau wird gehyped? krieg davon nichts mit
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