Peter Heppner - My heart of stone

Peter Heppner- My heart of stone

pH-Werk / Polydor / Universal
VÖ: 18.05.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Aus der Wolf

Erinnert sich noch jemand an den Knatsch zu Peter Heppners Solodebüt? Markus Reinhardt, sein Partner bei Wolfsheim, hatte Heppner deswegen aus der Band klagen wollen. Auch wenn er damit scheiterte, zeigte sich mal wieder, dass der Umweg übers Gericht noch nie jemals allzu positiven Einfluss auf künstlerisches Schaffen hatte. Oder hat jemand mitbekommen, dass Reinhardt 2010 auf den großartig sinnfreien Projektnamen Comfortable Cave Goodbye gekommen ist? Heppner kümmerte das derweil wenig, weil er schon genug damit zu tun hatte, auf "Solo" möglichst bekümmert vom "Alleinesein" zu singen. Das kann er, das hat er gelernt. Und das Publikum kauft die Sachen mit seiner besorgten Stimme sowieso.

Weil er zwar vor Gericht feststellen ließ, frühestens 2010 wieder Zeit für Wolfsheim zu haben, aber Wolfsheim keine Zeit hatten, wieder zu Wolfsheim zu werden, raffte sich der ökonomische Songwriter dann eben wieder zu einer Soloplatte auf. "Gemeinsam" verbot sich wohl aus bekanntem Grund als Titel. Stattdessen suchte sich Heppner Inspiration beim Märchen "Das kalte Herz". Dort bekommt ein gewisser Peter einen Stein in die Brust gedrückt und wird dadurch, haha, steinreich. Das wird sich doch mit der Realität vereinbaren lassen. Mit melancholischem Elektro-Pop lässt sich auch in Zeiten der Urheberrechtskriege noch einiges an Geld verdienen.

"My heart of stone" ist natürlich genausowenig ein künstlerischer Befreiungsschlag, wie es "Solo" war. Dass Produzent Thommy Hein auch schon Bushido, Kool Savas und Corvus Corax und vor den Reglern hatte, ist die erwartbar zu vernachlässigende Fußnote. Von Dave Gahan erwartet ja auch niemand, der bei Sinnen wäre, sich von Depeche Mode zu lösen. Also trifft Heppners warmer, aber bisweilen resignierter Gesang auf gewohnt unterkühlte Elektronik. Und das funktioniert bei Songs wie "Give us what we need (Truth is not the key)" oder dem auf Vintage-"Violator"-Sounds ruhenden "God smoked" gewohnt prächtig.

Zwischen flackernden Balladen wie "Deserve to be alone", das er mit seiner jüngst bei "The Voice Of Germany" vom Publikum wiederentdeckten Freundin Kim Sanders schmachtet, oder dem niedergeschlagenen "Noch nicht soweit" baut Heppner kunsthandwerkliche Instrumentalstückchen ein. Die sind meist hübsch, was vor allem daran liegt, dass sie vorbei sind, bevor sie nerven könnten. Es ist eben doch Heppners nasaler Bariton, der die notwendige Schöpfungshöhe selbst dann mitlieferte, wenn er das Hamburger Telefonbuch vorläse. So wird aus dem vergnüglich prickelnden "Whenever I miss you" nachdrücklicher Pop, "Letters from Africa" blinkt verspielt ins Moll und mopst genau jenen Gitarrensound, mit dem Coldplay damals für "Talk" bei Kraftwerk klauten. Das treibende "I won't give up" sogar dann rockt das Haus. Für einen bestimmten Wert von Rock, in dem nicht allzu viele Gitarren vorkommen.

Natürlich ist Heppner angreifbar. Wenn er zum Beispiel in der Single "Mein Herz" naive Bilder malt und von einer Welt aus Kinderaugen erzählt: "Ich mal ein Auto, das nicht stinkt / Und keinen überfährt / Einen Herrscher, der mal nicht / Durch die Macht verdirbt." Doch bevor der Spott gehässig werden kann, setzt er ein trotziges "Und träumen darf ich ja wohl noch!" entgegen. Und garniert die treffliche Synthetik mit jeder Menge Dadadamms. Das sitzt, weil Pop eben übers Ohr und nicht übers Hirn funktioniert. Verglichen mit seinem Vorgänger geriet "My heart of stone" denn auch zugänglicher, weil Heppner auf die ganz großen Gesten und das noch größere Pathos eher verzichtet. Der Anteil von schwarzem Kajal und engen Lederkorsagen wird auf Heppners Konzerten weiter zurückgehen. Die Herrschaften können dann bitte bei Unheilig mit dem Schicksal hadern.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Give us what we need (Truth is not the key)
  • Meine Welt
  • God smoked
  • I won't give up

Tracklist

  1. Prologue
  2. Give us what we need (Truth is not the key)
  3. Meine Welt
  4. Deserve to be alone (Peter Heppner & Kim Sanders)
  5. Pénombre islandaise (Instrumental)
  6. God smoked
  7. Whenever I miss you
  8. D'antan (Instrumental)
  9. I won't give up
  10. A love divine
  11. Letter from Africa
  12. Au large (Instrumental)
  13. Noch nicht soweit
  14. Cry tonight
  15. Épilogue (Instrumental)
  16. Alles klar! - Lied für Wettkämpfe
  17. Meine Welt (Kids-Edit)

Gesamtspielzeit: 55:11 min.

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