The Walkmen - Heaven

The Walkmen- Heaven

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 01.06.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schwarzweißmalerei

Eine Band wie The Walkmen sollte eigentlich nur auf Hochzeiten oder Beerdigungen spielen. Ihre Musik vertont nämlich niemals nur alltägliche Betrachtungen, der Fokus liegt ganz klar auf den großen Gefühlen. Das Mittelmaß zwischen Hochgefühl und Todestrauer ist ihre Sache nicht. Selbst in den kleinsten Details, etwa im leisesten Kratzen in der Stimme Hamilton Leithausers, manifestieren sich Wohl und Wehe des menschlichen Daseins. Auch "Heaven", das nunmehr sechste Album der Band aus New York City, bewegt sich lediglich an den Polkappen der Emotionalität. Der Himmel ist dafür natürlich eine hervorragende Metapher. Schließlich schwebt man bei großer Freude im siebten Himmel, landet ebendort aber auch, wenn man mit allem Irdischen seinen Frieden gemacht hat. Und die Übriggebliebenen trösten sich in den dunkelsten Stunden mit dem Gedanken an das Wolkenreich.

Mit ihrem Sound, den man wahlweise als spröde oder charakterstark bezeichnen kann, spaltet das Quintett die Hörerschar. The Walkmen sind sicherlich keine Band, auf die sich alle einigen können, dafür klingen ihre Melodien zu krumm und ihre Stücke zu dickköpfig. Doch wenn die Band mal die Fenster aufreißt, Sonnenstrahlen in das dunkel möblierte Zimmer purzeln und sich das Licht im Scherbenmeer bricht, dann kommen dabei durch und durch große Songs heraus. So beginnt auch "Heaven" mit dem überlebensgroßen Mutmacher "We can't be beat", eine der bis dato besten Kompositionen der amerikanischen Indierock-Band. Zunächst wird der Hörer von einer sachten akustischen Gitarre begrüßt, bevor Leithauser seine Zeilen darüber legt und dabei ganz nah an den Hörer herantritt. Völlig unaufgeregt, absolut in sich selbst ruhend. Niemand kann sie schlagen, da sind sie sich ganz sicher. Den Hörer haben sie zu diesem frühen Zeitpunkt schon längst in der Tasche.

Der wird dann auch wie von Geisterhand hineingezogen in den Mahlstrom der Unbeugsamkeit, wenn The Walkmen sich mit dem zackigen "The witch" selbst schwindelig spielen. Die Melodie klingt wie flüchtig aus der Luft gegriffen, die einzelnen Instrumente drängeln und schubsen sich, fallen übereinander her. Ein kruder, schlauer Kampf um Signifikanz. Dennoch klingen The Walkmen konzentriert und fokussiert. Wenn im hoppelnden "The love you love" mit kantigen Gitarren und genuschelten Strophen über Liebe referiert wird, dann festigt sich der Eindruck von einer Band, die sich ihrer Sache immer sicherer wird. Mit ihren sehnigen Liedern versuchen sie begreifbar zu machen, wie eng Freud und Leid beieinander liegen und wie stark die Zusammenhänge sind. Aus diesem Grund sind Walkmen-Alben immer auch ein Balanceakt. Zwischen Zerknirschtheit und Euphorie passt immer noch ein Song dieser Band. Und dann ist es auch mal für einen kurzen Moment egal, ob man nun Weiß oder Schwarz trägt.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • We can't be beat
  • Southern heart
  • The love you love

Tracklist

  1. We can't be beat
  2. Love is luck
  3. Heartbreaker
  4. The witch
  5. Southern heart
  6. Line by line
  7. Song for Leigh
  8. Nightingales
  9. Jerry Jr.'s tune
  10. The love you love
  11. Heaven
  12. No one ever sleeps
  13. Dreamboat

Gesamtspielzeit: 47:12 min.

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User Beitrag

captain kidd

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Registriert seit 13.06.2013

2014-05-07 23:51:40 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=-Sf4CfsdCYc

captain kidd

Postings: 1639

Registriert seit 13.06.2013

2014-05-07 23:32:21 Uhr
die solosache von Walter Martin kann derzeit bei pitchfork hören. schöner herman-dune-kram. irgendwie geil.

saihttam

Postings: 1190

Registriert seit 15.06.2013

2013-12-05 22:30:26 Uhr
Bin mal gespannt, wie das dann kommt. Irgendwo braucht man dann ja seine Walkmen-Ersatzdroge. Außerdem sind Walter Martin und Peter Bauer ja wohl auch noch an Solosachen dran.

sugar ray robinson

Postings: 85

Registriert seit 14.06.2013

2013-12-05 22:02:25 Uhr
Ja, schade das. Dafür kommt im Frühjahr die erste Soloplatte vom Sänger.

saihttam

Postings: 1190

Registriert seit 15.06.2013

2013-12-05 21:46:29 Uhr
Nehmen eine lange Auszeit. Wird also wohl nichts mehr mal eines ihrer Konzerte live zu erleben. Schade! Aber war ja schon fast abzusehen nach den Interviews zum letzten Album.
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