Ladyhawke - Anxiety

Ladyhawke- Anxiety

Modular / Universal
VÖ: 25.05.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Auf Glas

Therapiestunde bei Philipa Brown alias Ladyhawke. Ihr hing wohl ein solider Watzmann im Nacken, nachdem sie im Anschluss an eine ausgiebige Tour zu ihrem Debütalbum den hochgesteckten Erwartungen gerecht werden und direkt mit dem Nachfolger loslegen wollte. Als sie bei den Aufnahmesessions einnickte, war klar, dass das so schnell nicht gehen würde. Es folgte eine Pause, Nichtstun, Familie treffen, Freunde sehen und dann doch wieder der Weg ins Studio. "Die Arbeit an dem Album war ziemlich stressig", sagt Brown und verteilte jene Tätigkeiten kurzerhand auf anderthalb Jahre. "I've always been so cautious / I'm sick of feeling nauseous / It's not that I'm losing this war of my own choosing", singt Brown im Titeltrack. Die Mattheit ist herauszuhören, die wiedererstarkte Rekonvaleszentin leider nicht. Zumindest textlich und stimmlich.

Musikalisch hat sich bei der Neuseeländerin doch einiges getan. "Anxiety" faucht aus allen Winkeln. Das liegt in erster Linie an bratzig giftenden Gitarren, die nach einer Fahrt durch den Schlund des Reißwolfs wieder mit Effektestickern zusammengeklebt wurden, das gleiche Ticket noch einmal lösen und dann mit verzerrtem Blick im Synthie-Mischwald auf Pirsch gehen. Beim überfliegenden Hören erweckt das den Eindruck, Ladyhawke habe für ihren glammigen Electro-Garagen-Poprock mit 60s-Frisur einen Song gleich mehrfach aufgenommen. "Vaccine" oder "Vanity" schwimmen dann auch maximal nur mit, alle anderen schaffen es aber immer noch lässig, den Ting Tings den Mittelfinger rauszustrecken.

Der glitzernde und gepunktete 80er-Jahre Elektro-Pop ihres Debütalbums ist also deutlich auf dem Rückzug. Vermutlich wird das in Deutschland eh kaum jemand bemerken, weil schon ihre erste Platte unverständlicherweise zu wenig Beachtung erhielt. Schade und ärgerlich angesichts solcher Hits wie "Magic", "Paris is burning" oder "My delirium". Auf "Anxiety" fliegen dem Hörer solche Höhepunkte nicht unmittelbar gegen die Windschutzscheibe, es dauert ein wenig. "Sunday drive" schaukelt mit einem Saloon-Piano der Niedergeschlagenheit entgegen, "The quick & the dead" beatmet den trocken geschlagenen Beat und das leicht alarmierende Riff, und durch die zugedröhnten Poren von "Gone gone gone" kämpft ein tapferer Bass. Aus allen Songs aber ragt "Cellophane" empor, dessen balladeskes Porzellan von Browns weicher Stimme balanciert und von brünftig blechernen Drums und verwaschenen Riffs zumindest mal lautstark zum Wanken gebracht wird. Fehlt nur noch ein gepflegter Kung-Fu-Tritt, und das Ding liegt zersplittert am Boden. Brown ist zwar noch nicht so weit, schon wieder barfuß über Glas laufen zu können, aber für irgendwas müssen Socken ja gut sein.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Sunday drive
  • The quick & the dead
  • Cellophane

Tracklist

  1. Girl like me
  2. Sunday drive
  3. Black white & blue
  4. Vaccine
  5. Blue eyes
  6. Vanity
  7. The quick & the dead
  8. Anxiety
  9. Cellophane
  10. Gone gone gone

Gesamtspielzeit: 40:25 min.

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