The Cult - Choice of weapon

The Cult- Choice of weapon

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 18.05.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bis auf die Zähne

Billy Duffys Finger, Ian Astburys Stimmbänder: Es sollte klar sein, welche Waffen gemeint sind, wenn The Cult auf ihrem neunten Album "Choice of weapon" die Flinte immer noch nicht ins Korn werfen. Denn an Selbstbewusstsein mangelte es ihnen noch nie. Und an schlagkräftigen Argumenten ebensowenig. All das, was bei The Cult seit den 1980ern immer schon krachte und die Fäuste ballte, ist auf "Choice of weapon" entsprechend immer noch zugegen. Vor allem aber eben: Billy Duffys Finger, Ian Astburys Stimmbänder. Oder eben auch: Immer schon immer noch. Tja, tja.

Gleich "Honey from a knife" ist Fettrock mit Wummsfaktor 10, jedoch ebenso fern von Hair Metal wie von brummendem Stoner oder gar Grunge. Da sich The Cult das allerdings höchstens einmal sagen lassen, stürzt sich "Elemental light" gleich darauf in elegisches Soundgarden-Riffing mit Afghan-Whigs-Refrain. "The wolf" zieht darauf mit feiner Power-Pop-Melodie wieder ins obere Midtempo, stampft aber dennoch unversöhnlich durch die Strophen. So könnte das gerne weiter gehen. Die Co-Produktion von Chris Goss und Bob Rock klingt zwar ein wenig zu aufgeräumt und schiebt Astburys Stimme dreist in den Vordergrund - doch wo dieses Organ sonst überhaupt Platz finden sollte, bleibt ja ohnehin ein kleines Rätsel der Musikgeschichte. Und Duffy hat nach wie vor einen Heidenspaß an alten Tricks und seiner energetischen Spielweise. Bis hierhin, wie gesagt.

Denn mit zunehmender Dauer baut "Choice of weapon" durchaus ab. Das beginnt gleich bei "Life > death", das seine Licks etwas lustlos beim Blues-Rock-Antiquar abholt und sich mit Streichern und Klavier zu einem Refrain aufschwingt, zu dem man auch bei Tenacious D nie weiß, ob sie jetzt Deep Purple huldigen oder Meat Loaf durch den Kakao ziehen wollen. Uptempo und Einfinger-Piano von "For the animals" ergeben ebenfalls einen Standard-Blues mit Keulenschwinger-Testosteron und durch die Boxen flimmernden Gitarrenwänden als Trademarks, ebenso "Amnesia" und "Lucifer". Das abschließende "This night in the city forever" macht hingegen noch einmal Stimmung, weiß dabei aber auch nur sich selbst, nicht jedoch der Platte noch wirklich zu helfen.

Nun waren eben Songs, die ausschließlich als Sieges-Parade für Duffys Finger und Astburys Stimmbänder dienen, immer schon die Stärke von The Cult. Auf "Choice of weapon" sind sie das entsprechend immer noch. Und doch sind das heuer auch ein paar Portionen Selbstbewusstsein zu viel. Beziehungsweise trotz Metal-Ikone John Tempesta am Schlagzeug und Owls' Chris Wyse am Bass ein bis zwei Argumente zu wenig. Der Zahn der Zeit: Immer das alte Lied.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Elemental light
  • The wolf
  • This night in the city forever

Tracklist

  1. Honey from a knife
  2. Elemental light
  3. The wolf
  4. Life > death
  5. For the animals
  6. Amnesia
  7. Wilderness now
  8. Lucifer
  9. A pale horse
  10. This night in the city forever

Gesamtspielzeit: 41:38 min.

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