Dear Wolf - Hello stars

Dear Wolf- Hello stars

Dear Wolf / Fuego / Timezone / Rough Trade
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gute Nacht

Jetzt, wo Fury In The Slaughterhouse Geschichte sind, kann sich mancher wieder mit Wohlwollen an den deutschen Indierock der Neunziger erinnern. Damals krochen alle naselang Gitarrenbands aus Provinznestern auf die Bühnen der Republik, wurden von aufstrebenden Musikmagazinen wohlwollend aufgenommen und vom jungen Sender Viva in die Rotation genommen. Aufrechte Handarbeit war wichtiger als Coolness. Das berechtigte Lästern über "Hannoveranischen Rock'n'Roll" kam tatsächlich erst später.

Doch natürlich gelang nur einer Handvoll dieser Bands so etwas wie nachhaltiger Erfolg. Dear Wolf aus Krefeld gehörten nicht dazu. Das empfand mancher am Niederrhein als ungerecht. Doch im Gegensatz zu längst vergessenen Zeitgenossen wie den Chainsaw Hollies, Hip Young Things, Locust Fudge, Gun oder Sharon Stoned wehren sich Dear Wolf gegen das Vergessen. Ein wenig. Sie kamen 2008 einfach mit "The falldownstandup" ungefragt zurück und machten mit teils dramatischem, teils euphorischem Gitarrenpop dort weiter, wo sie 1997 aufgegeben hatten. Dass auch dieses Lebenszeichen vorwiegend ignoriert wurde, hindert sie nicht daran, nach vier weiteren Jahren mit "Hello stars" ihr sechstes Album zu veröffentlichen.

Das beherzte Schrammeln der Gitarren und Alexander Classens warmer, an Tears For Fears' Roalnd Orzabal erinnernder Gesang wecken gleich mit dem munteren Opener "Sketch of the universe" nostalgische Gefühle. Die dramatische Emphase hat angenehm wenig von der Emocore-Weinerlichkeit, die das nachfolgende Jahrzehnt geprägt hatte. Eher schon lassen sich Parallelen zu Collegerock und Hannoverschen Weggefährten wie Fury In The Slaughterhouse oder Terry Hoax ausmachen. Die Orgel wummert, der Bass nagt, und gelegentlich lärmt es auch ein wenig. Stets steht alles im Dienst der Harmonie, ohne allzu vorhersehbar zu poprocken. Das ist nicht nur ein wenig anachronistisch.

Doch das große Pfund von Dear Wolf ist, dass ihnen das völlig egal ist. Sie legen es nicht auf großen Erfolg an und vermeiden jene anbiedernden Melodien, wie sie Fury In The Slaughterhouse bisweilen unterliefen. Songs wie das resignierte "Machinery", das flotte Unbehagen von "Fingers bleed" oder die an The Jam gemahnenden Powerpopper "Revenge" und "Leaving home" machen in ihrer Unangestrengtheit richtig Spaß. "God is" zweifelt an religiösen Dogmen, und "Markets of life" badet zur Abwechslung in Hall und Klavier. Dann lässt "Sweet make believe" die Füße wippen, und "And the people come" schmeißt sich mit träumerischer Hookline und schepperndem Groove nach vorne. Das ist niemals retro, sondern entwickelt nostalgischen Charme. Wenn dieses Mal schon wieder kaum jemand Notiz von Dear Wolf nehmen will, wäre das verständlich. Aber trotzdem ziemlich schade.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • And the people come
  • God is…
  • Fingers bleed
  • Machinery
  • Leaving home

Tracklist

  1. Sketch of the universe
  2. Revenge
  3. And the people come
  4. God is …
  5. Markets of life
  6. Fingers bleed
  7. Sweet make believe
  8. Machinery
  9. Leaving home
  10. I lioe
  11. Listen to the world
  12. God is (Alternative mix)

Gesamtspielzeit: 57:21 min.

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