Macy Gray - Covered

Macy Gray- Covered

429 / Fontana / Universal
VÖ: 06.04.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Versuche

Wenn Dir nix mehr einfällt, mach einfach nix. Und wenn Du doch was machen willst, lade Dir ein paar Freunde ein, um wenigstens ein paar fremde Songs zu verunstalten. Wenn Du mutig bist oder das Anderssein zu Deinem Klischee gehört, sollten diese Songs natürlich vorwiegend aus anderen Musikecken stammen als Du selbst. Das dachte sich Raspelstimme Macy Gray neulich und präsentiert mit "Covered" nun eine Handvoll, nun ja, Coverversionen.

In der Vergangenheit hatte sich Gray mit munterem Neo-Soul in der Tradition ihres Durchbruchshits "I try" stets dagegen gewehrt, ihren Ruf mit der Divenhaftigkeit von Zeitgenossinnen wie Beyoncé zu verunstalten. Weit weg von Glamour waren die zunehmend maueren Alben tatsächlich, die außer ein paar Duetten mit Bobby Brown oder Natalie Cole wenig Bleibendes abwarfen. Kein Wunder, dass ihre Weltsicht dunkler geworden ist. Und weil man ihr eine solche Transformation vielleicht nicht direkt abnimmt, bedient sie sich bei anerkannten Vorlagen. Die man ihr aber so nicht zugetraut hätte.

Gleich der Einstieg mit "Here comes the rain again" dürfte die eine oder andere Kinnlade nach unten drücken: Sie entschleunigt den unterkühlten Eurythmics-Klassiker und suhlt sich in wohligem Unbehagen. Radioheads "Creep" entlärmt sie schon seit Jahren auf der Bühne in angemessen verschlurfte Niedergeschlagenheit. Doch erfreulicherweise begnügt sich Gray nicht mit grauem Trübsinn. Aus My Chemical Romances grell geschminkter Emo-Hymne "Teenagers" macht sie einen geschmeidigen Mitwipper, und "Maps" von den Yeah Yeah Yeahs überholt sich bisweilen selbst. "Sail" von Awolnation steht eine zusätzliche Zerbrechlichkeit, und auch Metallicas "Nothing else matters" funktioniert ohne Testosteron. Die Soul-Kompatibilität von Arcade Fires "Wake up" war hingegen schon durch John Legend bekannt. Besonders eindrucksvoll gelingt jedoch "Bubbly" von Colbie Caillat, das sie gemeinsam mit Idris Elba auf wolkige Beats bettet.

Natürlich kann sie auch anders: Im auch von Sublime schon gecoverten The-Toyes-Klassiker "Smoke two joints" huldigt Gray dem genüsslich verkifften Offbeat. Und in "Love lockdown/Buck" zeigt sie Kanye West nicht nur, wie man auch ohne Autotune den Ton trifft, sondern verquirlt den Track mit Nina Simones "Buck" und ist plötzlich wieder mitten im R'n'B-Glück. Das ist nicht immer zwingend, aber von gekonnter Lässigkeit. Wenn sie sich jedoch nicht gerade über Songs aus Indie-Rock, Arena-Metal, Folk, Emopop und Elektro-Rock hermacht, widmet sie sich in absurden Skits dem gepflegten Wahnsinn. In "You want them nervous" rät ihr Comedian J.B. Smoove, auf der Bühne mit einem schwertartigen Mikrofonständer zu fuchteln, um das Publikum in den Bann zu ziehen. Nicole Scherzinger hingegen demonstriert Gray, welchen Vorteil die Jodeleien wie von Alanis Morrisette oder Shakira für ihren Gesang hätten. Sowieso solle sie besser gleich deren Songs singen. Und im abschließenden "Really?" nervt Gray MC Lyte damit, dass sie mit immer mehr Attributen angekündigt werden will. Sie sei schließlich "the amazing, the gorgeous, the gigantically genius, geniously gifted, hot swag Macy The Gray." Einigen der Tracks hätte man solchen Schalk allerdings ebenso in den Nacken gewünscht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Teenagers
  • Sail
  • Bubbly
  • Wake up

Tracklist

  1. Here comes the rain again
  2. Creep
  3. You want them nervous (Skit feat. J.B. Smoove)
  4. Smoke two joints
  5. La la la (Teaching the kids) (feat. Layann Al Saud, Avery Albert, Happy Hinds and Siena Steiber)
  6. Teenagers
  7. The power of love (feat. Hugh Salk)
  8. Nothing else matters
  9. Sail
  10. I try is cool and all, but… (Skit feat. Nicole Scherzinger)
  11. Maps
  12. Lovelockdown/Buck
  13. Mel rap (feat. Mel Hinds)
  14. Bubbly (feat. Idris Elba)
  15. Wake up
  16. Really? (Skit feat. MC Lyte)

Gesamtspielzeit: 46:31 min.

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