Hot Water Music - Exister

Hot Water Music- Exister

Rykodisc / Warner
VÖ: 18.05.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mr. Brightside

Chuck Ragan ist vom Glück geküsst. Er ist Vollblutmusiker aus Überzeugung, Familienvater mit überlebensgroßer Stimme und seit 2008 auch wieder viel mit seiner wiedervereinigten Band Hot Water Music unterwegs. Wer Ragan sucht, hat es bei YouTube nicht sehr weit. Es gibt dort einen Clip, der im Herbst 2011 gedreht wurde. Kurz vor Chuck Ragans Auftritt in der Kölner Live Music Hall hatten Musikbegeisterte ihre Kameras aufgebaut, Ragan und seine bärtigen Tourmusiker nach draußen gezerrt und sprichwörtlich im Kölsche Nieselregen stehen lassen. Ein Glücksfall: Wie beim allerersten Mal greift Ragan zur Gitarre, schnappt spätestens zur zweiten Strophe zwischen jeder Zeile aufs Neue Luft. Weil er sie holen muss. Weil er mit so viel Einsatz seinen Song "Nothing left to prove" anstimmt, dass seine Halsschlagader auf den Durchmesser eines Gartenschlauchs anschwillt. Die neue Hot-Water-Music-Platte "Exister" im Anschluss an diesen Clip zu hören, ist so, als ob man als Absacker nach einer Sonnendusche bei 30 Grad im Schatten ein Glas Wasser nachkippt - brühwarm, Format: "Stille Quelle".

Nicht bloß Fans würden das Comeback "Exister" nach zwei Takten im Tiefschlaf der richtigen Band zuordnen: Noch immer hüpft Jason Blacks Bassgitarre auf uns ab wie um Viertel nach Sperrstunde in einem Jazzkeller gezockte Improvisations-Sessions. Zumindest in den verqualmtesten Ecken dieser erdigen Rockplatte klingt Chuck Ragan noch immer wie jemand, dem man einen Löffel Hustensaft verabreichen und wieder nach Hause schicken wollte, statt ihm eine Karriere im Musikgeschäft zu empfehlen. Den Song "Drown in it" stört ein Schlagzeug, das mit vier Armen vermöbelt worden sein muss. Keine Frage: "Exister" ist ein Album, das man selbst dann unfallfrei an die richtige Stelle des Plattenregals lotsen würde, wenn sich Hot Water Music verstellen würden. Verstellen ist das Letzte, was "Exister" in den Sinn kommt.

Dabei hat "Exister" keine Chance. Nach spätestens fünf Songs haben sich Hot Water Music als die Elder Statesmen des Punkrock mit Emoeinschlag geoutet, als graue Eminenz, als Routiniers, die noch mal auf der Mattscheibe erscheinen wollen. Ein halbes Dutzend ausgehfein gebürstete Bratzgitarren-Songs haben Hot Water Music bis dahin bereits runtergezählt. Songs, die manchmal so eingängig wie Werbejingles sind. Songs, die aber manchmal so stromlinienförmig und gleichgeschaltet sind, dass sie selbst auf "The new what next" verhaltensauffällig geworden wären - und die es auf "In a million pieces" von The Draft kaum gepackt hätten. Viel anders wird "Exister" danach nicht werden.

Bis zu viermal pro Song suhlen sich Hot Water Music gefällig in Refrain-Endlosschleifen, die sie mit mehrstimmigen Backgroundchören aufpimpen wie Damen aus der Autowerbung ihre Busen mit Pushup-BHs. Trotzdem hat "Exister" neben Gefälligkeiten für Nostalgiker grandiose Momente fürs Hier und Jetzt: Der Titelsong zitiert die besten Elemente aus mehr als 15 Jahren Bandgeschichte. Und hintenrum, mit "The trap" und "Paid in full", klatschen Hot Water Music all die Hupfdohlen in Strähnchen und Kajalstift an die Wand, die über die Jahre Emorock einen Ruf wie Kiremestechno verpasst haben. Trotzdem schade, dass Ragan zuletzt mehr in Clips von seiner Schokoladenseite preisgegeben hat als auf Platte.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Drag my body
  • Exister

Tracklist

  1. Mainline
  2. Boy, you're gonna hurt someone
  3. State of grace
  4. Drown in it
  5. Drag my body
  6. Safety
  7. Exister
  8. Wrong way
  9. Take no prisoners
  10. Pledge wore thin
  11. No end left in sight
  12. The trap
  13. Paid in full

Gesamtspielzeit: 37:58 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Janosch
2012-07-18 03:20:21 Uhr
mit etwas abstand doch ein großartiges album
Phélan Ségur
2012-07-14 20:14:06 Uhr
@ Phélan Ségur [FAKE] &
@ der ROFL-Rolf [FAKE]

IDIOT!
@faker
2012-07-14 16:07:40 Uhr
das ist beeindruckend!
der ROFL-Rolf
2012-07-14 10:08:18 Uhr
konnte man den je ernst nehmen?! hat du ihn ej ernst genommen?!

gebt diesem jungs allen endlich mal frische hemden.die miefen ja so arg vor altem, abgestandenem pathos.aber klar,wer so hart und mit leib und seele ackert,der trieft auch.
Binsch a Schwuppe!
2012-07-14 03:37:59 Uhr
Genaus das richtige Album für kernige Bierflaschendeckelaufbeißer mit Arschwasser in der Poritze, die bereits angewiedert sind von solchen Schwuppenkapellen wie diese Gaylight Anthem. Brian Fallon kann man wie Armin einfach nicht mehr ernst nehmen.
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