Don Niño - In the backyard of your mind

Don Niño- In the backyard of your mind

Prohibited / Cargo
VÖ: 18.05.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Indietitätsfindung

Der Franzose Nicolas Laureau, alias Don Niño, ist einer von jenen weitgereisten, selbstanpackenden Undercover-Identitäten, die man einst mit "Indie" meinte - bevor der Begriff zu einem Synonym für Larmoyanz, Seitenscheitel oder auch, als Bodensatz intellektueller Merkfähigkeit, "nicht Bon Jovi" wurde. Gemeinsam mit Bruder Fabrice war/ist er seit Anfang der Neunziger nicht nur Mitglied der Dekonstruktions-Rocker Prohibition und NLF3, sondern er betreibt seit 12 Jahren außerdem Prohibited Records, wo heuer auch Don Niños viertes Album "In the backyard of your mind" erscheint. Und auf dem ist es, wie es immer ist, bei den weitgereisten, selbstanpackenden Undercover-Indietitäten: Erst einmal solo unterwegs und mit genügend Erfahrung auf dem Buckel, spielen sie nur zu gerne trippig verkopften und zu rhythmischen Kettenreaktionen aufgebrochenen Folk.

Somit konzentrieren sich auch die Was-passiert-dann-Maschinen von "In the backyard of your mind" lieber auf das freudvolle Klackern jeder einzelnen Komponente und nicht auf den gefahrlosen Fortlauf. Hier hebelt ein 3/4-Takt oder eine zwitschernde Synthie-Schleife die Melodien aus, um sie darauf wieder schwungvoll ins Rollen zu bringen. Dort scheint das Schlagzeug kurzzeitig in einem mechanischem Jitter festzustecken, bis es sich mit einem spröden Klang wieder in den Song hinein löst. Laureau hingegen singt dazu kurz vor Kopfstimme, doch stets beinahe beiläufig und melancholisch informiert.

Auch sonst ist auf "In the backyard of your mind" wirklich eine Menge los: Es knackt, schmirgelt und loopt unablässig, während die Songs auf ganz wunderbaren Harmonien und atmosphärischen Strömungen vorangleiten. Bläsersektionen machen Stimmung, Harmonikas dudeln sich unauffällig in die Beat-Lücken, Selbstgeklatschtes trifft die Eins nicht ganz, macht sich aber nichts daraus, weil auch das Schlagzeug eher so ungefähr weiß, wo die sich gerade wieder rumlümmelt. Alle gemeinsam aber wissen nur zu genau, wo alle anderen gerade nicht sind - genau da gehen sie dann rein, die Banjos, Streicher-Betonungen, Schifferklaviere oder elektrischen Zirp-Gitarren. Und natürlich leiern auch Schlagzeug und Bass sehr gewollt und äußert akkurat - damit hier kein falscher Eindruck entsteht.

Der Hörer indes lauscht gebannt auf jedes Detail und bangt, ob es auch der nächste Song aus dieser seltsamen Falle gebaut aus Rimshot-Klickern, Shoegaze-Gitarren, Perlentaucher-Pickings, Quer- und Mundgeflötetem in die nächste Komponente schaffen wird. Wenn er denn möchte. Ansonsten konzentriert er sich einfach auf die ganz wunderbaren Melodien. Wer Folk ohne -Pop, -Rock oder Retro- etwas abgewinnen kann, der bekommt mit "In the backyard of your mind" jedenfalls einen herrlich unaufgeregten Entwurf in poetischer Vielstimmigkeit. Als weitgereiste, selbstanpackende Undercover-Indietität weiß Laureau halt, dass der Fortlauf jedweder Musik ohne einen letzten Rest frohgemuter Anstrengung nicht klappen kann. Deshalb hat er, ganz im Sinne ihres Erfinders Rube Goldberg, eine Menge Spaß an seinen Kettenreaktions-Maschinen. Recht haben sie - beide.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Everything collapsed all right
  • Beats
  • Cuckoo
  • Souls in the parlour

Tracklist

  1. Everything collapsed all right
  2. On the line
  3. She's resisting
  4. Beats
  5. Myself by heart
  6. Free birds (Bonus track)
  7. Cuckoo
  8. Fabulous
  9. Souls in the parlour
  10. Mellow to blossom
  11. I know the snake

Gesamtspielzeit: 43:32 min.

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