Hospitality - Hospitality

Hospitality- Hospitality

Merge / Fire / Cargo
VÖ: 13.04.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Locker gemacht

Och nö, etwa schon wieder eine Band mit Webportal-Vorschusslorbeeren? Mit "Band to watch"-, "On the jump"- und "Next big whatever"-Sticker? Bei der die Postillen nicht nur begleiten und applaudieren, sondern zum Wohle der eigenen Abgrenzung auch Entdecker, Unterstützer und Ruhm-Shareholder sein müssen? Tja nun, es ist halt ein Dschungel da draußen. Und erst recht hier drinnen, im Web-Drölf-Null zu Zeiten der 23einhalbten Postmoderne. Kann man sich auch einfach mal dran gewöhnen. Tut bestimmt nicht weh. Wobei bei dem New Yorker Trio Hospitality alles schon ein wenig anders aussieht. Ihren ersten Buzz erlebten Amber Panini. Nathan Michel und Brian Betancourt mit einer EP im Jahre 2008, woraufhin sie vier Jahre lang aus diversen Gründen die Füße stillhielten. Doch kurz vor Veröffentlichung ihres Debüts ging sie halt wieder los, die "Wir machen Euch, Ihr macht uns"-Maschine. Sehr zu Recht, muss man sagen.

Und zwar deshalb, weil dieses Debüt von Pauken und Trompeten ebenso wenig hält wie vom Schulterklopfen, nur weil man halt da ist. Stattdessen spielen Hospitality frühlingshaften, gitarrenlastigen Indie-Pop mit dem ein oder anderen subtilen Ska-Einschlag und melancholischer Weltsicht. Ja, ganz einfache Musik, doch energiegeladen, freundlich und fein arrangiert. Papini singt dazu, als sei sie Emma Pollocks kleine Schwester - und zwar sowohl in Stimmlage, Phrasierung und Rhythmik. Allerdings imitiert sie nicht deren wehmütige Zurückhaltung, sondern trällert sich mit Wonne auch in eindeutigere Girl-Pop-Gefilde, doch ohne wirklich zu quietschen oder zu hyperventilieren. Und auch die Musik von Hospitality hält sich im Grunde genau auf der Grenze zwischen den frühen Delgados und beschwingtem Brit-Pop auf.

Dabei präsentieren Songs wie "The birthday" oder "Eighth Avenue" Abwechslung genug, um den Jingle-Jangle-Schunkeleien nicht nur nette und süßliche, sondern auch spannungsgeladene Momente zu entlocken. Da gibt es schon mal ein Shoegaze-Finale, eine Blues-Riff-Anmutung, Piano-Unterstützung für die Elegie und Saxophon-Intermezzos für den Spaß an der Freud. Doch jeweils gut abgestimmt, um das sonnige Gemüt der Platte nicht zu verlieren oder zu überziehen, während die Arrangements das harmonische Wohlfühlmaß kaum verlassen, aber auch nie in Richtung eindeutiger Hits normieren. Selbst die knackigen Zweieinhalbminüter "Betty Wang" und "Liberal arts" schwärmen oder poltern seicht durch ihre Zwischenspiele, "The right profession" mischt Papinis Gesang in den Hintergrund und lässt das Uptempo mehrmals wegbrechen. Und zum balladesk aufgebauten "Sleepover" kratzt es zum Schlusssatz fies durch die Frequenzen.

Somit präsentieren Hospitality ein wunderbar unaufgeregtes Debüt ohne Riiiiiesenhits, dafür aber mit durchgängigen Kleinoden. Und das muss man in diesem, mit einer Menge Luft zwischen den Instrumenten produzierten Genre erst einmal derart plausibel hinkriegen. Wo sonst hysterisch genug nach dem Killerrefrain oder Poschüttelbeat gesucht wird, um all die Lücken zu schließen, macht sich "Hospitality" locker und überträgt diesen Vibe auch auf den Hörer. Und so raunt es durch das Web-Drölf-Null: "Verdammt, die sind ja sogar besser, als wir sie haben wollten." Muss man sich halt dran gewöhnen. Tut überhaupt nicht weh.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Eighth Avenue
  • Betty Wang
  • Sleepover
  • The birthday

Tracklist

  1. Eighth Avenue
  2. Friends of friends
  3. Betty Wang
  4. Julie
  5. The right profession
  6. Sleepover
  7. The birthday
  8. Argonauts
  9. Liberal arts
  10. All day today

Gesamtspielzeit: 33:15 min.

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