The Trembling Bells & Bonnie 'Prince' Billy - The marble downs

The Trembling Bells & Bonnie 'Prince' Billy - The marble downs

Honest Jon's / Indigo
VÖ: 06.04.2012

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Folk you!

Vielleicht wäre so ein Krimskrams-Laden die bessere Idee gewesen, so mit Engelchen aus Porzellan, Postkarten, die auf harmlos-dumme Art alte Geschlechter-Stereotypen aufwärmen, und leicht anzüglichen Geschenkideen wie Liebeswürfeln (leuchten im Dunkeln!) oder Peniswärmern. Aber nein, die Trembling Bells und Will Oldham haben sich für eine gemeinsame Platte entschieden, dem vierten Album in der Diskographie der Glasgower Folk-Rocker und der werweißdasschonwievielten bei Bonnie 'Prince' Billy, der allerdings wohl weit mehr Menschen zum Kauf aufgrund seines Namens bewegen wird als die Schützlinge von Honest Jon's. Dabei war Oldham nur bei zwei Songs am Schreibprozess beteiligt, und fast könnte das schon als Entschuldigung herhalten für die knapp fünfzig Minuten von "The marble downs", die so ziemlich gar nichts mit dem restlichen Output des bärtigen Kauzes zu schaffen haben. Denn die Trembling Bells packen Saftpäckchen, Tupperdose und Bio-Apfel in ihren Rucksack, hängen sich die Gitarren um die Schultern und marschieren artig die Route des englischen Folk-Rock der späten Sechziger entlang.

Und ja, vielleicht wären sie mit diesem Experiment weit gekommen, wenn sie nicht nach 30 Sekunden schon keine Lust mehr gehabt hätten. Die Stimme von Lavinia Blackwall säuselt da in dem lauen Lüftchen aus Orgel, Gitarre und Bläsern, bevor dann doch noch eine Struktur einsetzt. Es regnet auf alles und jeden, Sterben und Lieben gehen Hand in Hand, und der Tod klopft an die Tür. Steigt die Schamesröte einem da schon ins Gesicht, lässt "Love is a velvet noose" einen zur Signalfarbe werden. Im Booklet als Künstler dann schön Fickificki-Bildchen unterbringen, nur um "My husband's got no courage in him" anzustimmen, nein, echt nicht. "The marble downs" mag Menschen im Starbucks in Hamburg über ihre iPod-Kopfhörer den Naturalismus nahe bringen wollen, doch das komplette Paket ist so rotzlahm, konservativ, naiv und rückwärtsgewandt, dass es gar nicht merkt, in was für einem Netz aus Esoterik und widerlichem Kitsch sich das alles verstrickt.

"Everytime I close my eyes" - das sind Zeilen, die will man nicht mal von Bryan Adams hören und noch weniger von Will Oldham. Als guter Gast kann er den Trembling Bells natürlich nicht seinen nihilistischen Mahlstrom von etwa "I see a darkness" aufdrücken, aber wenigsten mal sagen können, dass es nicht gut ist, jeder Melodie noch ein kleines Schleifchen umzubinden, denn nanu, nana, das funktioniert nicht und auch nicht über fast sieben Minuten. Trotzdem müssen Songs wie "Lord bless all" bis kurz vor die Schmerzgrenze getragen werden - und haben auch in dieser Zeit absolut nichts, gar nichts zu sagen. Das mag im Schaufenster alles glitzern, aber kaum eingesackt, stellt sich raus, dass "The marble downs" kein Mensch braucht. Psychedelic und Folk als schöne glitzernde Dinge - der Bart müffelt hier vom Kopf. Aus jedem Hippie-Fettnäpfchen kann eben noch ein Happening samt gegenseitigem Einschmieren werden.

(Björn Bischoff)

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Highlights

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Tracklist

  1. I made a date (with an open vein)
  2. I can tell you're leaving
  3. Ferrari in a demolition derby
  4. Ain't nothing wrong with a little longing
  5. Excursions into assonance
  6. Everytime I close my eyes (we're back there)
  7. Love is a velvet noose
  8. My husband's got no courage in him
  9. Riding
  10. Lord bless all

Gesamtspielzeit: 48:21 min.

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