Sheryl Crow - C'mon, c'mon

Sheryl Crow- C'mon, c'mon

A&M / Universal
VÖ: 08.04.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sonnenbrand

Der "Tuesday night music club" platzte 1994 völlig unerwartet in die Poplandschaft und wenig später aus allen Nähten. Eine bis dahin unauffällige Backgroundsängerin namens Sheryl Crow hatte sich angeschickt, mit wenig spektakulärem, aber um so eingängigerem Gitarrenpop die Radios dieser Welt zu erobern. Mit dem unvermutet düsteren "Sheryl Crow" und dem geradeaus gehenden "The globe sessions" wurde diese schließlich neben Alanis Morissette zu einer der Bannerträgerinnen des aufmüpfigen Fräuleinwunders der Neunziger. Doch wenig später belagerten Damen wie Shania Twain oder Faith Hill mit einem ähnlichen Hang zu countryfiziertem Pop und einer noch größeren Neigung zu stromlinienförmigem Dance-Geplätscher jenes Formatradio, welches einst Crows "All I wanna do" wundgespielt hatte.

Mit "C'mon, c'mon" wird nun auch die Grande Dame des Amipops, die erst kürzlich zusammen mit Rüpel Kid Rock den Song "Picture" gesäuselt hatte, eine ganz Brave. Zusammen mit der ebenfalls gezähmten Liz Phair setzt es nun mit "Soak up the sun" die erste Single, und dem Hörer fällt fast das Essen aus dem Gesicht. Ist das wirklich die Liz Phair, die uns einst "Fuck and run" in selbiges gespuckt hatte? Eine derart platte Kirmes-Country-Variante mit Plastikbeat hätte man jedenfalls von dieser Zusammenarbeit wirklich nicht erwartet. Doch nicht nur dort knirscht es unangenehm im Gebälk. Und dies liegt nicht allein daran, daß sich Crow in ein etwas zu enges Ledertop zwängt.

Dabei ließ man doch eigentlich nichts unversucht. Eine Handvoll großer Namen wie Stevie Nicks (Fleetwood Mac), Don Henley (Eagles) oder Lenny Kravitz (Lenny Kravitz) wurde ins Studio gekarrt. Reichlich sonniges Gemüt, betont moderne Produktion und nur noch mit der Lupe aufspürbare Bodenständigkeit sollten es - nach drei langen Jahren Fummelei - endlich richten. Eine Rockscheibe habe es nämlich zu sein. Eine Platte für die warme Jahreszeit. Und so versuchen jede Menge "Sha-la-la" und eine Extraportion "Ooh-hoo" auf dem Weg vom Studio zum Sandstrand allerlei sonnengegerbte Belanglosigkeiten aufzublasen wie einen imposanten Gummidrachen. Doch aus dessen Löchern pfeift meist ein ganz anderes Lied: Sommer, Sonne, Seichtigkeit.

Viel zu selten schnappt sich Crow einfach die Klampfe und spielt grinsend drauf los. Selbst im knappen Bikini rockt sie dabei äußerst hemdsärmelig. Dann und wann aber entlockt sie den am Strand herumlungernden Sandburgbesitzern doch noch ein Lächeln. Wenn z.B. ein gewisser "Steve McQueen" im Cabrio die Uferpromenade heruterkurvt. Wenn dem "Lucky kid" mit der rutschenden Badehose der Rotz aus der Nase trieft. Wenn das melancholische Geschrammel in "Safe and sound" tatsächlich so etwas wie Sonnenuntergangsatmosphäre aufkommen läßt. Wenn Emmylou Harris' Stimme im zerbrechlichen "Weather channel" für Gänsehaut sorgt und man sich leise fröstelnd in den Strandkorb kuschelt. Dann erinnert "C'mon, c'mon" sogar an erfreulichere Zeiten. Doch anstatt während der Krise der Konkurrentinnen endlich das Zepter der Badekönigin an sich zu reißen, läßt Crow lieber selber das Mittelmaß regieren. That don't impress me much.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Safe and sound
  • Weather channel

Tracklist

  1. Steve McQueen
  2. Soak up the sun
  3. You're an original
  4. Safe and sound
  5. C'mon, c'mon
  6. It's so easy
  7. Over you
  8. Lucky kid
  9. Diamond road
  10. It's only love
  11. Abilene
  12. Hole in my pocket
  13. Weather channel
  14. Missing

Gesamtspielzeit: 61:07 min.

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