Marina & The Diamonds - Electra heart

Marina & The Diamonds- Electra heart

Warner
VÖ: 25.05.2012

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Eine wie sie

Uff. Marina Lambrini Diamandis alias Marina & The Diamonds knallt uns ein Konzept vor den Latz. Es geht um das unverblümt analysierte Liebesleben der künstlichen Figur "Electra heart" - das so kreiert gar nicht ist. Denn Diamandis erklärt zweifelsfrei die Liebesleiden als die ihrigen und dargebotene Charaktere als ihre Anti-Bilder. "Soda-Pop, soda-pop, baby, here I come / Straight to number 1 / [...] / I'm miss sugar pink liquor, liquor lips / I'm gonna be your bubblegum bitch", lässt die Instruktion im new-wavigen "Bubblegum bitch" verlauten. Im Kern liegt der Fake-Faktor der Liebe auf dem Seziertisch ihres zweiten Albums, Idealisierung trifft auf bittere Realität, Giftpfeile werden abgefeuert und Risse aufgetan, wo die glamouröse Hülle keine zulassen will und darf.

Die walisisch-griechische Sängerin ist für "Electra heart" einen Weg gegangen, den sie als ungewöhnlich hervorhebt. Neben der äußerlichen Transformation zu einer blondierten Melange aus Marilyn Monroe, Nancy Sinatra und Madonna, ist sie als vermeintliches Indie-Girl ganz bewusst in die Untiefen der Popwelt hinabgestiegen. In das Land, wo Tonspuren mit zuckersüßem Honig beklebt werden. Und hatte dabei auch Spaß. Klingt nach einer Chance, die Branche zu skizzieren oder mit einem Selbstversuch Vorreiterin beim Walraff-Pop zu werden. Auch wenn das vielleicht zu viel herumgesponnen ist, ist die Distanz nicht immer klar, denn "Electra heart" schmeißt sich selbst Knüppel in den Weg und muss dagegen ankämpfen, ausschließlich als Bubblegum-Pop wahrgenommen zu werden.

Im schwachen und mit Glockengebimmel übersäten "The state of dreaming" verschwindet Diamandis' Figur hinter Plattitüden: "All I really want is to be beautiful / People in this town they can be so cruel." Kunden, die Katy Perry gekauft haben, mögen halt auch einen Großteil von "Electra heart". Nicht nur weil beide Damen gemeinsam auf Tour waren, sondern auch aufgrund der variabel zuschiebbaren Single "Primadonna". Diamandis hat für ihr zweites Album gerne und bewusst die erste Liga amerikanischer Songschreiber und Produzenten aufgesucht. Der Draht von Lukasz Gottwald alias Dr. Luke (Katy Perry, Taio Cruz), Rick Nowels (Lykke Li, Madonna) und Greg Kurstin (Lily Allen, P!nk, Sophie Ellis-Bextor) zu Chart-Hits ist relativ kurz, und Diamandis greift zu. Das mündet dann halt mitunter in Verlegenheits-Midtempo-Nummern wie "Hypocrates" oder der mittelprächtigen Pet-Shop-Boys-artigen Nummer "Homewrecker" und selten in einer gelungenen Mischung aus 80er-Synthpop und Lady Gaga wie in "Living dead".

Diamandis kann ja durchaus mehr bieten, wie das im Nachhinein von diesem Rezensenten etwas unterschätzte "The family jewels" bereits bewiesen hat. Auch auf "Electra heart" ist immer noch ihre theatralische Stimme, ihr sturköpfiges Selbstbewusstsein, ihr Humor gegenwärtig und die Möglichkeit, all das in verletzlichen Momenten auszublenden. "Lies" ist so ein sensibler Ohrwurm, an dem auch Diplo mitgeschraubt hat. So ist es auch im gänzlich allein komponierten "Fear and loathing", das sich in synthetischen Flächen wiegt, oder im Text von "Starring role": "The only time you open up / Is when you get undressed". Dennoch ist diese "Electra heart" zu wenig für ein Alter Ego und sitzt häufig unausgegoren auf der Schwelle von Pseudonym zu ausstaffiertem lyrischem Ich in einem Raum aus zu viel Plastik. Bei aller Ironie und vorgegaukelter Distanz, ist das beste Konzept, künftig auf eines zu verzichten.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Lies
  • Starring role
  • Fear and loathing

Tracklist

  1. Bubblegum bitch
  2. Primadonna
  3. Lies
  4. Homewrecker
  5. Starring role
  6. The state of dreaming
  7. Power & control
  8. Living dead
  9. Teen idle
  10. Valley of the dolls
  11. Hypocrates
  12. Fear and loathing

Gesamtspielzeit: 47:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Primar
2012-07-25 23:48:58 Uhr
Primadonna war schon auf Platz 3 der österreichischen Charts!!!11elf
http://www.austriancharts.at/showitem.asp?interpret=Marina+And+The+Diamonds&titel=Primadonna&cat=s

Und ALLES schreibt sie nicht selbst, da ist sich auch Wikipedia einig:

Musik/Text: Lukasz Gottwald
Henry Walter
Julie Frost
Marina Diamandis


Also wenn eine mittelmäßige Künstlerin schon 4 Autoren für einen unterdurchschnittlichen Song braucht...

Die acoustic-Version ist jedenfalls besser...
http://www.youtube.com/watch?v=S8httDjxJqI
Harlekin
2012-07-25 21:58:02 Uhr
Mann, der Primadonna Song will mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Gute Nummer das!
Knülle
2012-06-13 12:13:30 Uhr
Har!
Ich find die Platte auch nicht übel. Man gewöhnt sich eben an alles, nicht wahr, Malte? ;)

Finde vor allem gut, dass die offensichtlich alles selbst schreibt. Zumindest sagt die das in diesem echt coolen Interview: http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/marina-and-the-diamonds-interview.html
Malte
2012-06-01 11:27:33 Uhr
Kein Single und unter 40. Komisch.
Malte
2012-06-01 09:30:51 Uhr
Nach den ersten drei Durchläufen war ich auch mehr oder weniger enttäuscht. Mittlerweile habe ich mich aber tatsächlich reingehört und finde die Scheibe gut bis sehr gut. Klar, sehr kommerziell und charttauglich, aber das muss ja nicht unbedingt immer auch gleich schlecht sein. Nicht so aussergewöhnlich wie The Family Jewels, aber ein rundum gelungenes Pop-Album. Von mir gibt es eine 7/10. Jetzt warte ich nur noch auf die Vinyl-Version.
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