Storm Corrosion - Storm Corrosion

Storm Corrosion- Storm Corrosion

Roadrunner / Warner
VÖ: 04.05.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Gleitflug

Vor gut zehn Jahren kooperierten Steven Wilson und Mikael Åkerfeldt musikalisch das erste Mal. Bekanntermaßen war es damals zumindest überraschend, dass der introvertierte Wilson für Opeth ein derartiges Gewitter wie "Deliverance" produzierte - nur um nach einem Jahr mit dem düster-fluffigen "Damnation" das Yang zum Yin zu liefern. Ebenso bekannt ist, dass Wilson hernach nicht nur weitere Opeth-Platten soundtechnisch veredelte, sondern auch gemeinsam mit Åkerfeldt und dem damals unvermeidlichen Mike Portnoy Pläne für eine Prog-Supergroup zu schmieden begann.

Allein: Die Truppe, die seinerzeit technisch höchstwertiges Geballer zu versprechen schien, fand aus diversesten Gründen nicht zusammen. Ob nun wirklich der immer kolportierte Terminkalender schuld war, sei dahingestellt, aber anscheinend bedurfte es die persönliche Entwicklung in Form zweier so hochwertiger wie radikaler Alben wie Wilsons Solo-Ausflug "Grace for drowning" und Opeths brutalem Stilwechsel "Heritage", um auch künstlerisch tatsächlich zusammenzufinden - jedoch ohne den nach der Trennung von Dream Theater zunehmend orientierungslosen Portnoy. Denn so viel steht schnell fest: Ohne diese beiden Platten hätte bereits "Drag ropes", die Ouvertüre dieses Albums, nicht entstehen können.

Kaum zu glauben, dass es für diesen Song wenig mehr als einen gemeinsamen Abend und diverse Flaschen Wein brauchte. Denn diese tiefenentspannte Mixtur aus Psychedelia, düsteren Melodien und, ja, auch Prog, nimmt sofort gefangen, nicht zuletzt durch Åkerfeldts beruhigend-warme Vocals. Und wie als Antwort darauf schwebt Wilsons fragiler Gesang geradezu über den Titeltrack hinweg, wird von bedrohlichen Sound-Collagen entführt, nur um von einer zarten Hommage an Pink Floyd und King Crimson gerettet zu werden.

Und während "Lock howl" noch am ehesten an "Grace for drowning" erinnert, lehnt sich Åkerfeldt zu Beginn von "Ljudet innan" per ungewohnter Kopfstimme ganz weit aus dem Fenster - mit Erfolg. Denn diese Klänge, die direkt aus einem David-Lynch-Film kommen könnten, bilden einen würdigen Abschluss einer ganz großen Platte. Dass ein solches Album die volle Aufmerksamkeit braucht, ist eine gern genommene Floskel. "Storm Corrosion" ist jedoch in der Tat fordernd, geradezu brutal direkt. Nervenzerfetzend, wenn nebenher gehört, aber die schönste Art von Gefangennahme, wenn man sich dieser im Wortsinn traumhaften Vision mit Haut, Haaren und vor allem beiden Ohren hingibt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Drag ropes
  • Hag
  • Ljudet innan

Tracklist

  1. Drag ropes
  2. Storm Corrosion
  3. Hag
  4. Happy
  5. Lock howl
  6. Ljudet innan

Gesamtspielzeit: 47:58 min.

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