Pete Yorn - musicforthemorningafter

Pete Yorn- musicforthemorningafter

Columbia / Sony
VÖ: 02.04.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Daylight in your eyes

Viele haben bereits Lieder gemacht, über die Bitterkeit verschmähter Liebe, "Was-wäre-wenn"-Szenarien, aus Hoffnung gesponnen, den Triumph der Bequemlichkeit über das Wagnis, das "Alleine-Zurückbleiben" und die verrückten Gedanken, die sich manchernachts ins Hirn fressen. Trotzdem klingt hier nichts abgegriffen: "Waiting for a bottle of truth / I'm just a lonely guy in my youth." Das ist Pete Yorn, 26-jähriger Songwriter, auf seinem Debüt-Album "musicforthemorningafter", womit er den Morgen meint, an dem man aufwacht und sich schlagartig bewußt wird, daß man heute sein Leben ändert.

Der Mann, der dem Aussehen nach gerne mit Jim Morrison und Ryan Adams verglichen wird, hat mit Letztgenanntem neben der schmachtenden Stimme zumindest eine Ex-Freundin gemein: Winona Ryder. Und Ex-Freundinnen fürchten seine Texte. "So take your lessons hard and stay with him / And when your car crash comes don't be mislead / Convince yourself that everything is alright / 'Cos it already is." Die schwarze Farbe auf dem Herzen ist noch nicht ganz getrocknet. Ach, wäre sie doch wenigstens bis Juni geblieben.

Yorns Gesang bricht sanft an unseren Trommelfellen und trägt eine Spur von aufrichtiger Traurigkeit in sich, jedoch keine Verzagtheit. Diese würde auch schwerlich zu jemandem passen, der mit der Gitarre unter dem Arm beim Label hereinspazierte und mit einem Vertrag in der Hand wieder rauskam. Rund 400 Songs hat er über zwölf Jahre hinweg angesammelt und die für "musicforthemorningafter" getroffene Auswahl läßt kaum Wünsche offen. Yorn hat kleine lyrische Exkursionen in der Schaufensterauslage: "Sense" handelt von dem Jungen in "The sixth sense", der lernen muß, mit seiner besonderen Gabe zu leben. In "Murray" erhascht man einen mysteriösen Einblick in das Leben von Murray Wilson, dem Vater der Beach Boys. Und in "Simonize" erstrahlt der Trieb, der Jack the Ripper töten ließ, in schwülem rosarotem Zwielicht. Seltsame Gedanken kommen daher. Das Leben wird in Form wunderbar schimmernder Perlen auf eine Kette gefädelt und um den Hals gelegt, bis sich die Kette löst und die Perlen haltlos herunterkullern.

Pete Yorn kitzelt etwas aus dem Unterbewußtsein heraus. Die Szene verschwimmt, plötzlich befindet man sich draußen im Mondlicht mit einer jungen Schauspielerin: "You were lying wide awake in the garden / Trying to get over your stardom / And I could never see you depart us / And you're my baby / You're just another girl." Nur ein weiteres Mädchen, das er verlieren wird. Ein Seufzer entringt sich dem Hörer. Pete jedoch ist gerade durch die heimische Eingangstür getreten, putzt sich die Schuhe ab und bezieht den Wandschrank. "I'm walking around your closet / I want you to say my name again." Das sollte man auch, und sich immer und immer wieder von seiner Musik gefangen nehmen lassen. Das Leben besteht aus unzähligen "Strange conditions" und gerade deshalb paßt "musicforthemorningafter" so gut dazu.

(Christina Hemmen)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Strange condition
  • Just another
  • Lose you

Tracklist

  1. Life on a chain
  2. Strange condition
  3. Just another
  4. Black
  5. Lose you
  6. For Nancy ('Cos it already is)
  7. Murray
  8. June
  9. Sense
  10. Closet
  11. On your side
  12. Sleep better
  13. Ez
  14. Simonze

Gesamtspielzeit: 57:38 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
koekoe
2013-03-27 18:37:46 Uhr
Haha. Ja, wirklich großartiges Album. Hat mich damals lange beschaeftigt, und auf eine etwa andere Art der Musik gebracht. Sowas muesste eigentlich ein Klassiker sein.
seno
2013-03-27 11:34:57 Uhr
Nachdem das Album damals bei mir rauf und runter lief, habe ich es vor ein paar Tagen mal wieder ausgegraben und erneut festgestellt wie gut das ist.
Das kann man auch ruhig 11 Jahre nach dem letzten Posting mal wieder erwähnen.
eckfahne
2002-05-09 01:04:00 Uhr
ich denke ja...
miserable moaner
2002-05-08 10:07:17 Uhr
also, ich finde das album bis jetzt eigentlich ziemlich langweilig... aber da bin ich wohl die einzige hier....
Yinka Dare
2002-05-07 13:20:26 Uhr
@strechtlime: Da wollte wohl jemand etwas Zwischengespeichertes posten, hatte aber ohne es zu wissen noch irgendeinen Schnipsel einer Musikrezension darin. Dass man das aber vor dem Abschicken nicht merkt?! Oder doch Verwirrung?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum